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Eine Stadt auf Pfählen

 
 

Amsterdam liegt zum größten Teil unter dem Meeresspiegel

Strand in Holland
Strand in Holland
© Paulski / pixelio.de
Wie die übrigen westlichen Niederlande, liegt auch Amsterdam zum größten Teil unter dem Meeresspiegel. Nur die Dünen und Deiche schützen die Stadt vor den schäumenden Wogen der Nordsee und der Zuiderzee. Kein Wunder, dass die Amsterdamer in früheren Jahrhunderten den Wasserstand bei Ebbe und Flut genau überwacht haben. Amsterdam war die erste Stadt der Welt, in der dies systematisch geschah.

Ohne Deiche und Dünen würde Amsterdam versinken

Die Messungen der Wasserstände wurden anhand eines festen Eichpunktes verrichtet, dem so genannten NAP, Normaal Amsterdams Peil. Dieser wurde im 17. Jahrhundert aus dem durchschnittlichen Stand des Amsterdamer IJ errechnet. Diese Messstelle hat sich für Höhenmessungen in fast allen westeuropäischen Ländern zum Maßstab schlechthin entwickelt. Wie hoch dieser NAP ist, sieht man in der Passage zwischen dem Amsterdamer Stadhuis und dem Muziektheater auf dem Waterlooplein.
Die genaue Höhe des NAP
© M.Minderhoud / Wikimedia Commons © GNU FDL
Wer dort hinein schaut, sieht zuerst drei mit Wasser gefüllte Säulen, die aus dem Boden ragen. Zwei dieser Säulen zeigen den aktuellen Wasserpegel der Küstenstädtchen Vlissingen und Ijmuiden an. Bei Flut reicht das Wasser in den gläsernen Rohren bis weit übers Knie. Feste Deiche und eine breite Dünenlinie an der Küste schützen die Stadt jedoch vor dem Wasser, denn sonst müsste man hier Gummistiefel tragen! Noch interessanter ist jedoch die dritte Glassäule; in dieser steigt das Wasser sprudelnd bis auf vier Meter über Kopfhöhe. So hoch (450 Zentimeter über NAP) stieg das Wasser während der Hochwasserkatastrophe in Zeeland, im Jahr 1953.
Den Stand des einzigen wirklichen Amsterdamer Pegels sieht man, wenn man die Treppe bei den Wassersäulen hinuntergeht. Ein Bronzeknopf zeigt dort genau die Höhe des Amsterdamer Pegels an. Von Helsinki bis Rom werden alle Höhenmessungen im Straßenbau, beim Bauen von Häusern und Brücken und natürlich beim Messen des Wasserstandes im Vergleich zu diesem Bronzeknopf vorgenommen.
Borneo Island in Amsterdam
Borneo Island in Amsterdam
© gershon / photocase.de

Amsterdam ist auf Pfählen erbaut

Wer in Amsterdam ein Haus baut, weiß, dass er mit dem Wasser rechnen muss, trotz der festen Deiche, die der Stadt vor dem Meer ausreichenden Schutz bieten.
Durch das allgegenwärtige Wasser steht Amsterdam auf einem weichen Torfboden, auf dem man nicht auf "normale" Weise Häuser bauen kann. Die früheste Bebauung waren deshalb leichte Holzhäuser, die trotz des weichen Untergrundes stabil waren.
Nach einigen Großbränden, die ganze Stadtteile von Amsterdam in Schutt und Asche legten, wurde im Jahre 1669 das Bauen von Holzhäusern endgültig verboten.
Fassade des Palastes am Dam
Fassade des Palastes am Dam
© bMA / www.bmz.amsterdam.nl
Der Bau der viel schwereren Ziegelhäuser erforderte jedoch besondere Vorkehrungen. Damit die Häuser und größere Gebäude aufrecht stehen blieben, mussten sie ein Fundament aus mindestens elf Meter langen Holzpfählen erhalten. Diese wurden in den Boden gerammt, bis die Pfähle auf eine feste Sandschicht stießen. Dieses Einrammen oder Pfählen war eine schwere Aufgabe, die mit Menschenkraft ausgeführt werden musste.
Große Gebäude, wie der Palast auf dem Dam brauchten ein besonders solides Fundament. Für dieses kolossale Bauwerk mussten 13.659 Pfähle in den Boden gerammt werden. Seit über dreihundert Jahren sorgen die gleichen Holzpfähle dafür, dass der Palast nicht im Erdboden versinkt.
 
Auch heute noch werden alle Gebäude in Amsterdam auf diese Weise gebaut. Man verwendet allerdings keine Holzpfähle mehr, nach 1945 wurde das Holz durch Beton ersetzt. Auch werden die Pfähle heute viel tiefer in den Boden gerammt: bis auf die zweite Sandschicht, die ungefähr 20 Meter unter der Bodenoberfläche liegt. Hohe, schwere Bürogebäude und Appartementhäuser stehen sogar auf Pfählen, die 60 Meter lang sind und bis auf die dritte Sandschicht eingerammt werden.
Wohnen auf dem Wasser
© ATCB

Tausende Amsterdamer wohnen auf dem Wasser

Seit es Amsterdam gibt, haben Schiffe das Stadtbild bestimmt. In den ersten Jahrhunderten waren es vor allem kleine Fischerboote und Binnenschiffe, später kamen noch die großen Kaufmannsschiffe und Kriegsschiffe hinzu und heutzutage bestimmen auch die Wohnschiffe das Amsterdamer Stadtbild. Etwa 2400 Hausboote liegen heute auf den Amsterdamer Grachten. Das Wohnen auf dem Wasser hat natürlich seinen ganz eigenen Reiz, aber das ist nicht der wichtigste Grund für diese Besonderheit.
Schwimmende Gärten in Amsterdam
Schwimmende Gärten in Amsterdam
© Volker Innig / pixelio.de
In den Jahren nach 1950 wurde diese Art zu Wohnen vor allem deswegen beliebt, weil es kaum andere billige Wohnmöglichkeiten in der Stadt gab. In dieser Zeit verkauften viele Besitzer ihre Schiffe, weil sie auf größere Schiffe umsteigen wollten oder weil sie nicht mehr von der Schifffahrt leben konnten.
Amsterdamer, die damals eine Wohnung suchten, konnten diese "abgedankten" Schiffe für geringe Summen kaufen, durch kleine Umbauten an den Booten hatten sie schnell eine billige Wohnung. Die Wohnschiffe in den Amsterdamer Gewässern fallen vor allem durch ihr unterschiedliches Äußeres auf. Man sieht Rheinkähne, die in ihrem Charakter nicht verändert sind, neben bunt bemalten Schiffen.
Das Katzenschiff oder auch Poezenboot
Das Katzenschiff oder auch Poezenboot
© ivak / pixelio.de
Manchmal verdient ein Wohnschiff kaum mehr diesen Namen; wenn zum Beispiel auf einem rechteckigen Plateau ein kompletter Bungalow aus Holz oder Stein errichtet wurde.
Die Wohnschiffe müssen natürlich bestimmten Gemeindevorschriften entsprechen, unter anderem auf dem Gebiet der Feuersicherung.
Übrigens bieten die Wohnschiffe nicht nur den Menschen eine Bleibe. Am Singel, gleich bei der runden Lutheranerkirche, liegt seit vielen Jahren das Katzenschiff vor Anker, auf dem ein Team von einsatzfreudigen freiwilligen Helfern für ca. hundert herrenlose Katzen aus Amsterdam sorgt. Jeden Tag von 13 bis 15 Uhr können interessierte Besucher diese besondere Arche Noah besichtigen.
 
 
Textquelle:
Pressematerial des Niederländischen Büros für Tourismus & Convention,
 
 
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