Lebensart
Leben entlang der Elbe
Dresden beeindruckt mit Baudenkmälern, mit Kunst und Kultur. Doch es ist die Elbe, die das Lebensgefühl bestimmt. In weiten Bögen windet sie sich durch die Stadt, vorbei an Schlössern, Weinbergen und Biergärten, gesäumt von breiten Wiesen, wie man sie in keiner anderen europäischen Großstadt mehr findet. 2004 nahm die Unesco das gesamte Dresdner Elbtal zwischen Söbrigen und Übigau deshalb auch in die Welterbeliste auf.
Elbe in Dresden
Die Dresdner lieben ihre Elbe, in guten wie in schlechten Zeiten. An ihren Ufern trifft man sich zu Picknick und Lagerfeuer, zu Elbhangfest und Openairkino. Eine Dampferfahrt oder eine Tour auf dem Elberadweg sind ganz besondere Erlebnisse. Dank steigender Wasserqualität wagen sich außerdem nicht nur an offiziellen Elbebadetagen immer mehr Mutige in die Fluten – und haben dabei sogar wieder Gesellschaft von Elbebiber, Fischotter und Elblachs.
Das Rekordhochwasser im August 2002 tragen die Dresdner der Elbe nicht nach. Nach der Beseitigung der Schäden überwogen Respekt vor der Macht der Natur und Stolz: auf die Elbwiesen, die die Stadt als natürlicher Überflutungsraum vor noch Schlimmerem bewahrt haben – und auf den in der Krise wieder erwachten Gemeinschaftssinn.
13. Februar
Kein Datum spielt im kollektiven Bewusstsein der Dresdner eine größere Rolle. Die Nennung der Jahreszahl ist nicht erforderlich. Jeder Dresdner kennt sie.
In der Nacht des 13. Februar 1945 und am folgenden 14. Februar, einem Aschermittwoch, zerstörten britische und amerikanische Bomberverbände die Stadt, die einmal als eine der schönsten Deutschlands galt und deren Bewohner kurz vor Kriegsende schon geglaubt hatten, noch einmal davongekommen zu sein. 35 000 Menschen starben, zurück blieb ein 15 km² großes Trümmerfeld. Die Frauenkirche stand noch anderthalb Tage, dann stürzte das ausgeglühte Bauwerk in sich zusammen.
Den Dresdnern ist dieses Datum heilig - ungeachtet irgendwelcher Vereinnahmungsversuche, von welcher Seite auch immer. Bei diesem Thema versteht man an der Elbe keinerlei Spaß. Als in London 1992 ein Denkmal für Sir Arthur Harris eingeweiht wurde, den Oberkommandierenden des Royal Air Force Bomber Command von 1942 bis 1945, genannt „Bomber Harris“, war man in Dresden „not amused“ – und ließ das die Queen bei ihrem Dresden-Besuch auch spüren.
Dankbar nahmen die Dresdner dagegen zur Kenntnis, wie sich Amerikaner und Briten – hier vor allem die Bürger von Dresdens Partnerstadt Coventry – mit Spenden am Wiederaufbau der Frauenkirche beteiligten. Das von dem Sohn eines einstigen Bomberpiloten gefertigte Turmkreuz wurde vom britischen „Dresden Trust“ gestiftet. Und auch die Queen – nicht nachtragend – gab ihren Teil dazu.
Stadt der Zukunft
Bei aller sächsischen Gemütlichkeit ist Dresden jedoch auch eine Stadt, in der Zukunftsvisionen und Erfindungsreichum Tradition haben: Das europäische Porzellan, der Kaffeefilter, der Büstenhalter und die Zahnpastatube, die Reiseschreibmaschine und der Teebeutel, die erste deutsche Dampflokomotive und die Spiegelreflexkamera sind „made in Dresden“.
Heute ist die „Stadt der Wissenschaft 2006“ einer der bedeutendsten Mikroelektronik- und Biotech-Standorte Deutschlands. Für Nachschub an qualifiziertem Personal sorgt u. a. die Technische Universität. Die Arbeitslosenquote liegt in Dresden weit unter der vergleichbarer ostdeutscher Großstädte. Anders als die meisten Kommunen im Osten der Republik leidet man auch nicht unter überproportionaler Abwanderung. Die Einwohnerzahl steht bei knapp einer halben Million und wird eher leicht steigen.
Dresden lebt von und mit seinen Gegensätzen. Wer sich Zeit nimmt für diese Stadt, sich auf ihren Rhythmus einlässt, versteht, warum die Dresdner derart glühende Lokalpatrioten sind. Offenheit und Neugier vorausgesetzt, kommt man - egal ob in der Straßenbahn oder beim Wein - schnell ins Gespräch. Neben unbezahlbaren Expertentipps gibt's dann bisweilen ganze Lebensgeschichten als Zugabe.
Sächsisch
Genug gelästert. Es wird mal wieder Zeit, eine Lanze für die Sprache der Sachsen zu brechen und Missverständnisse auszuräumen:
1. Alle Deutschen, auch die Nichtsachsen, sprechen heute mehr Sächsisch, als ihnen lieb sein dürfte. Martin Luther hatte sich bei seiner Bibelübersetzung nämlich des „Meißner Kanzleideutschs“ bedient und damit einen Wortschatz unters Volk gebracht, der sich im gesamten deutschen Sprachraum durchsetzte und eine wesentliche Grundlage für das Hochdeutsche bildete. Außerdem stellte der kluge Mann fest: "… die sächsische Sprache gehet fein leise und leicht ab." Na bitte.
2. Nicht alle Ossis sind Sachsen, nicht alle Sachsen sprechen Sächsisch, nicht alle sächselnden Sachsen tun dies auf die gleiche Weise, und die Dresdner sind natürlich überzeugt, dass ihr Sächsisch am lieblichsten klingt. Walter Ulbricht, der oft parodierte DDR-Staatsratsvorsitzende, hat seins übrigens in Leipzig gelernt.
3. Der Sachse betrachtet das eigene Idiom oft mit viel Selbstironie, hat es jedoch gar nicht gern, wenn er von Mitgliedern anderer Volksgruppen „forrgaggeierd“ wird und wenn etwa im Fernsehen Bösewichter oder Idioten häufig Sächsisch sprechen – oder das, was die Autoren dafür halten.
4. Im Erwachsenenalter Zugereiste werden das Sächsische nie wirklich beherrschen und sollten deshalb gar nicht erst versuchen sich anzubiedern. Lediglich das Wörtchen „Nu“, das so viel heißen kann wie "Na klar", "Hab ich doch gesagt" oder einfach "Ja", wird auch bei Beutesachsen geduldet.
5. "Ei forrbibbch!" (Sieh mal an!) sagt heute auch kein Sachse mehr.