Abstieg in die Zwischenwelt
Bei einer Führung der Berliner Unterwelten e.V. können Sie Berliner Stadtgeschichte aus einer ungewöhnlichen Perspektive erleben.
Reise in eine vergessene Zwischenwelt
© Berliner Unterwelten e.V.
Im unterirdischen Labyrinth zwischen Straße und U-Bahn haben Forscher die konservierte Geschichte restauriert und zugänglich gemacht.
Lange Zeit in Vergessenheit geratene Atombunker, Luftschutzräume und Verkehrsanlagen, verbunden durch ein komplexes Tunnelsystem, können in verschiedenen Touren erkundet werden. Beim Einstieg in diese fremde Welt unter den eigenen Füßen scheint man durch die massive Stahlschleuse eine Zeitmaschine zu betreten, und den Besuchern stockt nicht nur beim Probeliegen im Schutzbett der Atem.
Wegweiser führen durch das Labyrinth
© Berliner Unterwelten e.V.
Dunkel und beklemmend
Die Tour "Dunkle Welten - Zeitgeschichtliche Führung durch einen authentischen Ort" führt durch den Untergrund rund um den Regional- und Fernbahnhof Gesundbrunnen. Viele hundert Menschen laufen täglich an einer grünen Tür im U-Bahnhof vorbei, ohne zu ahnen, dass sich dahinter ausgedehnte geschichtsträchtige Räume einer Luftschutzanlage aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges verbergen. Bei dem zweistündigen Rundgang kann man spüren, wie unangenehm es einst gewesen sein muss, in den engen Räumen einer Bunkeranlage eingezwängt zu sein – im Hintergrund das stetige Surren der Lüftungsanlagen und das Dröhnen der Bomber am Himmel.
Der Weg aus dem Bunker ist in den vierziger Jahren mit phosphoreszierender Farbe an die Wände gemalt worden, die Farbe leuchtet auch heute noch im Dunkeln.
Moderne Schutzanlagen, so genannte Atombunker sind Thema in einer weiteren Tour des Berliner Unterwelten e.V.. Sie trägt den Titel "U-Bahn, Bunker und Kalter Krieg".
Der schwindelerregende Blick in die Tiefe
©Berliner Unterwelten e.V.
Vom Flakturm zum Trümmerberg
Seit 2004 führte eine Tour unter dem Titel "Vom Flakturm zum Trümmerberg - Einstieg in eine faszinierende unterirdische Ruinenlandschaft" durch das Innere der Flakturmruine im Volkspark Humboldthain.
Bei diesem etwas abenteuerlichen Rundgang werden zwei von insgesamt sieben Geschossen der größten Bunkeranlage Berlins gezeigt. Freitragende Abdeckungen und Brücken bieten schwindelerregende Blicke in die Tiefe.
Mit einem Diavortrag wird den Besuchern zudem die Geschichte des Bauwerkes erläutert. Bisher haben die aktiven Vereinsmitglieder in mehr als 8.000 geleisteten Arbeitsstunden über 1.400 Kubikmeter Trümmerschutt bewegt und zugleich ein Winterquartier für Fledermäuse ausgebaut, dessen Bedeutung für die Tiere immer mehr zunimmt.
Daher kann diese Führung nur von April bis Oktober angeboten werden, um die kleinen Nachtschwärmer nicht in ihrem Winterschlaf zu stören. Warme Kleidung wird empfohlen, da die Innentemperatur im Sommer nur etwa 10 Grad beträgt.
Der Weg an die Oberfläche
©Berliner Unterwelten e.V.
Berliner Unterwelten e.V.
Die Berliner Unterwelten e.V. bietet zahlreiche weitere Führungen an, unter anderem eine spannende Taschenlampen-Tour für Kinder. Im U-Bahnhof Gesundbrunnen gibt es ein Unterwelten-Museum mit ständig erweiterter Ausstellung zur Geschichte und Entwicklung Berlins aus der unterirdischen Perspektive. Auch die Geschichte der Berliner Stadtrohrpost ist in einer Führung erlebbar, in den Kellerräumen des ehemaligen Haupttelegrafenamtes in Berlin-Mitte. Außerdem veranstaltet der Verein in seinen Räumlichkeiten weiterführende Bildungsseminare und hochkarätige Theateraufführungen.
Als der Verein Berliner Unterwelten vor 10 Jahren gegründet wurde, hätte niemand mit den inzwischen 100.000 Besuchern pro Jahr gerechnet, die sich für die "Dunklen Welten" der Hauptstadt interessieren. Der Aufbau des Berliner Unterwelten-Museums und die Verdienste um den Erhalt historischer unterirdischer Bauten wurden im Herbst 2006 mit der "Silbernen Halbkugel" belohnt, der höchsten Auszeichnung, die in der Bundesrepublik Deutschland im Bereich Denkmalschutz vergeben wird.