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Antoni Gaudi

(1852 - 1926)

Die weltberühmte Casa Mila
Die weltberühmte Casa Mila
© Tom Harpel / Creative Commons
Entweder er sei ein Genie oder ein Verrückter, räsonierte einer seiner Lehrer über den jungen Architekturstudenten Gaudí. Wer die Bauten des 1852 in Reus bei Tarragona als Sohn eines Kupferschmiedes geborenen Baumeisters und Kunsthandwerkers besichtigt, kommt möglicherweise zu dem Schluss, dass beides zutrifft.

Ein Revolutionär der Formen

Tatsächlich entfernte Gaudí sich schnell von den Pfaden der schulmäßigen Architektur seiner Zeit. Die organisch-wuchernden Formen seiner Gebäude, die phantastischen Farben, die plastische Kraft und die überbordende Phantasie seiner utopischen Entwürfe stießen viele Zeitgenossen vor den Kopf.
Die Kathedrale Sagrada Familia
Die Kathedrale Sagrada Familia
© Turisme de Barcelona
Kaum verwunderlich, dass es ihm zeitlebens an offiziellen Aufträgen und Preisen mangelte. Dafür erkannten private Mäzene wie Eusebio Güell sein Genie und förderten Gaudís Werk - der Park und der Palau Güell und die Casa Milà gehören heute zum Welterbe der UNESCO.
 

Nach dem Vorbild der Natur

Auf die Frage nach seinen Vorbildern soll der junge Gaudí geantwortet haben: "Ein aufrechter Baum". Tatsächlich war er schon seit seiner frühen Kindheit ein großer Beobachter und Bewunderer der Natur - wegen eines schweren Rheumaleidens hatte ihm der Arzt regelmäßige Spaziergänge verordnet. Aus dieser frühen Faszination für die Natur erklärt sich sein späterer organischer Baustil. Ein Einzelgänger von Kindesbeinen an, um den sich eine Reihe von Legenden spinnen. Nicht zuletzt aus Mangel an zuverlässigen Zeugnissen und Zitaten.

Modernismus und Verspieltheit

Gaudí entwickelte einen eigenen Baustil in Anlehnung an den Modernismus, eine Spielart des Jugendstils. Hauptmerkmale seiner Bauwerke sind organische Formen, geschwungene Linien, Schrägen und Rundungen statt Winkeln und Geraden. Diese Stilelemente erzeugen den Eindruck von Bewegung und Unregelmäßigkeit, so dass die Gebäude wie "gewachsen" wirken. Mosaike aus Steinen und bunten Fliesen betonen die Verspieltheit seiner Kreationen. Großen Einfluss hatte Gaudís Stil auf den Architekten und Maler Friedensreich Hundertwasser.
 
Architekt Antoni Gaudì
Architekt Antoni Gaudì

Legenden und Widersprüche

Das Leben Gaudís war voller Widersprüche. So stand er als junger Mann im Ruf eines lebensfrohen Dandys, der sich für revolutionäre Ideen oder atheistische Zirkel begeisterte. Trotzdem baute er seit seinem 31. Lebensjahr an der unvollendet gebliebenen Kirche Sagrada Familia. Im Alter widmete er sein ganzes Schaffen dem Kirchenbau, lebte zunehmend asketisch und gottesfürchtig, zuletzt sogar auf der Baustelle.
1926 wurde der "Dante der Architektur" auf dem Weg zum Gebet von einer Straßenbahn überfahren und wegen seiner verwahrlosten Erscheinung als vermeintlicher Obdachloser zunächst in das Armenhospital "Hospital de la Santa Creu" gebracht.
Mit dem Satz "Mein Platz ist bei den Armen" soll sich der sterbende Gaudí geweigert haben, vom öffentlichen Hospital in eine Privatklinik gebracht zu werden. Möglicherweise hat Antoni Gaudí das wirklich so gesagt. Wahrscheinlich aber handelt es sich um eine der vielen Legenden, die den berühmten Baumeister bis heute umgeben.
 
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