Ausflüge
Bad Saarow
Einst mondäne Sommerfrische für Erholung Suchende, ist das 60 km südöstlich von Berlin gelegene Bad Saarow heute besonders wegen seiner Villenarchitektur und der Therme ein gefragtes Ausflugsziel, das Sie mit dem Auto, aber auch problemlos mit der Bahn erreichen können. Für einen Besuch der Perle am "Märkischen Meer", wie Fontane den Scharmützelsee - Brandenburgs größtes Gewässer - einst bezeichnete, sollten Sie einen ganzen Tag einplanen.
Von Berlins Bahnhöfen fährt der Regionalexpress im 60-Minuten-Takt nach Fürstenwalde, dort müssen Sie umsteigen. Nutzen Sie das Saarow-Thermen-Ticket, das Hinund Rückfahrt sowie einen dreistündigen Aufenthalt in der Saarow-Therme beinhaltet (14,80 Euro). Mit dem Auto verlassen Sie Berlin Richtung Königs Wusterhausen und fahren auf der A 10 bzw. A 12 bis Fürstenwalde-West. Von dort sind es noch 6 km bis nach Bad Saarow.
Schon zur vorletzten Jahrhundertwende rief Bad Saarow die Immobilienhändler auf den Plan. So kaufte die Landbank A.G. die zu den Rittergütern Saarow und Pieskow gehörenden Wälder, um für finanzkräftige Berliner Sommerresidenzen zu bauen. Nachdem 1914 ein Moorbad erbaut, 1927 eine Heilquelle erschlossen, Golf- und Tennisplätze angelegt und der durch seine lange Nord-Süd-Ausdehnung ideale Segelsee für internationale Regatten genutzt wurde, zog der Ort viel Prominenz an. Was Rang und Namen hatte, kaufte sich ein Sommerhaus am Ufer des Scharmützelsees. Viele dieser Häuser stehen heute noch und erstrahlen wieder in neuem Glanz. Ein Spaziergang entlang der Uferpromenade macht die Entscheidung, ob man nun lieber auf die prächtigen Villen oder auf den See schauen soll, nicht leicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Bad Saarow, das die Sowjets zur Hälfte zum militärischen Sperrgebiet gemacht hatten, zum "Bad der Werktätigen". Da die 1927 angebohrte Solequelle aber hinter dem Stacheldraht lag, war vorerst Schluss mit dem Baden im Salzwasser.
Heute schließt der Ort mit etlichen guten Hotels wieder an Vorkriegszeiten an. Besonders die im japanisch-römischen Stil gehaltene Therme zieht viele Besucher an. Mit Heißwasserbecken, Strudelkanälen und diversen Anwendungen, die gebucht werden können, erholt man sich bei jedem Wetter. Im skandinavischen Saunabereich sorgt künstlicher Schnee für Abkühlung, während im orientalischen Bereich ein Hamam und das sinnliche Zeremoniell im Rasul - ein Zauber aus Duft, Licht, Ölen und heilendem Naturschlamm - für Entspannung sorgen (Die Therme ist Sonntag bis Donnerstag von 9 bis 21 Uhr geöffnet, Freitag und Samstag sogar bis 23 Uhr, eine Tageskarte kostet 14 Euro).
Auch außerhalb der Therme kommen Sportbegeisterte auf ihre Kosten: So liegen auf dem Gelände des Arosa-Resorthotels vier Golfplätze verschiedener Schwierigkeitsgrade, am Scharmützelsee können Segeljollen und Yachten gemietet werden, und an sonnigen Tagen ist auch das Schwimmen im sauberen See ein erfrischendes Erlebnis.
Auskunft: Saarow-Centrum, Ulmenstr. 15, 15526 Bad Saarow, Tel. 033631/86 80,
www.bad-saarow.de
Potsdam
Die Hauptstadt Brandenburgs reizt mit mondäner Villenarchitektur, herrlichen Schlossanlagen und preußischer Militärgeschichte. Viele Bauten wurden restauriert, aber noch immer bleibt viel zu tun. Potsdam liegt südwestlich von Berlin am anderen Ufer der Havel und ist mit der S-Bahn zu erreichen (Linie 1, im 10-Minuten-Takt).
Schloss Sanssouci
© Stephan Grund
Einst Residenzstadt preußischer Könige, heute ein Ort mit einmaliger Kultur- und Parklandschaft. Seit 1990 wurden große Bereiche Potsdams von der Unesco zur Welterbestätte erklärt. Dazu gehören u. a. die Parkanlagen Sanssouci, Neuer Garten, Babelsberg und auf Berliner Seite der Havel Glienicke mit ihren jeweiligen Schlössern. Der Park von Schloss Sanssouci etwa gilt als Prachtexemplar einer französisch und italienisch orientierten Gartenarchitektur. Hier startet die Tour. Vom Bahnhof Potsdam Stadt, wo auch die S-Bahn aus Berlin hält, fährt von April bis Oktober der Expressbus X 15 direkt zum Park; Haltestelle ist Schloss Sanssouci. Im Winter führt die Buslinie 695 zum Park.
Ursprünglich war der Park Sanssouci nur ein Terrassengarten, den Friedrich II. ("der Große") 1744 anlegen ließ, um Pflaumen, Feigen und Wein anzubauen. Allerdings gefiel ihm die Aussicht auf dem Hügel so sehr, dass der König bald darauf ein Lustschloss oberhalb der Terrassen als Sommerresidenz erbauen ließ. Das Schloss wurde in nur zwei Jahren (1745-47) von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichtet. Für den jungen König sollte das relativ kleine Schloss Sanssouci (dt. "ohne Sorge") vor allem als Erholungsort dienen. Hier beschäftigte sich der König in den Sommermonaten mit Philosophie, Musik und Literatur und empfing seine Gäste in privatem Rahmen.
Neben Schloss Sanssouci ließ Friedrich II. weitere Gebäude errichten, u. a. das Neue Palais und das Chinesische Teehaus. Das Neue Palais ist das letzte und zugleich größte Bauwerk des 18. Jahrhunderts im Park Sanssouci. Es wurde 1763 bis 1769 nach Plänen Johann Gottfried Bürings und Carl von Gontards für Friedrich den Großen gebaut, der damit zeigen wollte, dass die Schlesienkriege ihn nicht ruiniert hatten. Ein Spaziergang durch den Park führt außerdem an der Orangerie vorbei sowie an zahlreichen Themengärten wie dem Nordischen und dem Sizilianischen Garten. In der 1850-64 im italienischen Stil erbauten Orangerie überwinterten die Kübelpflanzen aus dem Garten.
Am östlichen Ausgang des Parks angekommen, führt ein 15-minütiger Spaziergang in die City (ausgeschildert). Am Nauener Tor liegt das Holländische Viertel, das 1732 bis 1742 für holländische Einwanderer erbaut wurde. Die hatte der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. zum Ausbau der Garnisonsstadt angeworben, wofür er dringend gut ausgebildete Handwerker brauchte. Damit sich die Holländer in Potsdam wie zu Hause fühlten, ließ er 130 typisch holländische Backsteinhäuser bauen. Heute ist das Viertel besonders wegen seiner bunten Mischung aus Einzelhandel und Kneipen beliebt.
Schloss Cecilienhof
© Bob Tubbs
Auch Schloss Cecilienhof, wo 1945 die Potsdamer Konferenz der Siegermächte stattfand, sollten Sie nicht verpassen. Dorthin fährt der Bus 692 ab Nauener Tor. Im Schloss gibt es neben einer Austellung zur Konferenz auch ein Restaurant, in dem man gut essen kann (täglich von 12 bis 23 Uhr geöffnet, Neuer Garten, Tel. 0331/370 50). Cecilienhof wurde 1914-17 als letzter Schlossbau der Hohenzollern für Kronprinz Wilhelm und seine Gattin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin erbaut. Der Architekt Paul Schultze-Naumburg gestaltete es im Tudor-Stil eines englischen Landhauses.
Auf dem Weg zurück in die Stadt sollten Sie unbedingt mit dem Bus einen Stopp an der russischen Holzhaus-Kolonie Alexandrowka einlegen (Haltestelle Alleestraße/Ecke Friedrich-Ebert-Straße), die Friedrich Wilhelm III. 1826 für zwölf russische Sänger errichten ließ. Von dort ist es nicht weit zum Pfingstberg, der höchsten Erhebung Potsdams. Hier befindet sich ein Frühwerk Karl-Friedrich Schinkels, der Pomona-Tempel, ein kleiner Pavillon mit schönem Ausblick. Das frisch restaurierte Belvedere mit seiner Doppelturmanlage, das Friedrich Wilhelm IV. nach dem Vorbild der römischen Villa Medici Mitte des 19. Jhs. erbauen ließ, erstrahlt auf dem Pfingstberg in neuer Pracht. Zurück geht es mit dem Bus 692 in die Innenstadt. Im urigen Klosterkeller, Potsdams ältester Schänke, können Sie sich bei solider altdeutscher Küche stärken (täglich von 11.30 bis 23 Uhr geöffnet, Friedrich-Ebert-Str. 94, Tel. 0331/29 12 18). Danach lohnt sich ein Blick in Schinkels Nikolaikirche (1830-49) mit ihrer mächtigen Kuppel.
Zur entspannten Rückfahrt nach Berlin bietet sich eine Schifffahrt auf der Havel an. Ausflugsdampfer mit Ausstiegsmöglichkeit in Wannsee fahren ab an der Langen Brücke, ganz in der Nähe vom Bahnhof Potsdam-Stadt. Vom Schiff aus hat man einen schönen Blick auf das Schloss und den dazugehörigen Park Babelsberg, ein traumhaft verwunschenes Ensemble. Ab 1871 war Babelsberg der Sommersitz Wilhelms I. 1833 hatte Schinkel das Gebäude in neogotischem Stil entworfen, Ludwig Persius übernahm 1841 die Planung für die Erweiterung. Vollendet wurde der Bau 1845 schließlich von Johann Heinrich Strack. Mit der Gestaltung des Parks, der sich über mehrere Hügel erstreckt, befasste sich zunächst Peter Joseph Lenné, später Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand der den Park überragende Flatowturm.
Auskunft: Potsdam-Information, Mo-Fr 10-18, Sa/So 10-16 Uhr, Friedrich-Ebert-Str. 5, 14467 Potsdam, Tel. 0331/27 55 80
Dampferfahrplan: Tel. 0331/275 92 10,
www.schiffahrt-in-potsdam.de
Rheinsberg
Ca. 90 km nördlich von Berlin, in Rheinsberg, steht eines der bekanntesten und schönsten Schlösser der Mark Brandenburg. Die dortige Musikakademie erfüllt das Anwesen mit neuem Leben. Mit der Bahn (Regionalzug ab Bahnhof Berlin-Charlottenburg) benötigen Sie ca. 2 Stunden; etwas schneller geht es mit dem Auto.
Auf der A 10 bzw. A 24 Richtung Hamburg bis zur Abfahrt Neuruppin; den Ort durchqueren und 8 km hinter Neuruppin von der B 167 nach links abbiegen. Über Lindow erreichen Sie Rheinsberg.
Im Zentrum steht das wunderschöne Schloss, das Jahr für Jahr Opern- und Literaturliebhaber anzieht. Ihm hat Kurt Tucholsky seine berühmte Liebesgeschichte "Rheinsberg - Ein Bilderbuch für Verliebte" gewidmet. Und hier findet in jedem Sommer das Openair-Opernfestival der Kammeroper statt. Man sitzt im Schlosspark am Ufer des Grienericksees, lauscht den Arien und begutachtet die Nachwuchstalente auf der Bühne. Das Schloss, in dem König Friedrich II. seine Jugendund Studienjahre verbrachte, beherbergt neben dem Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum mit Dokumenten zum Werk und Leben des Schriftstellers auch eine Musikakademie. Zu DDR-Zeiten diente das Gebäude, das im Stil des norddeutschen Rokoko erbaut wurde, als Sanatorium, heute kann man wieder den Spiegelsaal und die Kronprinzenwohnung des "Alten Fritz" besichtigen.
Wer vor oder nach dem musikalischen Genuss Bewegung braucht, kann wunderbar am Grienericksee spazieren gehen. Oder wie wäre es mit einer Dampferfahrt über das Rheinsberger und mecklenburgische Seengebiet? An der Anlegestelle Seestraße, ganz in der Nähe vom Restaurant Seehof, das wegen seiner herausragenden Küche schon mehrfach ausgezeichnet wurde (Montag bis Freitag von 12 bis 15 und von 18 bis 22 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag durchgehend offen, Seestr. 18, Tel. 033931/40 30), gehen im Sommer täglich Ausflugsschiffe auf große oder kleine Fahrt.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Rheinsberg um 1335 als "Rynesberg". Der Ort war eine Gründung von Siedlern aus dem Rheinland, die sich in dem seenreichen Gebiet vor allem als Fischer verdingten. 1734 kam das Städtchen in den Besitz des preußischen Hofes. Sechs Jahre später brannte der Ort ab, und Friedrich II. beauftragte den Baumeister Friedrich Wenzeslaus von Knobelsdorff mit dem Wiederaufbau. Ein barockes Stadtbild mit relativ breiten Straßen entstand. Prinz Heinrich, der Bruder Friedrichs II., lebte über 50 Jahre in Rheinsberg und pflegte einen französischen Lebensstil, was die Ausstattung des Schlosses samt Park noch heute stark prägt. Schloss Rheinsberg, von April bis Oktober Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet, von November bis März Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr, Tel. 033931/72 60; Festival der Kammeroper: Tel. 033931/72 50, www.kammeroper-rheinsberg.de; Ausflugsschiffe: Tel. 033931/386 19,
www.schiffahrt-rheinsberg.de
Tourist-Information Rheinsberger Seenkette, Kavalierhaus/Markt, 16831 Rheinsberg, Tel./Fax 033931/20 59,
www.rheinsberg.de