Stadtgeschichte
August I., II., III. …
Wer sich mit Dresdens Kultur sowie der Geschichte Sachsens und seiner Herrscher beschäftigt, stolpert alle naselang über irgendeinen August. "August der Starke", klar, den kennt jeder. Los ging es allerdings schon 170 Jahre vor dessen Zeit mit August, Kurfürst von Sachsen (1526-86). Der gründete 1560 die Kunstkammer und legte mit seiner Privatbibliothek den Grundstein für die Sächsische Landesbibliothek.
August der Starke
Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen und als August II. zudem König von Polen, besser bekannt als "August der Starke". Man sagt ihm nach, dass er mit bloßen Händen Hufeisen verbiegen konnte und auch sonst gut bei Kräften war. Neben seinem einzigen legitimen Sohn und Nachfolger, ein Schöngeist und Kunstsammler wie sein Vater, soll er zahlreiche weitere Kinder gezeugt haben - die Zahlen schwanken zwischen 9 und 365.
Der Kurfürst galt als ausschweifend und machtbesessen, vor allem aber machte er - ein Mann von Bildung und Kultur - aus Dresden eine Residenz von europäischem Format, begründete ihren Ruf als Kunst- und Kulturstadt. Nur allzu verständlich ist deshalb der Wunsch, der Glanz des „sächsischen Sonnenkönigs“ möge auch die Gegenwart erhellen. So tragen heute Ausflugsschiffe, Wohnparks und gar eine Fliegerschule den Namen Augusts des Starken.
Sein Sohn Friedrich August II. (1696-1763) war ebenfalls Kurfürst von Sachsen und als August III. König von Polen. Die beiden machten sich um Kunst und Kultur derart verdient, dass man gleich ein ganzes Zeitalter nach ihnen benannte: das Augusteische, 1694 bis 1763, vom Amtsantritt des Vaters bis zum Tod des Sohnes. Der Vater hatte mit der Gräfin Cosel eine berühmte Mätresse, der Sohn mit dem Grafen Brühl einen ebenso berühmten Günstling.
Dann wird es weniger spektakulär, doch es folgen noch drei weitere Auguste: Friedrich August III. (der Gerechte, 1750-1827), Kurfürst von Sachsen und ab 1806 König Friedrich August I. von Sachsen. Außerdem König Friedrich August II. (1797 bis 1854) und König Friedrich August III. (1865-1932), der letzte König von Sachsen.
Canaletto: "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke"
Kunst- und Kulturstadt Dresden
Die musikalische Tradition hat ihre Ursprünge lange vor Augusts Zeit. Der Kreuzchor existiert seit dem 13. Jahrhundert, die Staatskapelle seit 1548. In der Dresdner Operngeschichte finden sich Namen wie Carl Maria von Weber, Richard Wagner und Richard Strauss.
1748 schuf der venezianische Maler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, mit seinem Panorama "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke" eine der berühmtesten Dresden-Ansichten überhaupt. In natura gibt es den "Canalettoblick" vom Garten des Hotels Bellevue, in Öl auf Leinwand in der Gemäldegalerie Alte Meister.
Deren Bilder, wie auch die meisten anderen Schätze der Dresdner Museen, überstanden die Kriegswirren und kehrten nach Auslagerung sowie Beschlagnahme durch die Rote Armee ab Mitte der 1950er-Jahre an die Elbe zurück. Dass die zwölf Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden heute zu den bedeutendsten der Welt zählen, ist zuallererst dem Kunstsinn und der Repräsentationssucht der einstigen sächsischen Herrscher zu verdanken.
Zerstörung und Wiederaufbau
Die größte Katastrophe seiner Geschichte erlebte Dresden, als britische und amerikanische Bomber in der Nacht des 13. Februar 1945 und am Mittag des darauffolgenden Tages, eines Aschermittwochs, ihre todbringende Last über der Stadt ausklinkten. In einem gewaltigen Feuersturm wurde nahezu die gesamte Innenstadt zerstört, 35 000 Menschen starben.
Frauenkirche Dresden
© Amorena / pixelio.de
Keiner hätte damals geglaubt, dass aus dem Trümmerfeld jemals wieder ein Ort erstehen könnte, der den Beinamen „Elbflorenz“ verdiente. Doch die Dresdner gaben ihre Stadt nicht auf. Schon am 10. Juli 1945 öffnete das „Interimstheater Dresdner Bühnen“ in der Glacisstraße seine Pforten, mit Erich Ponto als „Nathan der Weise“.
Der im August 1945 begonnene Wiederaufbau des für die Identität der Stadt so wichtigen Zwingers dauerte 20 Jahre. Die ebenfalls zerstörte Semperoper wurde nach achtjähriger Bauzeit am 13. Februar 1985 wieder eröffnet. Die erstaunlichste Wiedergeburt aber erlebte die Frauenkirche. Ihre Ruine war in den 1980er-Jahren als Mahnmal gegen den Krieg zum Symbol der Friedensbewegung geworden, weshalb längst nicht alle Dresdner den Wiederaufbau begrüßten. Während der elfjährigen Bauzeit entwickelte sich die Frauenkirche jedoch nicht nur zum Sinnbild ostdeutschen Aufbauwillens und Dresdner Bürgerstolzes, sondern durch das Zusammenwirken von Menschen aus der ganzen Welt zu einem eindrucksvollen Zeichen der Versöhnung. Im Oktober 2005 erfolgte die feierliche Weihe des wiedererstandenen Gotteshauses.
Dresden nach der Wende
Mit der politischen Wende erlebte die Stadt einen weiteren Neuanfang. Am 8. Oktober 1989 hatten Dresdner Bürger in friedlichem Protest den DDR-weit ersten Dialog mit der Staatsmacht ertrotzt, der schließlich das Ende eines ganzen Systems einläutete.