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Stadtgeschichte

In der ungarischen Geschichte spielt Budapest seit über 700 Jahren eine bedeutende Rolle. Tief im Bewusstsein der Ungarn verankert sind vor allem Traumata, die mit der jahrhundertelangen Fremdherrschaft und dem Verlust an territorialer Größe verbunden sind. Die Geschichtsschreibung des Landes beginnt 896 mit der "Landnahme" der sieben Magyarenstämme unter der Führung des Fürsten Arpad.
Statue von König Istvan
Statue von König Istvan
© Heinz Albers / www.heinzalbers.org
Eine herausragende Stellung nimmt der im Jahr 1000 gekrönte erste ungarische König Istvan (Stephan) ein, der das Land mit aller Macht christianisierte. Der Monogolensturm von 1241/42 war ein erstes traumatisches Erlebnis. Wenige Jahrzehnte später erlebte Buda bis Ende des 15. Jahrhunderts eine Blütezeit. König Bela IV., der während des Mongolensturms regierte, baute auf dem Burgberg eine erste Burg, unter König Matthias (1458-90) wurde der Herrschersitz zu einer Hochburg des Humanismus. Dieser goldenen Ära folgte im 16. Jahrhundert ein zweites Trauma – die 160 Jahre anhaltende türkische Gewaltherrschaft (1526 bis 1686). Ab 1541 regierten die Türken das Land von Buda aus. Als der Kampf gegen die Besatzer 1686 erfolgreich endete, waren Buda und Pest vollkommen zerstört.
Nach der Befreiung von den Türken beherrschten Österreichs Habsburger das Land. Fürst Rakoczis Aufstand gegen die Fremdherrschaft (ab 1703) scheiterte ebenso wie die Bürgerliche Revolution von 1848 unter Führung von Lajos Kossuth. Doch in den Jahrzehnten vor der Revolution entstanden im Rahmen der nationalen Reformbewegung, dessen bedeutendster Vertreter Graf Istvan Szechenyi war, große kulturelle Einrichtungen wie das Nationalmuseum und die Nationalbibliothek. Zur blühenden Metropole wurde Budapest erst nach dem Ausgleich mit Österreich, der mit der Doppelmonarchie – der Krönung des österreichischen Kaiserpaares Franz Joseph und seiner Frau Elisabeth (Sisi) zum Königspaar von Ungarn (1867) – besiegelt wurde. Rasant aufwärts ging es ab 1873 mit der Zusammenlegung von Buda, Obuda und Pest. Innerhalb weniger Jahrzehnte stieg die Zahl der Einwohner von etwa 300 000 auf 750 000, begleitet von einem Bauboom sondergleichen.
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs verbindet sich das dritte Trauma: Ungarn verlor durch den Friedensvertrag von Trianon (1920) gut zwei Drittel seines Territoriums an Rumänien, die damaligen Länder Tschechoslowakei und Jugoslawien, an Österreich und Italien.
Museum Haus des Terrors
Museum "Haus des Terrors"
Auch die jüngere Geschichte ist geprägt von Gewalt und Okkupation. Da Ungarn im Zweiten Weltkrieg auf der Seite Hitler-Deutschlands in den Krieg eintrat (1941), dominierten die großen Terrorregimes des 20. Jahrhunderts – Naziherrschaft und Kommunismus – die Jahrzehnte bis 1989. In Budapest hatte der Terror eine feine Adresse: Die Geheimdienste und Folterknechte der Faschisten wie der Kommunisten arbeiteten, quälten und mordeten in einer Villa an der Andrássy út, in dem heute das Museum "Haus des Terrors" untergebracht ist. Der erfolglose Aufstand von 1956 gegen die Sowjetherrschaft fand seine späte Erfüllung mit dem Abzug der sowjetischen Soldaten zur "Wende" im Jahr 1989.
Erst mit dem friedlichen Wandel zu Demokratie und Marktwirtschaft erreichten die Ungarn ab 1989 eine Souveränität, die diese Bezeichnung verdient. Im Beitritt zur Europäischen Union findet die Rückkehr nach Europa ihren deutlichen Ausdruck. Die neue Freiheit wird jedoch überschattet von der Spaltung des Landes in die beiden mit den Etiketten rechts und links versehenen politischen Lager, die allumfassend ist. Wo selbst alltägliche Dinge oder architektonische Projekte zu einer nationalen Frage, zur Frage magyarischen Seins oder Nichtseins, hochstilisiert werden, siegt die Vergangenheit über die Zukunft, belasten Polemik und Diffamierung die Atmosphäre. Dass Budapest dennoch von ungeheurer Lebendigkeit ist, liegt am einzigartigen Pulsschlag der Stadt. Dieser Schmelztiegel der Kulturen und Temperamente hat seine eigene, durch nichts zu bremsende Kraft und Dynamik.
 
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