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Stadtgeschichte

Stadtkarte um 1806
Stadtkarte um 1806
© Bibliotheka Nacional de España

Diktatur und Unterdrückung

Barcelona, einst Mittelmeerseemacht, verlor seit dem 16. Jh. zunehmend an Bedeutung. Der Machtverlust begann mit der Vereinigung der Kronen Kataloniens und Kastiliens durch die Heirat der "katholischen Könige" Ferdinand und Isabella. Seither mussten sich die Katalanen immer wieder der zentralspanischen Macht beugen. Zuletzt während der Franco-Diktatur, als der "generalísimo" endgültig aufräumen wollte mit der rebellischen Bastion - und jedes nur erdenkliche Zeichen katalanischer Eigenart unbedingt zunichte machen, angefangen mit der Sprache, die verboten wurde.
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Spanisch & Katalan

Zwar endete die Diktatur 1975 mit dem Tod Francos - ihre Folgen beschäftigen Katalonien indes noch immer. Durch Protektion und Förderung der katalanischen Sprache soll in der "Comunidad Autónoma", der Region Katalonien, das kastilische Spanisch zumindest wieder auf Platz zwei verdrängt werden. Wenn allerdings die Beherrschung von "catalá" zur Einstellungsvoraussetzung erhoben wird, obwohl sich fast die Hälfte der Bevölkerung als Spanisch sprechend bezeichnet, dann lässt das durchaus Zweifel aufkommen am Geist der an sich berechtigten "sprachlichen Normalisierung". Wie dem auch sei, sprechen Sie einen Katalanen in keinem Fall als Spanier an - Sie rühren an noch längst nicht verheilte Wunden.

Konflikt mit Madrid

Misstrauen und Vorurteile der Katalanen gegenüber Madrid - und natürlich umgekehrt - sind nur ganz allmählich zu überwinden. In Barcelona versteht man sich nach wie vor als Opfer zentralistischer Ungerechtigkeit. Nicht ohne Grund - allerdings ist die ewige Opferrolle auch recht publikumswirksam, und mit der Zeit hat man sich sowieso an sie gewöhnt: Ob Finanznöte, Fehlplanung oder Fußball - Madrid ist eben einfach an allem schuld. Dazu kommt, dass Kastilien zwar stets politisch mächtiger war, Katalonien dagegen wirtschaftlich wohlhabender. Barcelonas Besitz- und Bildungsbürgertum setzte deshalb auf Kunst und Architektur. Das erklärt vielleicht die besonders verschwenderische Dekorlust des "modernisme", des katalanischen Jugendstils: Alles sollte noch prächtiger sein, noch größer und schöner als in der ungeliebten kastilischen Hauptstadt. Daran hat sich bis in die Gegenwart wenig geändert: Nur gestaltet man heute statt modernistischen Drachenköpfen hypermodernes Design - als "disseny barceloní" sogar urheberrechtlich geschützt.
Casa Mila von Gaudi
Casa Mila von Gaudi
© Tom Harpel / Creative Commons

Modernisme

Der "modernisme", die Ende des 19. Jahrhundert einsetzende katalanische Variante des europäischen Jugendstils, war nicht nur Ausdruck einer Rebellion gegen Geometrie und Geradlinigkeit der Industriegesellschaft. Vor allem bot er dem Lebensgefühl des aufstrebenden Bürgertums einen passenden ästhetischen Rahmen. Die betuchte, aber von Madrid politisch gegängelte katalanische Bourgeoisie fand in den aufwändigen, dekorativ-überbordenden Entwürfen ein wirksames Mittel zur öffentlichen Selbstinszenierung - und einen eigenen nationalen Stil, der das wieder erwachende Selbstbewusstsein der Katalanen spiegelte.
Die Bewegung erfasste nicht nur die Architektur, sondern alle gestalterischen Bereiche, ob Möbel, Keramik, Schmuck oder Schmiedeeisen. Hauptvertreter waren Josep Puig i Cadafalch, Lluís Domènec i Montaner und der weltberühmte Baumeister Antoni Gaudí. Am Prachtboulevard Passeig de Gràcia haben sich die drei Meister sogar einmal nebeneinander verewigt: im Häuserblock Mançana de la Discòrdia (Zankapfel). Tatsächlich ist kaum auszumachen, welches der phantastischen Baukunstwerke das schönste ist. Ein modernistisches Muss ist auch Gaudís Märchenpark Güell oder sein weltberühmter Kirchenbau Sagrada Familia.
Einige Monumente des modernisme sind als Museen zu besichtigen, andere werden privat genutzt als Geschäfte, Hotels oder Lokale. Wer sich einen Überblick über die Jugendstilbauten verschaffen will, dem sei die vom Fremdenverkehrsamt entworfene "Ruta del Modernisme" (www.rutadelmodernisme.com) empfohlen, die Sie zu mehr als 100 bedeutenden Sehenswürdigkeiten des katalanischen Jugendstils entführt.
 
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