Stadtbild
Häuser an der Leidsegracht
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Leicht windschief lehnen sich die schmalen Häuser aneinander. Ein Radler überquert auf seinem quietschenden Fahrrad die Brücke, vor dem Eckcafé sitzen Leute beim Milchkaffee in der Sonne. In der Ferne hört man die Straßenbahn über den Leidseplein rumpeln. "Eine schöne Stadt, Amsterdam. Auch der Verbannte bewundert die nobelschlichte Architektur der alten Patrizierhäuser, spürt den etwas verwunschenen Reiz der Grachten mit ihren venezianischen Gerüchen und Perspektiven", schwärmte bereits Klaus Mann in den 1930er-Jahren. Und wie damals der deutsche Schriftsteller, so erliegen auch heute noch jährlich Millionen Besucher dem Charme der Metropole an der Amstel.
Vielseitig und geschichtsträchtig
Kein Wunder, denn Amsterdam ist eine unglaublich vielseitige Stadt. Alt und neu, ruhig und betriebsam, kunstsinnig und kommerziell, kleinstädtisch und kosmopolitisch - keine Beschreibung der Grachtenstadt kommt ohne Widersprüche aus. Mit annähernd 7500 denkmalgeschützten Bauten hat Amsterdam die höchste Dichte an historischen Monumenten in den Niederlanden zu bieten. In der Altstadt gibt es an jeder Ecke ein Stück Geschichte zu entdecken, von bebilderten Giebelsteinen über alte Schiffswerften bis hin zur Geheimkirche unter dem Dach eines Grachtenhauses.
Das verborgene Raepenhofje
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Dank der kompakten Innenstadt kann man in Amsterdam, das sich über 90 Inseln erstreckt, wunderbar flanieren. Erst wer zu Fuß durch die kopfsteingepflasterten Gassen entlang der Grachten läuft, wird die Eleganz der schmalen, hohen Bürgerhäuser wahrnehmen, wird den Reiher auf dem Dach des Hausboots bemerken, hier und dort auf ein verborgenes „hofje“ oder einen kleinen Antiquitätenladen stoßen. Das historische Ensemble des Grachtenrings ist über die Jahrhunderte hinweg komplett erhalten geblieben. 1999 wurde deshalb die gesamte Innenstadt unter Denkmalschutz gestellt. Aber auch in manchen anderen Gegenden, wie dem beinahe dörflich wirkenden Jordaan, scheint die Zeit stillzustehen. Nur wenige Autos wagen sich in die engen Gassen, statt dessen stehen Blumenkübel vor den Häusern und schleichen Katzen um die Ecken.
Turbulent und international
Dass Amsterdam dennoch kein angestaubtes Freilichtmuseum, sondern eine überaus lebendige Stadt ist, liegt einerseits am unbefangenen Umgang der Holländer mit ihren Denkmälern - da wird schon mal eine Neonreklame an einen gotischen Treppengiebel gehängt -, andererseits aber auch an der ungewöhnlich internationalen und jugendlichen Bevölkerung. 37 Prozent der Amsterdamer stammen nicht aus den Niederlanden, und beinahe die Hälfte der Einwohner ist jünger als 35 Jahre. Und so geht es in den Ausgehvierteln rund um Leidse- und Rembrandtplein stets turbulent zu, die Shoppingmöglichkeiten sind fast grenzenlos, und die Wahl zwischen den vielen verschiedenen Spezialitätenrestaurants fällt ungeheuer schwer.
Am deutlichsten spürbar ist das internationale Flair auf dem Albert Cuypmarkt im Arbeiter- und Studentenviertel De Pijp, wo asiatisches Gemüse neben holländischen Tulpen und indischem Haargel feilgeboten wird. Viel Trubel herrscht an Sommertagen auch im Vondelpark, der schon zu Hippiezeiten ein berühmter Treffpunkt der Jugend war.
Fahrräder
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Fahrräder
Über 550 000 Fahrräder soll es in Amsterdam geben. Rund ein Drittel der Amsterdamer bewegt sich bei Wind und Wetter auf dem Fahrrad fort - in der überschaubaren, aber ständig von Staus verstopften und zugeparkten Stadt ist das „fiets“ einfach das beste Verkehrsmittel. Radfahrer dürfen so ziemlich alles, sogar zu zweit nebeneinander fahren und Passagiere auf dem Gepäckträger mitnehmen. Die meisten Drahtesel befinden sich in erbärmlichem Zustand. Das ist jedoch Taktik: Sieht ein Rad zu teuer aus, wird es im Handumdrehen gestohlen.
Takelbalken
Man sieht sie an fast jedem Haus, ob es vierhundert oder nur vier Jahre alt ist: Takelbalken. Die mit einem Haken versehenen Balken ragen in der Regel über dem Dachfenster aus der Fassade. Sie sind keineswegs historische Artefakte, sondern werden noch heute benutzt. Die Treppen in Amsterdamer Häusern sind extrem schmal und steil, sodass man größere Gegenstände kaum über sie transportieren kann. Stattdessen leiht man beim Umzugsunternehmer eine Seilwinde, die man am Takelbalken befestigt, und hievt Schränke, Klaviere und andere sperrige Dinge durch ein Fenster in die Wohnung. Um zu verhindern, dass das Gut gegen die Fassade schlägt, wurden Häuser früher oft ein wenig vornüber geneigt gebaut.
Grachten in Amsterdam
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Grachten
Amsterdam wird auch als "Venedig des Nordens" bezeichnet. Den Beinamen verdankt es den Grachten, die das Bild der Altstadt bestimmen. Früher dienten sie als Abwasserkanäle: Einmal täglich wurden die Schleusen geöffnet und das schmutzige Wasser in die Zuiderzee, das heutige IJsselmeer, gespült. Auch heute wird das Wasser noch mehrmals pro Woche ausgetauscht. In den 60er- und 70er-Jahren wurden einige Grachten zugeschüttet, um den Verkehrsfluss in der Altstadt zu erleichtern. Einzig ihre Namen - Vijzelgracht, Lindengracht oder Palmgracht - zeugen noch davon, dass diese Straßen einmal Kanäle waren.
Vergangenheit auf Schritt und Tritt
Nicht weniger als 7500 Baudenkmäler hat Amsterdam zu bieten. Die meisten von ihnen liegen in bequemem Laufabstand zueinander in der Innenstadt - entweder in den „walletjes“, dem ältesten Stadtteil, oder im Grachtenring. Niemand sollte die Stadt verlassen, ohne einmal ausgiebig durch Singel, Heren-, Keizers- oder Prinsengracht geschlendert zu sein. Aber auch manch ein neueres und unbekannteres Stadtviertel lohnt einen Abstecher. Wer einen ersten Überblick bekommen möchte, sollte auf den Turm der Westerkerk steigen.
Amsterdam hat zu jeder Jahreszeit seinen Reiz - ob im Sommer, wenn die Cafés ihre Tische auf die Straße stellen und sich eine beinahe mediterrane Atmosphäre ausbreitet, oder im Winter, wenn Nebelschleier über den Grachten hängen und die Brücken festlich beleuchtet sind. Zu den Hauptattraktionen gehören die drei großen Museen Rijksmuseum, Van Gogh und Stedelijk Museum mit ihren einzigartigen Kunstschätzen ebenso wie die vielen kleinen Läden, den „winkels“, im Stadtzentrum. Und nicht zuletzt trägt auch die offene und fröhliche Art der Bewohner dazu bei, dass Amsterdam ein beliebtes Ziel für Besucher aus aller Welt ist.
Dank seiner Vielseitigkeit zieht Amsterdam viele Besuchertypen an. Wenn sich jedoch die Ulmen im Wasser der Grachten spiegeln und im Hintergrund das Glockenspiel der Westerkerk erklingt, sind sie alle gleichermaßen fasziniert.