Stadtspaziergänge
Wo die ersten Europäer wohnten
Die Gegend um das Oriental Hotel am Chao Phraya River wird von Stadthistorikern als "old falang quarter" bezeichnet, als das alte Viertel der westlichen Ausländer. Hier bauten Europäer schon im 19. Jahrhundert Botschaften und Handelskontore. Was die ersten "Falang" hinterlassen haben und was sich dort verändert hat, können Sie auf einem einstündigen Spaziergang erkunden.
© The Oriental Bangkok
Starten Sie am Oriental Hotel, dessen altes Hauptgebäude im Kolonialstil selbst ein Zeuge der europäischen Vergangenheit Bangkoks ist. Kehren Sie dem Fluss den Rücken, und schlendern Sie die Oriental Lane, eine Seitenstraße (Soi 40) der Charoen Krung Rd., hoch. Nach wenigen Schritten erhebt sich rechts die Assumption Cathedral. Das Gotteshaus wurde 1910 im gotischen Stil erbaut, der Marmoraltar aus Frankreich importiert. Sollten Sie morgens um 10 Uhr vorbeikommen, können Sie am englischsprachigen Gottesdienst teilnehmen.
Das Assumption College neben der Kirche gilt als die renommierteste katholische Universität des Landes. Zurück auf der Soi 40, biegen Sie die nächste Gasse nach links ab und kommen zur Soi 38. Unübersehbar dort: die Oriental Plaza. Dieses Shoppingzentrum gehört zum Oriental Hotel. Zu gehobenen Preisen finden Sie hier vor allem Kunst und Antiquitäten. Gleich gegenüber ein 100 Jahre altes ehemaliges Ladengeschäft, das heute ein ausgezeichnetes Thairestaurant ist: Tongue Thai (täglich von 11 bis 22.30 Uhr, Soi 38, Charoen Krung Rd., Tel. 026 30 99 18, €€). Die Gemälde an den Wänden des wunderschön restaurierten Gebäudes stehen ebenso zum Verkauf wie die Keramiken in den Kommoden. Auch wenn Sie keinen großen Hunger haben: Der Bananenblütensalat ist ein leckerer und leichter Snack.
Von der Soi 38 geht es frisch gestärkt links ab zur nächsten Parallelgasse, der Soi 36. Gleich wieder links Richtung Fluss passieren Sie zwei Kolonialstilbauten, die aus Sicherheitsgründen hinter einer Mauer versteckt sind: Die französische Botschaft und die Residenz des Botschafters stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vor Ihnen am Fluss und besser sichtbar ein weiteres Kolonialstilgebäude: das Customs House. In dem alten Zollgebäude mussten die frühen Handelsschiffe ihre Ladung deklarieren. Heute dient das große Haus als Wohnquartier für Regierungsbeamte und hin und wieder als Kulisse für Filmaufnahmen. Szenen für den 1984 gedrehten Film "Killing Fields - Schreiendes Land" über den kambodschanischen Bürgerkrieg wurden hier gedreht.
Wieder die Soi 36 hoch, sehen Sie links einen Wegweiser, der Sie zur Haroon-Moschee und einem Friedhof bringt. Ein Geflecht von winzigen Gassen durchzieht das kleine Muslim-Viertel, in dem Menschen auch heute noch in traditionellen Holzhäusern wohnen. Die Gassen sind auf keiner Karte eingezeichnet, aber Sie können sich nicht verlaufen. Schauen Sie einfach immer mal wieder nach oben. Das blaubraune Hochhaus der CAT (Communications Authority of Thailand) weist den weiteren Weg nach Norden und zur Soi 34. Wenn Sie wieder Richtung Fluss gehen, kommen Sie zum Wat Muang Kae. Das Kloster ist keine Touristenattraktion, aber mit seinen alten Holzgebäuden und dem kleinen Tempel eine Oase der Ruhe - wenn nicht gerade die Klostergänse schnattern.
Vom Pier des Klosters (Tha Wat Muang Kae) bringt Sie ein Flussboot in wenigen Minuten wieder zurück zum Oriental Hotel. Wenn Sie noch genug Energie haben, können Sie auch flussaufwärts zum übernächsten Pier fahren, dem Tha River City, und dort zum Stadtspaziergang 2 aufbrechen.
Von der Kirche des Rosenkranzes nach China und Indien
Bangkok wurde am Ufer des Chao Phraya gegründet und war sehr bald eine kosmopolitische Hauptstadt. Portugiesen, Chinesen und Inder siedelten schon früh nahe am Fluss. Einen halben Tag dauert der Spaziergang, bei dem Sie die multiethnische Vergangenheit und Gegenwart der Metropole entdecken können.
Holy Rosary Church am Chao Phraya
© Heinz Albers
Los geht es beim River City Shopping Complex, Bangkoks größtem Einkaufszentrum für Antiquitäten und Kunsthandwerk. Ein kurzes Stück nördlich davon erhebt sich der spitze Kirchturm der Holy Rosary Church, der Rosenkranz-Kirche, die auf Thai Wat Kalawa genannt wird. Die ursprüngliche Kirche an dieser Stelle hatten die Portugiesen schon 1767 erbaut. Die heutige Kirche wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts im gotischen Stil errichtet. Es gibt keine englischsprachigen Gottesdienste, aber täglich wird die Messe auf Thai (um 8 und 19.30 Uhr) und Chinesisch (um 6.15 und 10 Uhr) gelesen.
Ein paar Schritte weiter nördlich an der schmalen Straße Phanit Charoen liegt das Harbour Department. Die Hafenmeisterei ist uninteressant, aber ringsum lebt das alte China noch. Mit typischen, so genannten "Shophouses": Oben wohnen Großfamilien, unten werden Geschäfte gemacht. In dieser Gegend vor allem mit Ersatzteilen, von Motorblöcken bis Autoachsen. Wenn Sie irgendwo viele Einheimische an wackeligen Tischchen sehen, dann sollten Sie sich dazusetzen. Denn höchstwahrscheinlich gibt es hier Ente auf Reis, für ein paar Baht und bestimmt lecker.
Gehen Sie weiter flussaufwärts, immer der Straße nach, bis diese auf die Soi Phanu Rangsee stößt. Scharf rechts und gleich wieder links, und Sie sind auf der Song Wat Rd. Jetzt sind Sie mitten in Chinatown. Entlang der Song Wat gibt es keine Souvenirläden, keine touristischen Sehenswürdigkeiten und auch kaum Touristen. Aber dafür ein Stück Bangkok, in dem die Zeit stehen geblieben scheint (abgesehen von den Autos). Von Häusern im sinoportugiesischen Stil blättert der Putz, und wie eh und je warten Reis- und Gewürzhändler in den zur Straße hin offenen Läden und Lagerhäusern auf Kundschaft.
Wenn Sie nach ca. 800 m zur Kreuzung mit der Ratchawong Rd. kommen, biegen Sie rechts ab. Nach ein paar Minuten erreichen Sie die Sampeng Lane. Hier wuselt es wie in einem Bienenstock - und genauso brummt das Geschäft in dieser Ladengasse, in der die Chinesen schon zu Zeiten König Rama I. kauften und handelten. Sie bekommen auch einen eindrucksvollen Einblick in das bunte Treiben, wenn Sie nur das linke Teilstück bis zur Chakkawat Rd. hochlaufen. Dort wird es schon wieder etwas ruhiger, und nach ein paar Minuten links ab Richtung Fluss können Sie dann richtig durchatmen: im Wat Chakrawat bei den Krokodilen.
Gehen Sie vom Kloster zurück auf die Chakkawat Rd., und überqueren Sie diese via Fußgängerbrücke zu Ihrer Linken. Auf der anderen Straßenseite in die Soi Bhopit Phimuk. In diesem Gässchen duftet es nach Zimt, Pfeffer und allen erdenklichen Gewürzen, die in den Läden verkauft werden.
Wenn Sie über die Brücke und den Kanal Ong An laufen, stehen Sie mitten auf der Chakpetch Rd. Der Duft nach Patschuli, der Sound von Punschab-Rock, Frauen in Saris und turbangekrönte Sikhs lassen Sie eher an Bombay als an Bangkok denken. Das Viertel Pahurat ist das Little India der Hauptstadt, das besonders für seine Textilgeschäfte berühmt ist. Sehenswert ist hier - wie in Chinatown - eigentlich alles. Lassen Sie sich einfach treiben, wirklich verlaufen können Sie sich nicht, denn das Gebiet ist trotz seines Gassengewirrs überschaubar.
Auf jeden Fall anschauen sollten Sie sich den Sikh-Tempel Sri Guru Singh Sabha. Wenn Sie auf der Chakpetch Rd. sind, geht es nach rechts in Richtung Pahurat Rd. und kurz vorher links ab zum Tempel. In der Pahurat Rd. bieten viele Geschäfte prunkvolle klassische Tanzkostüme und die dazu passenden Masken an.
Ca. 15 Gehminuten südlich von Pahurat fließt der Chao Phraya, wo Sie ein Flussboot besteigen (z. B. am Pier Tha Saphan Phut) und weiter flussaufwärts bis zum Grand Palace fahren können (Anlegestelle Tha Chang).
Tempel der Ruhe im Herzen der alten Stadt
Tempel sind Oasen der Ruhe im hektischen Bangkok. Zumindest diejenigen, die nicht im Minutentakt von Tourbussen angefahren werden. Spazieren Sie durchs Herz der Altstadt, und entdecken Sie dabei Tempel, die Sie nicht mit Busladungen von anderen Besuchern teilen müssen. Gönnen Sie sich dafür einen halben Tag. Der Spaziergang startet am Wat Po.
Liegender Buddha im Wat Pho
© Tourism Authority of Thailand
Wat Po mit seinem liegenden Buddha gilt als eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt und ist immer voller Touristen. Aber nur wenige Minuten entfernt haben Sie einen Tempel ganz für sich. Wenn Sie die Straße Taiwang am Wat Po vorbei stadteinwärts gehen und die Sanam Chai Rd. überqueren, stoßen Sie auf den Suan Saranrom. An der Ostseite dieses Parks steht Wat Ratchapradit. Der Tempel des kaum von Fremden besuchten Klosters ist umgeben von chinesischen Statuen, seine Eingangstüren sind exquisit bemalt.
An der Nordseite des Klosters führt die Straße Saranrom über einen Kanal zur Atsadang Rd. und zum Kloster Wat Ratchabopit. Dessen Tempel ist allein schon wegen seiner Tore mit Perlmuttintarsien und seines Türmchens mit Blumenmusterkacheln sehenswert. Gebaut wurde er 1870 unter König Rama V., der sehr an westlicher Kunst und Architektur interessiert war. Und nicht von ungefähr erinnert denn auch das Innere des Tempels an das Kirchenschiff einer gotischen Kathedrale. An der Ostseite dieses Klosters führt die Fungnakorn Rd. vorbei, ein ehemaliger Elefantenpfad und eine der ersten drei Straßen, die in Bangkok angelegt wurden. Gehen Sie auf dieser nach links. Kurz vor der Bamrung Muang Rd. zweigt rechts die schmale Gasse Soi Sukha (auch Fungnakorn Soi 1) ab. Sie führt durch ein Viertel mit alten Häusern und Läden, in dem sich die letzten 50 Jahre nicht viel verändert hat.
Riesenschaukel im Wat Suthat
© Andreas Hörstemeier
Wenn Sie auf die Titong Rd. kommen, sehen Sie schon auf der anderen Straßenseite Wat Suthat. Das Kloster ist berühmt für seine Wandmalereien und eine Buddhastatue aus dem 14. Jahrhundert. Ein paar Schritte östlich des Wat erhebt sich mitten in der Bamrung Muang Rd. die Sao Ching Cha, die Riesenschaukel. Das Schiff der Schaukel ist zwar längst abmontiert, aber das rot angestrichene, 25 m hohe Gestell kündet immer noch von den wagemutigen Männern, die hier bis in die Dreißigerjahre für ein paar Münzen Kopf und Kragen riskiert haben.
Entlang der Bamrung Muang Rd. und in den Seitengassen haben sich viele Geschäfte angesiedelt, die mit religiösen Artikeln handeln, von Räucherstäbchen bis Mönchskutten. Auf den Gehwegen stehen oft große Buddhastatuen, die für den Transport und zum Schutz gegen Straßenstaub in Plastikhüllen eingeschweißt wurden. An der östlichen Ecke des Wat Suthat, wo die Unakan Rd. in die Bamrung Muang Rd. mündet, wird ein Hindugott verehrt. Der mit Blumengirlanden geschmückte Schrein Vishnu Mandir steht mitten in der Unakan Rd. auf dem Mittelstreifen.
Weiter auf der Bamrung Muang Rd., kommen Sie nach ca. 400 m zur Maha Chai Rd. Biegen Sie links ab, und schon bald sehen Sie Wat Thep Thidaram. Auch dieses Kloster im thai-chinesischen Stil gehört nicht zum Pflichtstopp von Stadtrundfahrten. Schon bekannter, aber ebenfalls nicht überlaufen ist ein Stückchen weiter Wat Ratnada. Seine Hauptattraktion ist der Loha Prasat, der Eiserne Palast. Die meisten Thai hier interessieren sich aber eher für die Amulette, die auf dem täglichen Markt feilgeboten werden.
Wenn Sie die Maha Chai Rd. weiter hochlaufen, erreichen Sie eine große Kreuzung. Links ab geht es über die Ratchadamnoen Klang Rd. zum Democracy Monument. Wenn Sie rechts abbiegen, über die Brücke gehen und gleich wieder rechts hinein in die Boripat Rd., kommen Sie zum Golden Mount. Von dort können Sie alles nochmal von oben betrachten.