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Stadtspaziergänge

Spaziergang durch den Jordaan

Früher war das Jordaan-Viertel das Armenhaus von Amsterdam, heute ist es für seinen dörflichen Charme berühmt. In den engen Gassen lehnen sich windschiefe Häuser aneinander, vor den Türen stehen Blumenkübel und Fahrräder, in den Kneipen riecht es nach Genever und alten Holzvertäfelungen. Dauer: ca. 2,5 Stunden
Bloemgracht 87-91
Bloemgracht 87-91
© bMA / www.bma.amsterdam.nl
Woher der Name Jordaan stammt, weiß niemand so recht. Vielleicht tauften die hierher geflüchteten Hugenotten ihre neue Heimat "jardin" (franz.: Garten), weil dort viele Straßen nach Blumen benannt waren. Eine andere Theorie besagt allerdings, dass die Straßen Blumennamen erhielten, um von ihrem unerträglichen Gestank abzulenken.
Mit dem üblen Geruch hatte es ein Ende, als im 19. Jahrhundert viele der Grachten aus hygienischen Gründen zugeschüttet wurden. So auch die Elandsgracht, wo der Spaziergang beginnt. An ihrem Anfang steht heute ein Schrein für das in den 50er-Jahren aufgekommene, viel besungene Jordaan-Gefühl: ein bunt bemaltes Trafohäuschen, vor dem die Büsten der legendären Schnulzensänger Johnny Jordaan und Tante Leen thronen.
Schon immer zog es Künstler ins Viertel der kleinen Leute - zunächst, weil das Geld knapp war, später wegen der Atmosphäre. In der Rozengracht wohnte Rembrandt, an der Lauriergracht sein Schüler Govert Flinck und der Impressionist Georg Hendrik Breitner. Als "Herengracht des Jordaan" gilt dagegen die Bloemgracht mit ihren besonders schönen alten Bauten, allen voran die Treppengiebelhäuser Nr. 87-91, die 1642 vom Architekten Hendrick de Keyser gebaut wurden.
Innenhof des Sint Andrieshofje
Innenhof des Sint Andrieshofje
© bMA / www.bma.amsterdam.nl
In der Egelantiersgracht 107 bis 145, die Sie über die 2e Leliedwaarsstraat erreichen, sollten Sie auf keinen Fall das Sint Andrieshofje verpassen: eine Innenhofidylle mit Delfter Kacheln im Eingang, die im Jahr 1617 als Armenwohnheim gestiftet wurde. Die Tür ist wie bei den meisten "hofjes" tagsüber offen, man sollte aber Rücksicht auf die Privatsphäre der Bewohner nehmen. Ein weiteres "hofje" versteckt sich in der 1e Egelantiersdwarsstraat 1-5 und dient heute als Studentenwohnheim. Auf dem Weg dorthin bietet sich eine Pause im Café t‘Smalle an, dessen Interieur noch von 1780 stammt.
Durch die 2e Tuindwarsstraat mit ihren vielen Secondhand- und Antiquitätenläden geht es in die Tichelstraat, wo früher die Majolika- und Ziegelbrennereien saßen, und weiter in die Karthuizersstraat. Hinter der uniformen Backsteinfassade von Nr. 13-21 liegt der Karthuizerhof, ein weiteres hübsches "hofje" mit zwei alten Brunnen.
Für das geistliche Wohl der Jordaan-Bewohner sorgte die Noorderkerk, vor der schon seit 1627 Markt gehalten wird. Heute findet dort jeden Samstag ein beliebter Biomarkt statt.
Raepenhofje
Raepenhofje
© bMA / www.amsterdam.nl
Entlang der Brouwersgracht, wo der Kontrast zwischen den kleinen Häusern auf der Jordaan-Seite und den prunkvollen Wohn- und Lagerhäusern auf der Zentrumsseite auffällt, geht es zur Willemsstraat mit ihren Arbeiterwohnungen aus dem 19. Jahrhundert. In der Palmgracht wartet noch ein letztes "hofje", das an einem Giebelstein mit einer Rübe über dem Torbogen zu erkennen ist. Dahinter versteckt sich das niedliche Raepenhofje, 1648 von Pieter Adriaensz Raep gestiftet (Eingang nebenan durch die Tür des Bossche hofje).
Der nördlichste Winkel des Jordaan ist die Domäne der Geneverdestillerie A. van Wees. Die gesamte Driehoekstraat besteht aus Lagerhäusern, Lokalen und Destillen des alteingesessenen Wacholderschnaps-Produzenten. Über der Tür von Haus Nr. 14 prangt ein Giebelstein mit Destillierkesseln. Wer zur Elandsgracht zurückkehren will, sollte an der Nassaukade Tram 10 nehmen (bis Elandsgracht).
 

Rundgang über die westlichen Hafeninseln

Nah am Zentrum liegt eine der schönsten unbekannten Gegenden Amsterdams. Die ehemaligen Hafeninseln im Westen der Innenstadt haben noch immer das Flair eines Seefahrerviertels: Historische Lagerhäuser, rostige Lastkähne, Werkstattschuppen und pittoreske Holzbrücken bestimmen das Bild. Dauer: ca. 1,5 Stunden
Die drei Hafeninseln wurden zu Beginn des 17. Jahrhunderts zeitgleich mit dem Grachtenring angelegt. Ursprünglich wurden alle Betriebe auf die Inseln verbannt, die für die vornehme Innenstadt zu viel Lärm oder Gestank machten. Teer- und Salzsiedereien, Seilereien, Werften und Fischverarbeitungsbetriebe siedelten sich am Wasser an, dahinter wurden Lagerhäuser und bald auch Wohnhäuser für Arbeiter und Seeleute errichtet. Heute haben fast alle Werkstätten ihre Funktion verloren und sind zu begehrten Wohnungen und Künstlerateliers umfunktioniert worden.
Man erreicht die Inseln vom Haarlemmerdijk aus. Geht man unter dem Bahnviadukt hindurch, steht man zunächst am Hafenbecken des Westerdok. Entlang der Blokmakerstraat und über den Hendrik Jonkerplein erreicht man die Bickersgracht. Alte Backsteinhäuser, Kopfsteinpflaster und überwucherte Grachtengärten machen den nostalgischen Charme der Straße aus - kaum vorstellbar, dass die Umgebung in den 1960er-Jahren als eine der schlechtesten Wohngegenden der Stadt galt.
Auf der anderen Seite der Gracht liegt das Prinseneiland, das man über eine kleine Brücke erreicht. Galgenstraat heißt die Gasse dahinter, denn von hier aus konnte man früher das Galgenfeld auf der Nordseite des Flusses IJ sehen. Weniger morbide muten die schönen Lagerhäuser an, die das gesamte Eiland säumen. Ihre Namen - De Windhond, De Teerton oder De Witte Pelicaan - werden von hübschen Giebelsteinen illustriert oder stehen in schnörkeliger Schrift auf die Fensterläden geschrieben.
Über die Drieharingenbrug erreicht man das Realeneiland. Ihren Namen erhielt die malerische Hebebrücke vom Haus "De drie Haringen" auf der anderen Seite der Gracht. Ein Giebelstein über der Tür kündet heute noch davon, dass es vom Schiffszimmermann Haring Booy errichtet wurde. In der Realengracht, deren Ufer von kleinen Werftbetrieben gesäumt ist, dümpeln viele zu Hausbooten umfunktionierte Lastkähne. Gleich um die Ecke liegt der Kai Zandhoek, dessen Name sich vom Sandmarkt ableitet, der dort 1634 eingerichtet wurde. Vom Wohlstand mancher Händler, die hier wohnten, zeugt eine Reihe prachtvoller Grachtenhäuser. Im letzten Haus, dem Gouden Reael, befindet sich ein nettes Café-Restaurant.
Entlang der Bickersgracht gelangt man zurück zum Hendrik Jonkerplein und dort unter dem Bahnviadukt hindurch auf den Haarlemmerdijk. Hier kann man zum Abschluss noch ein wenig in den kleinen Läden stöbern oder einen Kaffee trinken - z. B. in t‘Zonnetje (Nr. 45), einem 1642 gegründeten Kaffeehaus.
 

Im ältesten Teil Amsterdams

Zwischen Damrak und Oudeschans liegen nicht nur Bordelle und Coffeeshops, sondern auch die Ursprünge der Stadt. Schiefe Treppengiebelhäuschen, gotische Kirchen und enge Gassen erzählen vom Leben vor dem Goldenen Zeitalter. Dauer: ca. 2 Stunden
Im Mittelalter teilte der Fluss Amstel die Stadt in zwei fast gleich große Teile: "oude und nieuwe zijde" (alte und neue Seite). Als erste Stadtgraben wurden 1342 der Oudezijds (OZ) und der Nieuwezijds (NZ) Voorburgwal angelegt. 1380 erfolgte die erste Stadterweiterung, zu deren Schutz man den Oudezijds und Nieuwezijds Achterburgwal (heute Spuistraat) aushob.
Das Holzhaus im Zeedijk Nr.1
Das Holzhaus im Zeedijk Nr.1
© bMA / www.bma.amsterdam.nl
Der Spaziergang beginnt am Zeedijk, der tatsächlich einmal ein Deich war und direkt an den Hafen grenzte. Das Haus mit der Nr. 1 wurde um 1500 gebaut und ist eins von nur zwei erhaltenen Holzhäusern in Amsterdam (das andere steht im Begijnhof). Schon seit Urzeiten sitzt hier das Café In‘t Aepjen, früher eine berüchtigte Seefahrerkneipe. Wer jedoch etwas zu beichten hatte, musste nur auf die andere Seite der Straße gehen. Dort steht die um 1440 errichtete Sint Olofskapel, die dem norwegischen Schutzpatron der Seeleute geweiht war, bis sie 1996 zum Konferenzzentrum umgebaut wurde.
Wenige Meter weiter, am Oudezijds Kolk, kann man eine der ältesten Schleusen Amsterdams sehen. Ihre hölzernen Gezeitentore trennten den OZ Voorburgwal vom Fluss IJ und regulierten so den Wasseraustausch in der Altstadt. Am Kolk stehen deshalb vor allem Speicherhäuser, während den OZ Voorburgwal Grachtenhäuser aus dem 15. bis 17. Jahrhundert säumen. Manche sind breit, andere schmal; manche haben fünf, andere nur zwei Stockwerke - strenge Bauvorschriften wie im Grachtenring gab es hier nicht. Wer genügend Zeit hat, sollte sich unbedingt das Amstelkring-Museum ansehen. Und natürlich ist auch die Oude Kerk einen Besuch wert.
Ein Stück weiter am OZ Voorburgwal entlang, auf der Ecke zum Enge Lombardsteeg, stößt man auf ein schönes Lagerhaus mit geteerter Fassade. Der Name des Stegs verweist noch auf die lombardischen Geldverleiher, die hier im 16. Jahrhundert ihrem Geschäft nachgingen. Um arme Leute vor den Wucherern zu schützen, wurde 1616 ein städtisches Pfandhaus, die Bank van Lening gegründet und in den Häusern neben dem Steg untergebracht.
Wo der OZ Voorburgwal mit dem Grimburgwal und dem OZ Achterburgwal zusammentrifft, steht das "Haus an den 3 Grachten" von 1407. In dieser Gegend liegt heute das Zentrum des Universitätsviertels, und viele der alten Bauten dienen inzwischen als Institutsgebäude. Wegen der vielen Studenten haben sich in der Passage hinter dem Oudemanhuispoort, dem mit einer Brille markierten Tor zum früheren Altmännerheim, unzählige Antiquariate und Buchhändler angesiedelt.
Weiter geht es entlang des OZ Achterburgwal, des zweiten Stadtgrabens. Er ist viel schmaler als der Voorburgwal und wirkt deshalb, obwohl er etwas jünger ist, noch mittelalterlicher. Von hier aus führte der winzige Spinhuissteeg zum Spinnhaus, dem 1595 eingerichteten Arbeitshaus für Diebinnen und leichte Mädchen. Ein Wappenstein über dem Eingang der Institution zeigt eine peitschenschwingende Bewacherin, die ein Mädchen am Ohr zieht.
Oostindisch Huis in der Oude Hoogstraat
Oostindisch Huis in der Oude Hoogstraat
© bMA / www.bma.amsterdam.nl
Der Weg führt nun in die Oude Hoogstraat, eine lebhafte Einkaufsstraße. Zwischen Neonreklamen und Souvenirläden steht ein Haus, das einmal das Zentrum der holländischen Handelsmacht war: Im Oostindisch Huis, das heute der Universität gehört, saß die VOC. Auf dem Innenhof, zwischen den imposanten Renaissancefassaden im Stil Hendrick de Keysers, wurden die Seeleute für die Ostindienfahrer angeheuert.
1425 drohte die Stadt wieder einmal aus allen Nähten zu platzen, weshalb als dritter Stadtgraben der Kloveniersburgwal angelegt wurde. Er erhielt seinen Namen von den Schützen ("kloveniers"), die dort Übungen abhielten. Nicht wirklich mittelalterlich, aber doch charmant altmodisch ist die Kräuterhandlung Jacob Hooy in Haus Nr. 12. Am Ende des Kloveniersburgwal liegt der Nieuwmarkt mit der Waage, dem ehemaligen Sint-Antonies-Stadttor von 1488. Wem nach einer Pause zumute ist, der findet rund um den Platz eine Vielzahl von netten Cafés und Asiaimbissen.
Zu guter Letzt führt der Spaziergang noch an die Tore der mittelalterlichen Stadt. Am Sint Antoniesplein, wo man einen schönen Blick die Oudeschans hinunter auf den Montelbaanstoren hat, befindet sich ein kleines Tor, über dem ein Steinrelief mit zwei Figuren prangt. Dies war einmal die Pforte des städtischen Leprahospitals. In die gut bewachte Stadt ließ man die Aussätzigen nicht: Sie mussten im Hospital vor den Toren Amsterdams, im späteren Judenviertel, bleiben.
 
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