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Stadtspaziergänge

 
Der Burgpalast bei Nacht
Der Burgpalast bei Nacht
© Ludovic Lepeltier

Rundgang auf dem Burgberg

60 m hoch ragt der Burgberg am Donauufer auf. Trotz aller Katastrophen, die diesen historischen Kern der Stadt heimsuchten - Erdbeben, Brände, Belagerungen und Kriege - ist der 1,5 km lange und bis zu 500 m breite Hügel ein kulturhistorisches Juwel. Zwei Drittel der Fläche macht das Burgviertel aus, ein Drittel der gewaltige Burgpalast. Dauer des Spaziergangs: drei bis vier Stunden.
Den schönsten Weg zum Burgberg nimmt die Standseilbahn (siklo, täglich von 7.30-22.30 Uhr, in geraden Wochen Montags geschlossen). Sie fährt in zwei Minuten - auf einer 95 m langen Strecke mit 48-prozentigem Gefälle - vom Clark Adam ter (am Budaer Brückenkopf der Kettenbrücke) zum Szent György ter. 60 m hoch ragt der Burgberg am Donauufer auf. Trotz aller Katastrophen, die diesen historischen Kern der Stadt heimsuchten - Erdbeben, Brände, Belagerungen und Kriege - ist der 1,5 km lange und bis zu 500 m breite Hügel ein kulturhistorisches Juwel. Zwei Drittel der Fläche macht das Burgviertel aus, ein Drittel der gewaltige Burgpalast. Dauer des Spaziergangs: drei bis vier Stunden.
Der Burgberg ist auch ein Wohngebiet, aber es leben nur wenige Menschen in den historischen Mauern. Die zu privaten Wohnzwecken genutzten Häuser sind meistens gar nicht oder kaum modernisiert. In den Sommermonaten füllt sich der Burgberg mit Besuchern, doch im Winter bietet er ein stilles, in manchen Ecken gar verlassenes Bild. Pläne, das Areal zu beleben, gibt es einige, doch es wurden noch keine Projekte realisiert. Als kulturhistorischen Ensemble ist das Viertel mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten, den Restaurants, Cafés und Läden für Besucher auf jeden Fall ein Muss.
Von der Bergstation der Standseilbahn geht es nach links zum Burgpalast (Budavari palota) mit seinen Museen. Die große Bronzeplastik stellt den Turul-Vogel dar, einen Riesenfalken, der in der ungarischen Sagenwelt eine wichtige Rolle spielt. Er gilt als halbgöttlicher Stammvater der Ungarn.
Außenansicht des Tanztheaters
Außenansicht des Tanztheaters
© Nationales Tanztheater
Wenn Sie von der Bergstation nach rechts gehen, kommen Sie in die Theaterstraße (Szinhaz utca). Das klassizistische Palais Alexander (Sándor palota) von 1806, neben der Standseilbahn, ist heute der Sitz des ungarischen Staatspräsidenten. Das Palais Nr. 1-3 war im 19. Jahrhundert eine Karmeliterkirche und wurde auf Geheiß von Kaiser Franz Joseph II. zum ersten ständigen Theater in Buda umgebaut (1790 eröffnet). In diesem Burgtheater (Varszinhaz) ist jetzt das Nationale Tanztheater zu Hause. Im schönen Hof des Karmeliterklosters befindet sich im Sommer das Café Rivalda.
Der Paradeplatz (Disz ter) markierte einst die Grenze zwischen dem Palastviertel und der Bürgerstadt. Im Mittelalter war er Marktplatz und Hinrichtungsstätte. Vom Dísz tér gehen mehrere Straßen ab. Eine ist die Tárnok utca, in der früher deutsche Händler wohnten.
Den Spaziergang setzen Sie in der Arpad Toth setany fort, einer Promenade auf der Befestigungsmauer des Burgbergs. Sie hält schöne Ausblicke über die Buader Stadtviertel bereit. Biegen Sie nun nach rechts in die Straße der Heiligen Dreifaltigkeit (Szentharomsag utca) ein. Dort lädt das elegante, kleine Café Ruszwurm von 1824 zu einer Pause ein. Ihm gegenüber liegt das alte Rathaus von Buda, das 1873, mit der Vereinigung von Buda, Obuda und Pest, seine Funktion verlor und seitdem als Kolleg genutzt wird. Der gewaltige Barockbau reicht von der Herrenstraße (Uri utca) bis zum Szentharomsag ter.
Sie setzen den Rundgang in der Uri utca fort, in der auch die deutsche Botschaft liegt. Hier finden Sie noch viele Spuren des Mittelalters, z. B. gotische Sitznischen. An den Gebäuden zeigt sich, wie nach der Zerstörung durch die Türken barocke Bauten auf den Trümmern der gotischen Bauwerke errichtet wurden. Gotisch ist beispielsweise noch die Fassade des Hauses Nr. 31. Auch an den Häusern Nr. 32, 34, 36 und 38 sind gotische Elemente zu erkennen.
Über die Querstraße Darda utca gelangen Sie in die Parlamentsstraße (Orszaghaz utca). Im Haus Nr. 16 liegt der Eingang zur Burghöhle, die 2004 auf unbestimmte Zeit geschlossen wurde. Dass der gesamte Burgberg von natürlichen Höhlen und Tunneln durchzogen ist, war schon im Mittelalter bekannt.
Am Ende der Orszaghaz utca liegt der schöne Kapisztran ter mit dem spätgotischen Maria-Magdalena-Turm (Magdolna torony), von dem jede Viertelstunde ein Glockenspiel erklingt. Nur der Turm hat die Zerstörung der Kirche (13. Jahrhundert) im Zweiten Weltkrieg überstanden. Das klassizistische Militärhistorische Museum war einst eine Kaserne. Durch die Petermann biro utca kommen Sie zum Wiener-Tor-Platz (Becsi kapu ter). An der Ecke zur Fortuna utca steht die neoklassizistische Evangelische Kirche.
Keller im Haus der ungarischen Weine
Keller im Haus der ungarischen Weine
© Magyar Borok Haza
Der nordöstliche Teil des Burgviertels war im Mittelalter das jüdische Ghetto. Sein Zentrum, die Tancsics Mihaly utca, wurde im Volksmund "Judengasse" genannt. Ihr schönstes Barockgebäude ist das Erdödy Palais (Nr. 7). Sie führt - am Hotel Hilton vorbei - zur Matthiaskirche am Szentharomsag ter. Die 14 m hohe Dreifaltigkeitssäule auf dem Platz wurde 1715 zur Erinnerung an die Pest von 1706 aufgestellt. Auf der rechten Straßenseite liegt der Eingang zum Haus der ungarischen Weine. Von der Matthiaskirche sind es nur wenige Schritte zur Fischerbastei. Das große Reiterdenkmal stellt König Stephan I. dar. Dieser Teil des Burgbergs - Matthiaskirche, Fischerbastei und Reiterstandbild - wurden vom Architekten Frigyes Schulek Ende des 19. Jahrhunderts als Gesamtanlage konzipiert und realisiert.
Der Rückweg führt durch die Szentharomsag utca nach links in die Uri utca. Im Haus Nr. 9 geht es hinunter zum Budaer Labyrinth. Zurück kommen Sie über die Uri utca, den Dísz ter und die Königstreppe (Kiraly lepcso), die zur Donau führt, oder mit der Standseilbahn.

Die Elisabethstadt: Entdeckungen im Jüdischen Viertel

Verfall und neuer Glanz liegen im jüdischen Viertel - im VII. Bezirk Elisabethstadt (Erzsebetvaros) - dicht beieinander, aber es entwickelt sich mit jedem Jahr mehr zu einem lebendigen, attraktiven Teil der Hauptstadt. Dauer des Spaziergangs: eine Stunde.
Synagoge an der Dohnany Straße
Synagoge an der Dohnany Straße
© Tourism Office of Budapest
Der Spaziergang beginnt am religiösen Zentrum der jüdischen Gemeinde, der Synagoge in der Dohány utca, die 1859 feierlich eingeweiht wurde. Anfang des 20. Jhs. lebten in Budapest etwa 170 000 Juden. Ihr Anteil an der Bevölkerung stieg zwischen 1872 und 1900 wegen des weltoffenen Klimas der Stadt von 16 auf 21,5 Prozent. 1939 wurden etwa 200 000 Juden gezählt. Orthodoxe Gläubige waren in Budapest immer nur eine kleine Minderheit, etwas wie ein Schtetl - ein Viertel, in dem nur nach jüdischen Traditionen gelebt wurde - hat sich nie entwickelt. Die große Mehrheit der Juden war liberal und versteht sich bis heute als Teil der ungarischen Bevölkerung.
Ende 1944 wurde die Elisabethstadt, von der Umgebung durch eine Backsteinmauer abgeriegelt, zum jüdischen Ghetto und für Tausende der eingeschlossenen Juden zum Grab. Der Holocaust brachte insgesamt 600 000 ungarischen Juden den Tod. An diese Verbrechen gemahnt das neue Holocaust-Erinnerungszentrum.
Heute leben etwa 80 000 Juden in Budapest, die meisten über das gesamte Stadtgebiet verstreut. Die Elisabethstadt war und ist jedoch ein Viertel, in dem jüdisches Leben viele Spuren hinterlassen hat und in dem - zuerst nach dem Grauen der Naziherrschaft, dann nach der Wende von 1989 - wieder jüdische Religion und Traditionen gelebt werden.
Die grundlegende Renovierung der Synagoge in der Dohány-Straße wurde vor allem durch eine Stiftung des amerikanischen Schauspielers Tony Curtis ermöglicht. Sein Vater Emanuel war ein jüdischer Emigrant aus Ungarn. In einem Seitenflügel der Synagoge ist das kleine Jüdische Museum untergebracht.
Von der Synagoge (Herzl-Platz) aus geht es in die Wesselényi utca. Auch wer das Gotteshaus nicht im Rahmen einer Führung besichtigt hat, sieht von der Straße aus rechts eine silbern schimmernde Skulptur des Künstlers Imre Varga. Sie steht über Massengräbern und stellt eine Trauerweide dar, auf deren Blättern die Namen der Opfer stehen. Zu sehen sind auch Gedenksteine zur Erinnerung an die im Ghetto gestorbenen und ermordeten Juden. Wenn Sie die Straße weiter hinuntergehen, passieren Sie an der Ecke Síp utca den modernen Bürokomplex des Wirtschaftsprüfungs- und Consultingunternehmens Pricewaterhouse Coopers. Darin lädt das nette Café Síp Sarok (Montag-Freitag von 8-22 Uhr) zu einer Pause ein.
Gedenktafel des Holocaust-Erinnerungszentrums
Gedenktafel des Holocaust-Erinnerungszentrums
© Holocaust Memorial Center
Wenn Sie von der Wesselenyi utca nach links in die Kazinczy utca einbiegen, liegt links das Kultusministerium (Nr. 24-26) und ihm gegenüber das Museum für Elektrotechnik (Nr. 21). Der Gebäudekomplex an der Ecke Dob utca erschließt sich erst vom Innenhof aus. Sie gelangen hinein, wenn Sie nach rechts in die Dob utca einbiegen. Dort hängt an der Nr. 35 ein Hinweisschild auf das koschere Restaurant Hanna. Der Durchgang ist wenig einladend, aber der Hof ist ein Stück Geschichte. Das Gebäude mit der Aufschrift Iskola war eine jüdische Schule, die 1944 von den Nazis aufgelöst wurde. Teil des Komplexes ist heute wieder eine Synagoge, und zwar die der etwa 3000 orthodoxen Juden der Stadt.
Zurück auf der Dob utca, zeigt der Blick nach links die Straße hinunter einige noch weitgehend unrenovierte Gebäude mit einer Reihe koscherer Geschäfte. Nach rechts, zum Klauzal ter hin, wurde schon mehr renoviert. Der Spaziergang führt nun von der Dob utca weiter nach links in die Csanyi utca. An dem großartigen Eckpalais links zur Kiraly utca (OTP-Bank) hängt eine Tafel. Sie besagt, dass der frühere Besitzer, ein Fabrikant, in diesem Gebäude über 100 Juden versteckt gehalten und dadurch gerettet hat. An dem Platz gegenüber steht die Theresienstädter Pfarrkirche von 1801. Den Turm errichtete 1871 der renommierte Architekt Miklos Ybl. Der Urnenfriedhof in der Unterkirche ist nur zwischen 17.45 und 18.30 Uhr zu besichtigen (Sonntags von 11-12 Uhr).
Wenn Sie in südlicher Richtung in die Kiraly utca gehen, sind Sie mittendrin in einem faszinierenden Sanierungsprozess. Diese Straße entwickelt sich in diesem Teil zur Designmeile der Stadt. Die schicken Läden stehen in interessantem Kontrast zu den oberen, noch nicht sanierten Häuseretagen und den diversen BAV-Läden, den traditionellen Gebrauchtwarenläden alten Stils. Ob Antik Design (Nr. 33), Goa Home (Nr. 21), Serafino (Nr. 35) oder Mazza Diffusione Design (Nr. 28): Die zahlreichen Shops sind ein ästhetischer Genuss; das gilt auch für das Hotel Domina Fiesta. Für einen Stopp empfiehlt sich das gute, nett eingerichtete italienische Restaurant Magdalena Merlo (täglich geöffnet, Kiraly utca 59 b, Tel. 322 32 78).
Hinter der Hausnummer 13, die (noch) einen traurigen Anblick bietet, verbirgt sich ein einzigartiger Stadtkomplex: der Gozsdu-Hof mit sieben Häusern und Höfen. Er wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von einem reichen Mäzen als Wohnheim für orthodoxe rumänische Studenten geschaffen. Im Zweiten Weltkrieg regierte hier der Terror: Beide Zugänge wurden gewaltsam versperrt, sodass der größte Teil der Bewohner elend verhungerte. Die Sanierung dieses Komplexes soll bald beginnen. Als Erstes soll ein Biergarten für Belebung sorgen. Wenn mit dem Umbau begonnen werden kann, wird unter dem Namen Madach Gardens ein Wohn und Geschäftsviertel entstehen.
Luftansicht der Zitadelle
Luftansicht der Zitadelle
© Citadella - Website
Biegen Sie nun von der Király utca nach links in die Rumbach-Straße ab. Nach wenigen Schritten haben Sie rechts, durch einen Torbogen, einen tollen Blick nach Buda, zur Zitadelle auf dem Hügel. Die Rumbach-Synagoge wurde 1872 von dem Wiener Architekten Otto Wagner im romanisch-maurischen Stil gebaut, ist aber leider dem Verfall preisgegeben. Etwa 18 000 Juden waren hier 1944 interniert. In den Häusern Nr. 10 und Nr. 9 lohnt ein Blick in die Höfe. Während die Nr. 10 noch auf ihre Wiedererweckung wartet, ist die Nr. 9 mit dem interessanten Laden Kellek Tár bereits wunderbar restauriert. Wenn Sie von der Rumbach-Straße rechts in die Dob utca gehen und dann nach links abbiegen, kommen Sie zum Ausgangspunkt zurück.
Ein paar Meter weiter führt der Weg durch ein Tor in die Sophie-Gips-Höfe. Medienagenturen, Galerien und Gastronomiebetriebe haben sich hier niedergelassen. Die Einheit von Wohnen, Arbeit und Kultur in einem Gebäude, wie sie in Berlin früher gepflegt wurde, lebt hier sichtbar wieder auf. Der Hinterausgang des Hofensembles führt in die Gipsstraße. Sie gehört zu den ältesten Straßen der Spandauer Vorstadt. Früher gab es in der Straße eine Gipsbrennerei, daher rührt der heutige Name. Weiter geht es links die Straße entlang bis zum Ende. Viele Gründerzeithäuser sind inzwischen renoviert worden, und auch hier lohnt sich ein Blick in die Hinterhöfe mit oft einstöckigen Remisen.
 
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