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Castellers de Barcelona

Aufbau eines Castells
Aufbau eines Castells
© Nacho Pintos / flickr.com
Der Castellbau ist eine katalanische Traditionssportart, bei der Türme aus Menschen gebaut werden. Mehrere Gruppen versuchen sich dabei gegenseitig zu übertreffen.
Diese akrobatische Höchstleistung erreicht ihre Spitze in Barcelona, wo die "Castellers de Barcelona" Turmkunst auf höchstem Niveau zeigen.
 

Was sind Castells?

"Castell" ist katalanisch und bedeutet "Burg". Bei dieser Sportart werden Figuren aus Menschen gebaut, die an Türme erinnern, daraus entwickelte sich bereits im 18. Jahrhundert die Bezeichnung "Castellbau".
Nach und nach bildeten sich verschiedene Gruppen, deren Ziel es war, sich gegenseitig in Höhe und Personenzahl zu überbieten. So wurde aus der Tradition allmählich ein sportlicher Wettbewerb. Jeder, der am Aufbau eines Turms beteiligt ist, wird als "Casteller" bezeichnet.
 

Ebenen eines Castelles

Ein Castell besteht immer aus drei Teilen. Das Fundament, die "Pinya", ist ein breiter Ring, auf dem das Gewicht verteilt wird und dient zum Schutz beim Zusammenbruch des Turms. Je nach Höhe des Castells folgen noch ein bis zwei weitere kräftige "Manilles" (Etagen) auf der Pinya.
Darauf folgt der eigentliche Turm. Mehrere Etagen, mit bis zu 9 Personen, werden für den "Tronc" (Stamm) aufeinandergeschichtet. Die Castellers klettern von unten über die bereits stehenden Etagen nach oben.
Castellers de Barcelona
Castellers de Barcelona
© Nacho Pintos / flickr.com
Bei einigen besonderen Varianten wird der Tronc in umgekehrter Reihenfolge errichtet: die Etagen werden zuerst gebaut und dann nach oben geschoben. Der Name einer Etage ist von der Personenzahl abhängig.
Die Kuppel ("Pom de Dald") besteht aus Gewichtsgründen hauptsächlich aus Kindern und wird deswegen auch mit dem katalanischen Ausdruck für "Kind" bezeichnet: "Canalla". An die Spitze kommt der oder die "Anxenta", um dort kurz aufrecht zu stehen und die Menge zu grüßen.
 

Auf- und Abbau

Beim Aufbau hat jeder Casteller eine feste Aufgabe und Position. In einer festgelegten Reihenfolge klettern die Mitglieder der einzelnen Etagen in die Höhe; natürlich wird dabei darauf geachtet, dass die Stärkeren unten stehen und die Leichteren die Spitze bilden. Als Letzter klettert der Anxenta auf den Turm und winkt der Menge zu. Dies ist der Höhepunkt der Aufführung.
Ist er oben angelangt, so ist der Turm gekrönt und der Castellbau abgeschlossen. Nun folgt der Abbau, ein ebenso schwieriger und fest einstudierter Vorgang wie der Aufbau. Heute tragen zumindest die Kinder Schaumstoffhelme, um schwere Verletzungen zu vermeiden. Ziel beim Abbau ist, dass die einzelnen Ebenen geordnet wieder hinabklettern, ohne dass der Turm in sich zusammenfällt.
Der Fall eines Turms wird als "fer llena" ("Kleinholz machen") bezeichnet und ist leider keine Seltenheit, allerdings haben diese meist keine schweren Folgen, da die Falltechnik ständig geübt und verbessert wird.
 
Castell mit 7 Etagen
Aufbau eines Castells
© Nacho Pintos / flickr.com

Musikalische Untermalung

Ein fester Brauch ist die musikalische Untermalung des Castellbaus.Die "Toc de Castells", eine Melodie, die die einzelnen Phasen des Baus angibt, soll Zuschauer wie Castellers anheizen.
Traditionelle Musikinstrumente für dieses Stück sind die Gralla (Schnabelflöte) und Trommeln. Es gibt sogar eine eigene Melodie für den Aufbau, den "Toc d'entrada a la placa" ("Lied zum Einzug auf den Platz"), und für den Abbau, den "Toc de vermut" ("Wermutlied").
 

Castellers de Barcelona

Der Bau der Menschenpyramiden ist eine eher ländliche Tradition, aus diesem Grund wurde die Sportart erst spät in den Städten Kataloniens verbreitet.
In Barcelona gründete sich am 8. Juni 1969 der erste Verein, die "Castellers de Barcelona". In El Vendrell, nicht weit von Barcelona, wurde an diesem Tag ein Denkmal für den Castellersport errichtet; noch heute wird dort jedes Jahr zu dieser Zeit ein Fest gefeiert. Die Mitglieder des "Castellers de Barcelona" stammten größten Teils aus der Stadt Vilafranca, dem Ursprung des Castellbaus.
Nach und nach entwickelten sie neue Techniken und ihre Türme wuchsen immer mehr in den Himmel hinaus; mittlerweile gehören sie zu den besten Colles (Vereinen) Kataloniens und sind einer von nur zehn, die es geschafft haben einen Turm mit neun Ebenen zu errichten; dies gilt als höchster Schwierigkeitsgrad.
 
40. Geburtstag der Castellers de Barcelona
40. Geburtstag der Castellers de Barcelona / © Nacho Pintos, flickr.com

Herkunft

Die Anfänge dieser katalanischen Traditionssportart gehen auf das 18. Jahrhundert zurück. In der Stadt Valls begannen die Bewohner erstmals Menschentürme zu bauen. Ursprünglich gab es dort einen Volkstanz, bei welchem am Ende ein kleiner Turm errichtet wurde.
Die einzelnen Tanzgruppen fingen an sich gegenseitig überbieten zu wollen. Mit der Zeit ergaben sich so kleine sportliche Wettkämpfe.
Mittlerweile sind die Castells ein Zeichen der eigenständigen katalanischen Kultur.
 

Vorführungen

Die Castellers führen ihre Türme traditionsgemäß bei allen größeren Festen vor; zur heutigen Zeit kann man sie aber auch außerhalb der eigentlichen Saison ( von Juni bis November) bestaunen.
Sie können den Castellers de Barcelona sogar beim Training zusehen. Die Sporthalle befindet sich bei der Metrostation "Clot". Zuschauer sind herzlich eingeladen.
 
 
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