Ein Wahrzeichen für Hamburg
Die Baustelle der Elbphilharmonie als Touristenattraktion
Von Frauke Ladleif
So soll Hamburgs neues Wahrzeichen aussehen / © Herzog & de Meuron
Sie gehört zu den architektonischen Meisterleistungen der Stadt. Die Elbphilharmonie in Hamburg wird das, was für Sydney das Opera House und für Paris der Eiffelturm ist: ein Wahrzeichen, das das Bild der Hansestadt verändern, sogar dominieren soll.
Mitten im Strom der Elbe, gegenüber den Landungsbrücken, entsteht auf einem alten Kakaospeicher ein regelrechter Palast der Musik. Nun können Besucher jeden Sonntag die Baustelle besichtigen.
Keine gewöhnliche Führung
Der weiße Bauarbeiterhelm sitzt noch wackelig auf dem Kopf, die gelben Gummistiefel hängen schwer an den Füßen. Die Gruppe am Infopavillon der Elbphilharmonie in der HafenCity merkt schnell: das wird keine gewöhnliche Führung.
Gummistiefel und Helme sind Pflicht
Nur zwanzig Personen dürfen teilnehmen, bereits eine halbe Stunde vor Beginn bildet sich eine Schlange vor der Anmeldung. Das Interesse an dem Rundgang ist groß. Seit Wochen pilgern Besuchergruppen Sonntag für Sonntag über den Rohbau, schließlich ist die Elbphilharmonie nicht nur architektonisch, sondern auch politisch von höchster Brisanz.
Seit dem ersten Spatenstich im April 2007 kam es immer wieder zu Verzögerungen im Bauplan und zu dramatisch gestiegenen Baukosten. Die ursprünglich von der Stadt veranschlagten öffentlichen Ausgaben in Höhe von 114 Millionen Euro haben sich mittlerweile fast verdreifacht. Deswegen zieht es neben Touristen auch viele Hamburger auf die Baustelle.
Die Fassade des alten Kaispeichers
Außen alt, innen neu
Um 11, 13 und 15 Uhr starten die kostenlosen Führungen. 90 Minuten sollten die Teilnehmer für die Tour einplanen. Der Große Konzertsaal, das Herz der Elbphilharmonie, kann bereits jetzt in Miniatur am Infopavillon auf den Magellan-Terrassen bestaunt werden. Von hier geht es auch los zur Westspitze der HafenCity.
An dieser markanten Stelle hat früher der Kaiserspeicher gestanden. Als erster Speicher im Hamburger Hafen wurde er 1875 erbaut und schon damals erreichte er den Status eines Wahrzeichens. Jedes Schiff, das hier in den Hafen einlief, passierte das rote Backsteingebäude. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört, doch sein Nachfolger erreichte ähnliche Prominenz. Auch der neue Kaispeicher A dominierte bald das Gesicht der alten Speicherstadt.
Eben dieses Bauwerk dient heute als Sockel für die Elbphilharmonie. Es wurde komplett entkernt und neu aufgebaut. Nur noch die Fassade erinnert an die alte Funktion als Lagerhalle - und der leichte Geruch von Kakaoölen, der sich über die Jahre im Mauerwerk festgesetzt hat.
Im Inneren der Baustelle
Im Innern des Gebäudes verbinden sich nun glatte Betonwände mit der schroffen Außenwand aus Backstein. Durch unzählige Gänge und Hallen werden die Baustellenbesucher über Schutt und Staub von einem Stockwerk ins nächste geführt. Bald haben sie die Orientierung verloren. Der Lärm des Industriehafens rauscht überall gleich wie ein Echo durch das Innere. Sehen, Hören, Riechen, Tasten – die Führung über die Baustelle wird ein Erlebnis für fast jeden Sinn.
Das Werk von Stararchitekten
Der Speicher selbst dient später nicht nur als Parkhaus. Er ist vielmehr der kleine Bruder dessen, was momentan auf seinem Dach gebaut wird. Räumlichkeiten für Gastronomie, Büroflächen, ein kleiner Konzertsaal für avantgardistische Musik und ein musikpädagogischer Bereich für Kinder und Jugendliche mit angeschlossenem Musikmuseum finden im Speicher Platz.
Doch das Highlight des ersten Drittels der Elbphilharmonie ist die 80 Meter lange Rolltreppe. Sie soll später wie auf einem fliegenden Teppich die Besucher von der großen Eingangshalle bis zur Plaza transportieren.
Aussicht über die Hafencity
Die Plaza ist die große Aussichtsplattform, auf die später jeder Besucher, ob mit Ticket oder ohne, Zutritt hat. Ein Rundgang ermöglicht die Sicht in alle vier Himmelsrichtungen: ob HafenCity, Innenstadt, Industriehafen oder die Elbe hinunter. Ab hier oben beginnt nun das Herz der Philharmonie, der Große Konzertsaal. 16000 Quadratmeter Fassade aus gebogenem Glas werden ihn bis in den 26. Stock umschließen.
Einen ganz neuen Typus hätten sie geschaffen, sagen die Architekten Herzog & de Meuron, die auch die Allianzarena in München und das Olympiastadion in Peking entworfen haben.
Orchester und Dirigent befinden sich in der Mitte des Raumes. Die Zuschauerränge winden sich wie an einem Weinberg um das Orchester herum und verlaufen ineinander.
Bisher können Besucher das zukünftige Meisterwerk nur erahnen
Drei Hüllen umgeben den Saal, wobei die Innere entkoppelt vom Gebäude an Stahlfedern hängen soll und mit ihr das Orchester und die 2150 Zuschauer. Dadurch wird einerseits die Vibration der Musik nicht an das Haus weitergegeben, denn auch zahlreiche Luxuswohnungen und ein Hotel werden sich hinter der Glasfassade verbergen, andererseits stören so die Geräusche des Hafens auch nicht das Konzert.
Ursprünglich war geplant, dass die Elbphilharmonie im Mai 2012 ihre Pforten öffnen sollte, doch dieser Termin wurde schließlich mehrfach verschoben. Das neue planmäßige Eröffnungsdatum liegt zur Zeit im November 2013.
Der Große Konzertsaal wird das Herz der Philharmonie / © Herzog & de Meuron
© Fotos: Frauke Ladleif, Hamburg