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Stadtspaziergänge

Bummel durch das Ribera-Viertel

Zwei Stunden zwischen Santa María del Mar, mittelalterlichen Gassen, moderner Kunst und authentischem Altstadtleben. Geben Sie in den Altstadtgassen ganz besonders Acht vor Taschendieben! Und machen Sie den Spaziergang lieber nicht an einem Montag, denn dann ist vieles geschlossen.
Wo sich im Mittelalter Barcelonas Handwerker und Händler in bescheidenen Häusern ansiedelten, finden Sie heute hinter historischen Fassaden Kunsthandwerksläden, Galerien, Gaststätten, Bars. Zwar ist das Ribera-Viertel mit seinen schmalen Gassen und malerischen Torbögen in Mode gekommen - aber dem authentischen Charakter des Wohnviertels konnte das bislang keinen Abbruch tun.
Café des Textilmuseums
Café des Textilmuseums
© Turisme de Barcelona / Espai d‘Imatge
Beginnen Sie den Spaziergang an der Plaça de l‘Àngel (Metro: Jaume I, L4), dem alten Weizenumschlagplatz der Stadt. Nehmen Sie die Carrer Argenteria, dann die erste Seitenstraße links, die Carrer Vigatans: Schon befinden Sie sich mitten im malerischen Gassenlabyrinth der Ribera - und im historischen Zentrum der Textil- und Kunsthandwerksstätten. Die Stadt fördert junge Gestalter, die sich in den mittelalterlichen Gemäuern niederlassen - was die vielen hübschen Läden hier erklärt: in der winzigen Carrer Esquirol, die links abgeht, und vor allem in der Straße Banys Vells, in die Sie über die Carrer Grunyi gelangen. Folgen Sie der Gasse bis zum Ende, dann links in die Straße Sombrerers. Vorbei an dem wunderschönen Kolonialwarenladen Can Gispert, kommen Sie zu einer der bedeutenden Sehenswürdigkeiten des Viertels: der Straße Montcada mit ihrem einmaligen Ensemble aus gotischen Palästen, Museen (Picasso-Museum), Galerien - hier lebte ganz offensichtlich die bessere Gesellschaft des Mittelalters.
Falls Ihnen nach einer Pause ist: Machen Sie es sich bequem im zauberhaften Patio des Textil-Cafés, oder nehmen Sie ein Glas Cava oder Wein in der eher rustikalen und meist rappelvollen Champagnerbar El Xampanyet. Am oberen Ende der Carrer Montcada biegen Sie dann rechts in die Gasse Gran Cremat, um auf die Carrer Flassaders zu gelangen. Hier finden Sie bezaubernde Läden hinter historischen Fassaden.
Kurz bevor Sie auf den Passeig del Born stoßen, liegt rechts eine skurrile (abgeschlossene) Passage: die Carrer Mosques, die schmalste Straße der Stadt. Achten Sie auf die kleine Skulptur an der Eckfassade; solch kuriosen Köpfen werden Sie noch einige Male begegnen: Auf diese Weise wies man einst dezent den Weg zu den Bordellen des hafennahen Viertels.
Auf dem Passeig del Born fanden im Mittelalter Reiterspiele und Feste statt, an Wochentagen bauten hier die Hanfschuhmacher ihre Werkbänke auf. Einige sehr schöne Fassaden sind erhalten und restauriert worden. Die Cocktailbars stammen zum Teil noch aus den Anfängen der Barbewegung der 1970er-Jahre - und gehören noch immer zu den gefragtesten der Stadt. Hinter der Placeta Montcada erhebt sich die Kirche Santa María del Mar, der schönste gotische Kirchenbau Barcelonas. Nehmen Sie sich unbedingt die Zeit, einige Momente im Innern zu verweilen!
Wer den Kunstgenuss durch Gaumenfreuden krönen will: Gegenüber an der stimmungsvollen Plaça liegt die Weinstube La Vinya del Senyor. Wer sich lieber mit katalanischer Geschichte befassen möchte, sollte sich den neu gestalteten Platz neben der Kirche ansehen, mit dem Denkmal Fossar de les Moreres, eine Erinnerung an die hier begrabenen Opfer des katalanisch-kastilischen Kriegs, der 1714 mit der Niederlage der Katalanen endete.
Über die malerische Carrer Anisadeta geht es weiter in die Straße Canvis Vells. Wenn Sie vor der winzigen Carrer Panses stehen und genau hinschauen, finden Sie an der Fassade eines Wohnhauses über dem Torbogen wieder einen Männerkopf, der einst den Weg zu Prostituierten wies. Biegen Sie in die Carrer dels Ases ein - rechter Hand stoßen Sie auf die schön restaurierte Plaça de les Olles, die den Charme vergangener Jahrhunderte bewahrt hat. Das Aroma von frischem Fisch kommt aus der Richtung von Cal Pep.
Falls Sie der Versuchung widerstehen, halten Sie sich links. Durch die Carrer Vidriera und die kurze Straße Espartería gelangen Sie in die Carrer Rec. In diesem Karree haben eine Reihe hipper Modeläden eröffnet. In der Gasse Vidriera können Sie sich im Origens 99.9% mit einem köstlichen katalanischen Imbiss stärken. Am Ende der Gasse blicken Sie auf den prachtvollen, palastähnlichen Bahnhof Estació de França, von wo aus 1848 erstmals in Spanien eine Dampflok fuhr - ein Blick in die Wartehalle aus Marmor, Stahl und Kristall lohnt sich!
Auf dem Markt lässt sich so manche Entdeckung machen
Auf dem Markt lässt sich so manche Entdeckung machen
Gehen Sie die Straße Rec zurück, bis Sie wieder auf den Passeig del Born stoßen. Diesmal halten Sie sich rechts, auf den Mercat del Born zu: Er ist eine der schönsten Markthallen der Stadt (aus dem 19. Jahrhundert); bald soll hier die städtische Bibliothek einziehen. Um die Halle herum liegen hübsche Szenecafés und einige Inbars; am Wochenende ist hier zu später Stunde kein Durchkommen mehr möglich.
Sie folgen nun der Carrer Commerç bis zur Straße Princesa, biegen nach links und gleich wieder nach rechts, in die typische Altstadtgasse Assaonadors. Nach kurzer Zeit stehen Sie auf der Placeta d‘en Marcús. Die kleine Kapelle des Platzes gehört zu den wenigen erhaltenen romanischen Baudenkmälern Barcelonas. Die Carrer Corders (Straße der Seiler) erweitert sich zu einem kleinen, mittelalterlich anmutenden Platz, der Plaça de la Llana, wo einst der Wollmarkt stattfand.
Die Carrer de Bòria bringt Sie zurück zur Plaça de l‘Àngel. Sollten Sie noch hungrig sein: Die Straße Argenteria mit den empfehlenswerten Restaurants Senyor Parellada und Hofmann liegt ganz in Ihrer Nähe!

Spaziergang durch das Gotische Viertel

In zwei Stunden erkunden Sie die romanischen und gotischen Ursprünge der Stadt und eines ihrer lebendigsten Viertel. In den Altstadtgassen unbedingt Vorsicht vor Taschendieben!
 Die Kathedrale überragt die Altstadt
Die Kathedrale überragt die Altstadt
© Turisme de Barcelona / Globo Foto
Beginnen Sie den Rundgang an der Plaça de l‘Àngel (Metro: Jaume I, L4). Von hier aus sehen Sie einen guten Teil der frühen römischen Stadtmauern, vor allem entlang der Straße Tapinería und am Platz Ramón Berenguer el Gran. Innerhalb dieses Walls lag die von Augustus zu Beginn unserer Zeitrechnung gegründete Siedlung Barcino - Sie sind hier also im ältesten Teil Barcelonas. Biegen Sie links in die Baix Canonja: Schon stehen Sie auf der Plaça de la Seu und direkt vor der gotischen Kathedrale mit ihrem bezaubernden und unbedingt sehenswerten Kreuzgang. Auf der Südseite des Platzes de la Seu liegt die Casa de l‘Ardiaca, das Haus des Erzdiakons: ein Bau aus dem 12. Jahrhundert, renoviert im 15. Jahrhundert, heute Sitz des Stadtarchivs. Schauen Sie sich den idyllischen Innenhof an samt gotischem Brunnen. Der schöne Marmorbriefkasten am Eingang (Carrer del Bisbe) stammt vom Jugendstilarchitekten Lluís Domènech i Montaner. Rechts von der Kathedrale befindet sich der Bischofspalast (13. und 14. Jahrhundert). Ein paar Schritte weiter taucht die Plaça Nova auf. Auf dem Platz, auf dem noch Reste der römischen Stadtmauer sichtbar sind, fanden im Mittelalter Hinrichtungen und Sklavenmärkte statt.
Über die Carrer dels Comtes gelangen Sie in den ehemaligen Garten des Königlichen Palastes (Palau Reial) und das Museu Frederic Marès, und dann weiter zur Plaça del Rei, dem schönsten historischen Platz der Stadt (nicht zu verwechseln mit der Plaça Reial!), ein einmaliges bauliches Ensemble. Der Palau Reial Mayor, der Königspalast mit seinem großen gotischen Festsaal Saló del Tinell und dem imposanten Wachturm, dem Mirador del Rei Martí (eine Art mittelalterlichem Hochhaus), dazu der benachbarte Palau del Lloctinent (Palast des Stellvertreters, gotische Fassade, Innenhof aus der Renaissance) und die kleine gotische Kapelle Santa Àgata (14. Jahrhundert) bilden eine großartige Kulisse, besonders in der Abendsonne. Besonders ist auch die Akustik - im Sommer finden hier interessante Konzerte statt.
Im Festsaal des Königspalastes Saló del Tinell (14. Jahrhundert) empfingen die spanischen Könige Kolumbus nach seiner Rückkehr aus Amerika. Und hier saß im 15. Jahrhundert die Inquisition zu Gericht - die als Ketzer Verurteilten wurden gleich unten auf dem Platz verbrannt. Ins Innere des Palastes kommen Sie durch das Stadtgeschichtliche Museum am anderen Ende der Plaça del Rei. In der Carrer Llibretería, auf dem Weg zur Plaça de Sant Jaume, sollten Sie sich Zeit nehmen für eine Stärkung im winzig-urigen Mesón del Café. Ein paar Schritte weiter lockt knusprig-frisches Gebäck aus dem über hundertjährigen Ofen des Forn de Sant Jordi, einer bezaubernden alten Bäckerei. Wer der süßen Versuchung unbedingt widerstehen will, kann sich im malerischen Kerzenladen Subirá von den leiblichen Genüssen ablenken.

Durch die Berliner Geschichte: Die Spandauer Vorstadt

Lassen Sie die legendäre Plaça de Sant Jaume mit dem katalanischen Regierungssitz Palau de la Generalitat und dem Rathaus hinter sich. In der Carrer del Bisbe erwartet Sie ein weiteres Werk gotischer Baukunst: die Casa dels Canonges, das Domherrenhaus, durch ein Art Seufzerbrücke (von 1926) verbunden mit dem Regierungssitz, dem Palau de la Generalitat. Gehen Sie links in die kleine Gasse St. Sever und weiter zur hübschen Plaça de Sant Felip Neri mit dem Schuhmuseum.
Die angrenzenden Straßen Carrer dels Banys Nous und Carrer de la Palla sind nicht nur unbedingt sehenswert wegen ihrer herrlichen Antiquitätenläden. Die Gassen führen auch ins ehemalige jüdische Viertel El Call, das vom 12. bis 14. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte. Das Gebiet zwischen Carrer dels Banys Nous, Baixada Santa Eulàlia und Carrer Ferrán galt in dieser Zeit als geistiges und kulturelles Zentrum. Die jüdische Universität war damals die einzige höhere Bildungseinrichtung Barcelonas. Von den drei Synagogen des Viertels ist keine erhalten. Die im 14. Jahrhundert aufkommende Progromstimmung entlud sich 1391 in einem Überfall, bei dem mehr als tausend Juden getötet wurden. Wer überlebte, musste fliehen oder zum Christentum konvertieren. 1401 ebnete man alle jüdischen Synagogen und Friedhöfe ein.
In der Carrer de la Palla können Sie eine stimmungsvolle Erholungspause einlegen in den Kellergewölben des Lokals Caelum, mit Blick auf Reste der römischen Stadtmauer. Wer lieber im Freien sitzt und schaut, kommt auf den bezaubernden Altstadtplätzen Plaça del Pi und Plaça de Sant Josep Oriol auf seine Kosten. In der Bar del Pi ist es auch bei schlechtem Wetter gemütlich.
Beenden Sie den Rundgang durchs Gotische Viertel in der hübschen Carrer Petrixol: "Xocolateríes" (Läden, die feine Schokoladenwaren und Pralinen verkaufen), "granjes" (Milchbars, in denen es meist auch Kaffee, Kuchen und Croissants gibt) sowie Galerien haben die kleine Gasse groß gemacht. An der Xocolatería Xocoa kommt man trotz guter Vorsätze meistens nicht ohne einen kurzen Zwischenaufenthalt vorbei. In der ehemaligen Textilwerkstatt im Haus Nr. 10 verdiente sich die weltberühmte Operndiva Montserrat Caballé in jungen Jahren als Taschentuchschneiderin ihren Lebensunterhalt.
Wenn Sie die süße Gasse gestärkt verlassen und rechts in die Carrer Portaferrissa einbiegen, liegt vor Ihnen eine der beliebtesten (und teuersten) Shoppingmeilen der Stadt. Linker Hand stoßen Sie nach ein paar Schritten auf die Rambla.
 
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