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Hokusai Retrospektive in Berlin

26. August bis 24. Oktober 2011 im Martin-Gropius-Bau

Die große Welle vor der Küste bei Kanagawa
Die große Welle vor der Küste bei Kanagawa, um 1831, Mehrfarbendruck, 25,2 x 37,6 cm, Aus der Serie 36 Ansichten des Berges Fuji / © Sumida City
Zum ersten Mal ist dem weltweit berühmten japanischen Künstler Hokusai (1760–1849) in Deutschland eine große Retrospektive gewidmet.
Sein wohl bekanntestes Bild ist der Holzschnitt "Die große Welle bei Kanagawa" aus der Serie: "36 Ansichten vom Berg Fuji" (1823–29). Über 440 Leihgaben, die bis auf wenige Ausnahmen aus Japan kommen, werden in der Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen sein.
NAGATA Seiji, der bedeutendste japanische Kenner des Werkes von Hokusai, kuratiert die Ausstellung, die nur in Berlin zu sehen ist. Werke aus allen Schaffensperioden, Holzschnitte und Zeichnungen, illustrierte Bücher und Malerei werden gezeigt

Der Künstler: Hokusai

Mit einer Umfrage erkundete im Jahre 2000 das Magazin "Life", wer die bedeutendsten Künstler der Kunstgeschichte weltweit seien. Hokusai kam auf Platz 17, noch vor Picasso. In der Ausstellung, welche die gesamte, mehr als 70-jährige kreative Zeit Hokusais umfasst, kann man sich von der Genialität dieses großen Künstlers überzeugen. Sein vollständiger Name ist Katsushika Hokusai.
Kusunoki Tamonmaru Masashige und Yao no Bettô Tsunehisa
Kusunoki Tamonmaru Masashige und Yao no Bettô Tsunehisa, um 1830-34, Mehrfarbendruck, 37,3 x 25,3 cm /
© Katsushika Hokusai Museum of Art
Im Jahre 1760 wird Hokusai in Honjo, einem Stadtteil von Edo geboren. Honjo ist heute ein Teil des Stadtbezirks Sumida in Tokyo. Edo wurde nach der Meiji-Restauration 1868 in Tokyo umbenannt. Die Stadtverwaltung von Sumida plant, dem weltberühmten Künstler, der den größten Teil seines Lebens in ihrem Bezirk verbracht hat, ein neues Museum zu widmen. Teile jener für das Museum vorgesehenen Sammlung sind nun für einige Wochen in Berlin zu sehen. Viele der Werke haben Japan noch nie verlassen.
Zeitweise wird Hokusai von seinem Onkel adoptiert, einem Spiegelmacher, der für den Hof des Sh?gun arbeitet. Mit sechs kann er zeichnen. Mit 12 arbeitet er in einer der vielen Leihbüchereien von Edo. Bereits mit 18 ist er ein Meister im Holzschnitt. Der vielfarbige Farbholzschnitt wird in Japan seit den 1740er Jahren angewandt und erreicht in den 1790er Jahren einen ersten Höhepunkt. Hokusai hat großen Anteil daran. Mit bis zu 70 Farbplatten für einen einzigen Holzschnittdruck arbeiteten damals mehrere Künstler zusammen. Doch mit 22 Jahren will Hokusai eher Zeichner als Holzschneider sein.
Bilder von schönen Frauen (bijin-ga), von Sumo-Ringern (sumo-e), deren Arenen in Honjo-Sumida errichtet waren, von Kabuki-Schauspielern, deren Theater sich in Honjo-Sumida befanden – es sind Ukiyo-e, Bilder der fließend-vergänglichen (Unterhaltungs-)Welt, welche die Holzschneider in großer Zahl fertigen – lag doch auch das berühmte Vergnügungsviertel Yoshiwara in der Nähe von Honjo-Sumida.
Album mit zehn Malereien
Album mit zehn Malereien, um 1834-39, Tusche und Farbe auf Papier, 26,5 x 36,1 cm / © Katsushika Hokusai Museum of Art
Fliegende Händler verkaufen die Bilder in ganz Japan. Das bürgerliche Publikum zählt zu den Hauptabnehmern. Der Begriff ukiyo meint auch eine unbeständige Welt in buddhistischem Sinne, lehrte Buddha doch auch die Vergänglichkeit aller Dinge. Doch auch Darstellungen von Blumen und Pflanzen, mit naturwissenschaftlicher Präzision gezeichnet, Illustrationen zu Romanen – schon um 1780 wurden 650 Romane gedruckt – oder klassischen Schriften wie Szenen aus dem Leben des Prinzen Genji, gehören in jener Zeit zum Repertoire eines Zeichners und Holzschnittkünstlers. Allein über 1000 Romanillustrationen entstehen damals aus Hokusais Hand.
Bereits um 1700 hat Edo 1,2 Millionen Einwohner. Es ist ein reiches und spendierfreudiges Publikum, in dessen Umgebung Hokusai aufwächst: Kaufleute und Samurai (Schwertadel), Daimy? (Fürsten) und Hofleute. Bücher erreichen schon damals leicht 13.000 Exemplare Auflage. Von einer Holzplatte konnte man viele hundert Abzüge herstellen. Millionenfach werden die farbigen Drucke verkauft.
Hokusai wird für die Wandlungsfähigkeit seines Stils weithin gerühmt. Wiewohl er "Manga" nicht erfunden hat, so ist sein Skizzenbuch "Hokusai-Manga" noch heute weltweit bekannt und als Nachdruck auf dem Markt. Dabei ist es "nur" ein Malhandbuch, entstanden als Holzschnittdruck in mehreren Bänden seit 1814, auf der Basis von etwa 4000 Zeichnungen aus Hokusais Hand. Betrachtet man sie heute, so wirken sie wie eine Schilderung des Lebens in Japan, reich an Informationen aber auch an stupender gestalterischer Finesse. Man sagt, Hokusai habe auch an die 150 Bilder gemalt, doch nicht alle sind heute erhalten. Einige werden in Berlin zu sehen sein, darunter ein Selbstporträt.
Würger, Eichelhäher, Steinbrech und Erdbeeren
Würger, Eichelhäher, Steinbrech und Erdbeeren, um 1834, Mehrfarbendruck, 23,9 x 17,2 cm / © Sumida City

Hokusai-Rezeption in Europa

Die Rezeption des Werkes von Hokusai im Europa des 19. Jahrhunderts ist überwältigend. Schon die Holländer, mit denen Hokusai trotz strenger Kontrollen direkt verkehren kann, bringen noch zu seinen Lebzeiten seine Farbholzschnitte und Malerei nach Europa.
Für Kapitän Bloemhoff, der von 1817 bis 1822 der Leiter der holländischen Handelsniederlassung in Deshima war, soll Hokusai 40 Bilder gemalt haben. Franz von SIEBOLD, ein deutscher Arzt aus Würzburg, der von 1823 bis 1829 in holländischen Diensten auf Deshima tätig war, sammelt Werke von Hokusai, die sich noch heute in mehreren europäischen Sammlungen befinden. Siebold reproduziert bereits 1858 eines seiner Werke in seinem enzyklopädischen Japanbuch "Nippon – Archiv zur Beschreibung Japans ...". Damit beginnt der Siegeszug Hokusais in Europa und USA.
Bereits 1862 findet in Paris eine erste Ausstellung mit japanischer Kunst statt. Ernest Fenollosa widmet Hokusai 1893 eine erste Retrospektive im Westen, im Boston Museum of Fine Arts. 1901 werden im Wiener Kunstgewerbemuseum über 600 Werke von Hokusai gezeigt. 1913 folgt eine große Ausstellung in Paris. Eine erste Biographie erscheint bereits 1880 auf dem europäischen Markt, schon 1896 eine zweite in Paris, verfasst von Edmond DE Goncourt. In der damaligen Hauptstadt der Kunst sind Hokusai und seine japanischen Künstlerkollegen Tagesgespräch. Ein Dutzend Galerien konkurrieren um Käufer; sie vertreten etwa vier Dutzend japanische Künstler in Europa.
Viele europäische Künstler jener Zeit lassen sich vom Werk Hokusais beeinflussen und sammeln seine Holzschnitte: Degas, Gauguin, Jawlensky, Klimt, Marc, Macke, Manet (der Zola vor einem japanischen Holzschnitt portraitiert), Monet (der einige hundert japanische Holzschnitte sammelt), Mucha, Pissarro, Toulouse-Lautrec, Whistler, Valloton, van Gogh und andere. Samuel BING, dessen 1895 in Paris eröffnete Galerie "L’art Nouveau" einem neuen Stil seinen Namen gab, der als Jugendstil seinen Siegeszug über ganz Europa antreten wird, begann als Händler japanischer Kunst. Japanische Kunst wird zwischen 1860 und 1920 zu einer großen Mode in ganz Europa und den USA. Hokusai aber konnte den Erfolg seiner Kunst in Europa nicht mehr erleben.
 
Der Suwa-See in der Provinz Shinano
Der Suwa-See in der Provinz Shinano, um 1831, Mehrfarbendruck, 25,3 x 37,3 cm /
© Sumida City
 
Kontakt - Martin-Gropius-Bau am Potsdamer Platz
Adresse:
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag von 10-20 Uhr,
Dienstag geschlossen
Eintritt:
9 €, ermäßigt 6 €, bis 16 Jahre ist der Eintritt frei
Führungen:
Samstag 16 Uhr (ohne Anmeldung), 3 € zzgl. Eintritt
Katalog:
Nicolai Verlag, ca. 400 Seiten, ca. 400 Abbildungen. ISBN 978-3-89479-688-4
Museumsausgabe: 22 €,
Buchhandelsausgabe: 39,95 €
Homepage:
 
Text- und Bildquelle:
Pressemitteilung der Berliner Festspiele, www.berlinerfestspiele.de
 
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