Lebensart
Die Lichter der Stadt
© Till Beck / pixelio.de
Chaos und Exotik
Vielleicht geht es Ihnen so wie vielen Besuchern, die erstmals in Thailands Hauptstadt kommen: Sie wollen so schnell wie möglich wieder raus aus diesem sinnenbetäubenden Irrgarten. Raus aus dieser Stadt ohne eigentliches Zentrum, die nicht harmonisch gewachsen, sondern explosionsartig ausgeufert ist. Thailands Metropole hat keinen ruhenden Pol, auf den man sich zurückziehen kann. Sie ist eine Stadt der Extreme und stülpt sich viele Masken über. Erst wenn Sie hinter die moderne, westliche Fassade schauen, entdecken Sie, dass Bangkok voller Exotik steckt.
Boot auf dem Chao-Phraya
© Tourism Authority of Thailand
Nur kurz währt die Dämmerung in den Tropen. Schneller als die Sonne über dem flachen Horizont aufsteigt, frisst sich der Morgenverkehr fest. Ein Taxi ist eingekeilt auf einer Brücke über einem "klong", einem Kanal. Der Fahrer trommelt mit dem Daumen seinen Frust aufs Lenkrad. Plötzlich hält er inne und lächelt entschuldigend. Sein Blick fällt aufs Wasser, auf eine alte Frau in einem Holzboot. Sie paddelt mit kurzen Schlägen, gleitet mühelos voran. Jetzt grinst der Fahrer. Er weiß: Wenn das ganze moderne Bangkok wie ein Spuk verschwände, wäre es keine Tragödie. Nach der Lehre Buddhas ist nichts von Bestand in diesem Leben. Regentropfen werden zu Meeren, Meere zu Regentropfen. Ein ewiger Kreislauf. Die Thai würden einfach wieder zum Paddel greifen.
Schwimmender Markt
© Nico Bats / pixelio.de
Wasserstadt
Frühe Reisende aus dem Westen beschrieben Bangkok als das "Venedig des Ostens", als eine amphibische Stadt, in der Kinder mit dem Paddel in der Hand aufwuchsen. Längst sind viele Kanäle zugeschüttet, sind aus Wasserwegen Asphaltpisten geworden. Aber den Stadtteil Thonburi zerteilt noch immer ein Spinnennetz von Kanälen. Und wenn Sie selbst ein Motorboot chartern und dorthin vordringen, wo die großen Touristenboote nicht mehr genug Wasser unterm Kiel haben, sehen Sie auch heute noch das Bangkok von einst. Palmen werfen gefiederte Schatten auf schindelgedeckte Pfahlhäuser an grünen Ufern. Eine alte Frau kocht Reis auf einem Holzkohleofen, der wie ein durchlöcherter Blumentopf aussieht. Eine Gemüseverkäuferin paddelt mit Körben voll Knoblauch, Chili, Tomaten und Gurken zu ihrer Kundschaft, und wenn Ihnen plötzlich der Duft von gebratenen Hühnchen in die Nase steigt, dann wird gleich ein schwimmender Grill um die Ecke biegen. Auf dem Anlegesteg vor dem Tempel an einem Kanal sitzt ein Mönch in orangefarbener Robe mit geschlossenen Augen. Ein paar Meter weiter plantschen nackte Kinder im Wasser. Die Meditation des Buddha-Jüngers stören sie nicht. Es gibt sie noch, diese Plätze, an denen selbst im hektischen Bangkok die Stille hörbar ist.
Der Wächter Totsakanth im Wat Phra Kaeo
© Thomas Balzer
Buddhismus und Geisterglauben
Rund 95 Prozent der Thai bekennen sich zum Buddhismus. Vom Geisterglauben, der älter ist als die Lehre des Gautama, haben sie deswegen aber nicht abgelassen. Damit die Geister nicht Unheil stiftend umherschwirren, muss ihnen ein "ban" gebaut werden, ein Haus. Das kann klein sein wie ein Vogelhäuschen oder groß und prächtig wie das Geisterhaus vor dem Konsumtempel Central World Plaza an der Ratchadamri Road. An keinem Morgen wird versäumt, den unsichtbaren Nachbarn Opfergaben darzubringen: Blumen, Reis, ein Glas Wasser, Räucherstäbchen. Und an besonders wichtigen Tagen bekommen die "phii", die Geister, auch schon mal ein gebratenes Hühnchen in den Schrein gestellt.
Drachen
Wenn im April der Wind günstig steht über dem Sanam Luang, dem Platz vor dem Grand Palace, steigen Drachen in die Höhe. Drachensteigen ist bei jungen Leuten sehr beliebt. Alljährlich finden im April Wettkämpfe mit internationaler Beteiligung statt. Genaue Termine bei der Tourismusbehörde TAT (Tel. 022 82 97 73, www.tourismthailand.org). Bei fliegenden Händlern können Sie sich selbst einen Drachen kaufen.
Lassen Sie sich treiben durch Straßen und Gassen in dieser Metropole zwischen Tradition und Moderne, über die man vieles sagen kann, nur eines nicht: Sie sei langweilig.