Ausflüge rund um Amsterdam
Über Haarlem an den Strand von Zandvoort
Erst führt der Ausflug ins historische Haarlem mit seiner gotischen Kathedrale, dem Frans-Hals-Museum und vielen "hofjes". Danach können Sie sich am Nordseestrand durchpusten lassen oder die Dünenlandschaft erkunden. Im Sommer Badesachen nicht vergessen! Entfernung: ca. 35 km. Sie können den Ausflug an einem Tag unternehmen. Empfehlenswert ist, ihn auf zwei Tage auszudehnen.
Die Grote Kerk in Haarlem
© ATCB
Mit dem Zug ist Haarlem in 20 Minuten erreicht. Schon der Bahnhof ist die erste Sehenswürdigkeit: Auf dem mittleren Bahnsteig des von 1905 bis 1908 errichteten Gebäudes stehen einige schöne Jugendstilpavillons, die früher als Wartesäle dienten. Folgen Sie dem Kruisweg ins Stadtzentrum. Innerhalb weniger Minuten stehen Sie auf dem Grote Markt, unverkennbar das Zentrum der historischen Altstadt. Die lange Geschichte Haarlems ist auf dem weitläufigen Marktplatz ebenso spürbar wie seine Lebendigkeit: Nicht nur alte Häuserzeilen, die wuchtige gotische Grote Kerk und das Renaissancerathaus säumen den Platz, sondern auch zahlreiche Cafés und Kneipen.
Dank seiner engen Gassen und niedrigen Bebauung wirkt Haarlem trotz seiner 100 000 Einwohner noch immer recht mittelalterlich. Es war einmal eine überaus mächtige und reiche Stadt und ist sogar älter als Amsterdam: Schon im 10. Jahrhundert wurde Haarlem in Urkunden erwähnt. Schiffsbau und Bierbrauerei sorgten für Wohlstand, im Goldenen Zeitalter kam mit den Flüchtlingen aus Flandern die Tuchweberei hinzu.
Kathedrale in Haarlem
© Steinbach
Die spätgotische Kathedrale bestimmt noch immer das Stadtbild. Sie sollten sie unbedingt von innen besichtigten, denn in der großen Kreuzbasilika steht eine der berühmtesten Orgeln Europas. Sie wurde 1735-1738 von Christian Müller gebaut, hat über 5000 Pfeifen und ist 30 m hoch. Angeblich haben nicht nur Händel, Schubert und Liszt, sondern auch der zehnjährige Mozart einmal darauf gespielt (Konzerte von Mai-Juli und im September/Oktober Dienstag abends, im August Donnerstags von 15-16 Uhr).
Wer sich für moderne Kunst interessiert, sollte die Vleeshal an der Südseite des Markts besuchen. In der 1602 errichteten Fleischhalle finden regelmäßig experimentelle Ausstellungen statt. Liebhaber der Kunst des Goldenen Zeitalters kommen im Frans-Hals-Museum auf ihre Kosten. Das Museum beherbergt eine der weltweit besten Sammlungen mit Gemälden der Haarlemer Schule - allen voran acht gigantische Schützenstücke aus der Hand des Namenspatrons (Groot Heiligland 62, Montag-Samstag von 11-17 Uhr geöffnet, Sonntag von 13-17 Uhr, der Eintritt kostet 5,50 Euro (MK)).
Häuser an der Spaarne
© Steinbach
Stundenlang kann man durch die Sträßchen schlendern und viel entdecken: von netten kleinen Cafés und Läden - nicht umsonst wurde die Stadt vor kurzem zum gemütlichsten Einkaufsort Hollands gewählt - bis hin zu alten "hofjes". Unzählige der Wohnanlagen sind über die Altstadt verstreut. Am schnuckeligsten ist die winzige Bakenesserkamer von 1385 (Eingang: Bakenessergracht 66).
Wer mag, kann in Haarlem übernachten, z. B. im Hotel Carillon am Grote Markt (21 Zimmer, Tel. 023/531 05 91, Fax 531 49 09, €) und erst am nächsten Tag den Zug nach Zandvoort nehmen. Der Kontrast zum Tag in Haarlem könnte kaum größer sein: Nach einer 15-minütigen Fahrt steht man im lebhaften Badeort zwischen Apartmentblocks und Hochhäusern. Zandvoort selbst ist nicht besonders schön, hat dafür aber einen endlosen Sandstrand zu bieten. Geht man einige Hundert Meter am Meer entlang, verschwinden die Hochhäuser aus dem Blickfeld, und man ist - zumindest in der Nebensaison - allein mit Möwen, Dünen, Wellen und vereinzelten Spaziergängern. Im Sommer verwandelt sich der Ort dagegen in "Amsterdam aan Zee" mit allem dazugehörenden Badetrubel. Fürs leibliche Wohl sorgen die vielen Strandcafés und die typischen Fischkarren, die frittiertes Meeresgetier verkaufen.
Ruhe findet man dagegen in jeder Saison in den Dünen hinter dem Strand. Südlich von Zandvoort liegen die Waterleidingsduinen, die als Trinkwasserreservoir dienen. Nördlich beginnt der Nationalpark Kennemerduinen. Beiden Gebieten gemeinsam ist die Hügellandschaft mit Krüppelkiefern, Heidekraut und Sanddornbüschen. Folgen Sie am besten einem der Rundwege, die auf den Wegweisern angegeben sind - sonst verläuft man sich leicht in der einsamen Landschaft.
Mit dem Rad am Deich entlang
© ATCB
Fahrradtour ans Ijsselmeer
Mit dem "fiets" den Deich entlangstrampeln - was könnte holländischer sein? Der Weg führt durch zwei Deichdörfer am IJsselmeer auf die ehemalige Fischerinsel Marken und über das hübsche Örtchen Broek in Waterland zurück nach Amsterdam.
Länge: ca. 40 km
Hinter dem Hauptbahnhof geht es los. Besteigen Sie mit Ihrem Fahrrad die kostenlose, alle 10 Minuten verkehrende Fähre nach Buiksloterweg. Auf der anderen Seite des IJ fahren Sie ein Stück am Noord-Hollandschkanal entlang und überqueren dann die Schleuse zu Ihrer Rechten. Folgen Sie dem Adelaarsweg, und biegen Sie rechts in den Nieuwendammerdijk ein. Nach wenigen Hundert Metern fühlt man sich schon in eine andere Welt versetzt. Den Deich säumen dunkelgrün gestrichene Holzhäuschen, auf der kopfsteingepflasterten Straße kommen zwei Autos kaum aneinander vorbei. Das frühere Dorf Nieuwendam, heute ein Stadtteil von Amsterdam, entstand schon 1516 am damals frisch angelegten IJ-Deich und lebte vor allem vom Schiffsbau. Heute ist es eine beliebte Wohngegend Wohlhabender.
Bleiben Sie immer am Wasser. Am Ende des Nieuwendammer Dijk fahren Sie rechts über die Brücke und dann gleich wieder links auf den Schellingwouder Dijk. Wenn der Deich eine deutliche Kurve nach links macht, haben Sie das IJsselmeer erreicht. Im nächsten Deichdorf, Durgerdam, gibt es ein nettes Café, in dem man Apfelkuchen essen und über die endlose, stille Wasserfläche der früheren Zuiderzee blicken kann. Immer auf dem Deich entlang geht es nun nach Norden. Links liegen die Polder des Naturschutzgebiets Waterland, aus denen nur hier und dort ein alter Kirchturm herausragt. Rechts liegt das IJsselmeer, auf dem bei schönem Wetter zahlreiche Segelboote und Surfer unterwegs sind.
Schiffe im Hafen von Marken
© SuRom / pixelquelle.de
Kurz hinter dem Dorf Uitdam beginnt der Damm, der das Festland mit der Insel Marken verbindet. Marken, seit der Juliansflut 1164 eine Insel, ist ein Stück Bilderbuchholland. Auf den Warften kuscheln sich bunt gestrichene Holzhäuser aneinander, im Hafen dümpeln Segelboote, und manch eine alte Dame trägt noch immer Tracht. Interessantes über die Geschichte der Insel erfährt man im Marker Museum, das in vier unglaublich kleinen Wohnhäusern untergebracht ist (Kerkbuurt 44-47, von April-Oktober Montag-Samstag von 10-17 Uhr geöffnet, Sonntag von 12 bis 16 Uhr, der Eintritt kostet 2 Euro (MK)).
Über den Damm geht es zurück aufs Festland und ein Stück Richtung Monnickendam. Folgen Sie nun den rot-weißen Fahrradwegweisern nach Zuiderwoude - einem hübschen Dorf an einem See, der bei der Juliansflut entstand - und weiter nach Broek in Waterland. Bereits im 19. Jahrhundert war Broek in Waterland für seine idyllische Lage, kalvinistische Sauberkeit und die reich dekorierten Holzhäuser bekannt: Victor Hugo und Sir Walter Scott gehörten zu den begeisterten Besuchern. Zu Reichtum kam das Dorf im 16. Jahrhundert, als das IJsselmeer noch die Zuiderzee war und seine Bewohner sich dem Seehandel und der Heringsfischerei widmeten. Aus jener Zeit stammt auch das Gebäude, in dem heute das gemütliche Pannekoekenhuis De Witte Swaen sitzt, in dem 60 leckere Pfannkuchenvariationen serviert werden (Dorpsstraat 11-13, täglich von 12-21 Uhr geöffnet).
Auf dem Rückweg radeln Sie durch das Waterland mit Schafweiden und Bauernhöfen bis nach Amsterdam-Noord. Halten Sie sich immer an die Wegweiser, auf denen "Amsterdam (Centrum)" steht. Sie bringen Sie wieder zum Fähranleger gegenüber vom Hauptbahnhof.
Wasserschloss Muiden
© Ellywa
Festungsstädte an der Waterlinie
Die Tour führt zunächst zum romantischen Wasserschloss Muiden und dann in das historische Festungsstädtchen Naarden. Wem noch Zeit bleibt, der kann den Tag mit einem Spaziergang am naturgeschützten Naardermeer abschließen. Entfernung: 25 km, Dauer: 1 Tag
Auf dem Rückweg radeln Sie durch das Waterland mit Schafweiden und Bauernhöfen bis nach Amsterdam-Noord. Halten Sie sich immer an die Wegweiser, auf denen "Amsterdam (Centrum)" steht. Sie bringen Sie wieder zum Fähranleger gegenüber vom Hauptbahnhof.
Die Waterlinie ist ein wenig bekanntes Stück holländischer Kulturgeschichte. Sie besteht aus einer Festungsreihe, die vom IJsselmeer nach Südwesten verläuft und im 17. Jahrhundert angelegt wurde, um die Städte Hollands vor feindlichen Angriffen zu schützen. Bis in den Ersten Weltkrieg hinein setzte man das Land vor der Linie im Kriegsfall einfach unter Wasser und verwandelte es so in einen undurchdringlichen Sumpf. 1815 wurde zusätzlich die Nieuwe Waterlinie angelegt, damit auch Utrecht geschützt werden konnte.
Verlassen Sie Amsterdam auf der A1 in Richtung Amersfoort. Nach wenigen Kilometern bringt Abfahrt 3 Sie nach Muiden, ein altes Städtchen an der Mündung des Flusses Vecht in das IJsselmeer und Teil der Nieuwe Hollandse Waterlinie. Dank einer großen Schleuse zum Meeresarm Zuiderzee, dem heutigen IJsselmeer, florierte hier früher das Bootsbaugewerbe. Heute ist Muiden vor allem ein Wassersportzentrum und Startpunkt vieler Segeltouren über das IJsselmeer.
Immer den Wegweisern nach geht es zum Schloss Muiderslot (von April-Oktober Montag-Freitag von 10-17 Uhr geöffnet, Samstag/Sonntag von 13-17 Uhr, der Eintritt kostet 7 Euro (MK), www.muiderslot.nl). Einen Parkplatz finden Sie direkt gegenüber des Eingangs, an der Herengracht. Das Schloss wurde 1280 zur Verteidigung der Vecht-Mündung angelegt und sieht aus, wie man sich ein mittelalterliches Schloss vorstellt: runde Türmchen, trutzige Mauern, ein Wassergraben mit Zugbrücke. 1296 schrieb der Bau zum ersten Mal Geschichte, als der beim Volk beliebte Graf Floris V. im Schloss von aufständischen Adeligen gefangen gehalten und später ermordet wurde. Die Einrichtung stammt allerdings aus späterer Zeit, denn zur größten Berühmtheit gelangte das Schloss im 17. Jahrhundert. Damals wohnte dort der berühmte Renaissancedichter P.C. Hooft und machte das Muiderslot zum kulturellen Zentrum Hollands, in dem sich Gelehrte und Literaten tummelten.
Von der Festung Muiden ist nur noch der Ostteil der Wälle zu sehen. Wesentlich besser erhalten ist Naarden, eine Perle unter den europäischen Festungsstädten, die Sie über die A1, Abfahrt 6 Richtung Naarden-Vesting, erreichen. Parken Sie vor den Toren der Festung - drinnen herrscht Parkplatzmangel. Die ungewöhnlich gut erhaltene Festungsstadt von 1350 ist umgeben von sternförmigen Verteidigungswällen aus dem 17. Jahrhundert. Im puppenstubenartigen Städtchen, das durch Tuchweberei und -handel reich wurde, gibt es heute viele Antiquitätenläden und Cafés. Sehenswert sind das Rathaus im Renaissancestil von 1601 und die gotische Grote Kerk, von deren Turm aus man den schönsten Blick auf die Festungsanlagen hat. In der Bastion Turfpoort befindet sich das Niederländische Festungsmuseum (von März bis Oktober Dienstag-Freitag von 10.30-17 Uhr geöffnet, Samstag/Sonntag von 12-17 Uhr, von November-Februar Sonntag von 12-17 Uhr, der Eintritt kostet 5 Euro (MK), www.vestingmuseum.nl).
Ihre Bedeutung verdankte die Stadt Naarden auch ihrer strategischen Lage zwischen der Zuiderzee und dem Naardermeer, einer stillen Binnenseelandschaft im Westen der Stadt. Sie ist heute Naturschutzgebiet: Zwischen Schilf und Sumpf blühen Seerosen und brüten seltene Vögel. Man erreicht das Naardermeer mit dem Auto von der Westseite der Festung aus entlang der Koningin Wilhelminalaan. Biegen Sie rechts auf die Graaf Willem de Oudelaan und dann links in die Meerkade ab. Am Bauernhof Stadzicht gibt es einen Parkplatz, von dem aus Sie zu einem Spaziergang am Ufer aufbrechen können.