Turmkunst 2010 in Berlin
Die spektakulärste Open Air-Galerie Europas
Diesen Frühling wird mit dem Bierpinsel in der Steglitzer Schlossstraße ein in Vergessenheit geratenes Berliner Wahrzeichen wachgeküsst: vier international bekannte Street-Art-Künstler verwandeln den futuristisch anmutenden Turm in eine spektakuläre Open Air-Galerie, 40 Meter über den Dächern von Berlin!
Der Bierpinsel – ein vergessenes Wahrzeichen
Inspiriert vom gotischen Kathedralenbau und mit dem Bild eines Zeppelins und eines Baums im Hinterkopf, entwarfen die Architekten Ralph Schüler und Ursulina Schüler-Witte in den Siebziger Jahren den bizarren 48m hohen Bierpinsel.
Am Tag der Eröffnung, dem 13. Oktober 1976, gab es Freibier im Bierpinsel, was ihm seinen Namen einbrachte. Auch im Folgenden wurde der Turm fast ausschließlich für gastronomische Zwecke genutzt. Jedoch wechselten die Besitzer häufig und kein Wirt konnte sich lange halten, sodass der Bierpinsel 2002 schließlich geschlossen wurde. Mit dem Projekt Turmkunst 2010 wird er nun wieder zum Leben erweckt, um auch in Zukunft weiterhin für die Gastronomie genutzt zu werden.
Ein Street Art Event unter extremen Bedingungen
© Foto: Sascha Blasche
Vom 1. April bis 15. Mai verwandeln vier Street Art Künstler den Bierpinsel in eine Open-Air-Galerie, unter der Obhut der Kuratoren Tornow, Grau und Link der Vicious Gallery in Hamburg. Zusehen kann man aus der Urban Art Lounge auf der Joachim-Tiburtius-Brücke oder vom Kunstcafé in der dritten Etage des Turms aus, in dem auch eine Ausstellung der Vicious Gallery zu sehen ist.
Gleichzeitig finden zahlreiche Veranstaltungen rund um die Themen Kunst und Architektur in und um den Bierpinsel statt. Es gibt Street Art Workshops, Themenabende der Stadtplaner Urbanophil und eine Graffitisession im nahem U-Bahn-Bereich.
Außerdem hat jeder der vier Künstler ein T-Shirt entworfen, dessen Verkaufserlös einem sozialen Projekt zur Förderung junger Berliner Street Art zugute kommt. Darüber hinaus erscheint nach Abschluss des Projektes "Turmkunst – Street Art XXL", ein Kunstbuch mit Dokumentationen des Fotografen JUST im Jaron Verlag.
Die Künstler
Den Anfang machte am ersten April der Münchener Künstler Flying Förtress. Er ist schon seit einiger Zeit im Urban Culture Bereich tätig, war unter anderem auf der ARTotale in Lüneburg vertreten und erfand zudem die beliebten Sammlerfiguren Teddy Troopers. Zwei Wochen lang wird er am neuen Gesicht des Turms arbeiten.
Sozyone, Flying Förtress und Honet im Fassadenlift / © turmkunst.de
Beim zweiten Künstler handelt es sich um den – laut der Tate Modern in London – weltbesten Street Artist seiner Zeit, Honet aus Frankreich. Schon seit 1988 treibt er sich in der Street Art Szene Europas, Chinas, Russlands und Japans herum und begeistert die Menschen mit Wandgemälden, Installationen und Fotografien. Mittlerweile kooperiert Honet auch mit großen Marken wie Adidas oder Prada.
Am 29. April übernimmt dann Sozyone aus Spanien, welcher sich selbst als einen "Anarchist, der Vögel und Hüte liebt" bezeichnet. In Spanien vor allem für seine erfolgreiche Hip Hop Musik bekannt, machte er im restlichen Europa durch die Aktion "3h15" auf sich aufmerksam. Hier verwandelte er den Schnellzug Thalys im Pariser Nordbahnhof in nur drei Stunden und 15 Minuten in ein fahrendes Graffitikunstwerk.
Craig "KR" Costello aus den USA hat sich den Stamm des Turms mit seiner Grundfläche von 42m² ausgesucht. Seine nach unten hin verlaufende silberne Signatur hat "KR" inzwischen in fast allen globalen Metropolen verbreitet und inzwischen sogar einen eigenen Mini kreiert. In dem erfolgreichen Unternehmen KRINK produziert er heute Farben und andere Materialien für Street Art Künstler.