Orientalisches Dampfbad in Hamburg
Das Hamam ist eine Ruheoase mitten in der Stadt
Entspannung auf warmem Marmor unter einer Himmelskuppel
Haben Sie schon mal davon geträumt, auf heißem Marmor gebettet, umgeben von warmen Wasser, mit wohligem Schaum übergossen zu werden? Wie oft wollten Sie schon mal dem stressigen Alltag entfliehen und für einige Stunden einfach nur pure Entspannung erleben?
Wenn Sie beide Fragen mit "Ja" und "Viel zu oft" beantworten können, dann sollten Sie schleunigst in den hohen Norden pilgern. Denn ausgerechnet in Hamburg, bekannt für schlechtes Wetter und kühle Zeitgenossen, hat sich eine Badekultur etabliert, die sonst nur im arabischen Raum weit verbreitet ist: das Dampfbad -oder auch: Hamam!
Ruheoase mitten in der Stadt
Ganz unscheinbar steht das flache Gebäude an der Hamburger Feldstraße, fast verschluckt von dem gegenüberliegenden riesigen Bunker. Autos rasen lärmend vorbei, die Hektik der Stadt ist an diesem Verkehrsknotenpunkt gut zu spüren.
Unscheinbarer Eingang zum Hamam
Doch beim Betreten des unauffälligen Hauses merkt man gleich, dass hier andere Gesetze herrschen als die Zeit. Die Tür geht zu, der Lärm der Straße ist fort und mit den Kleidern werden auch die Sorgen des Alltags abgelegt.
Reines Wasser als Erholungskur
Ob auf Geschäftsreise, als Tourist oder Anwohner, wer einmal fernab von Reeperbahn, Mönckebergstraße oder Alster zur Ruhe kommen möchte, ist hier genau richtig.
Nur mit einer Badehose bedeckt und einem leichten Tuch um den Körper gewickelt, betritt man den wohligwarmen Raum. Die Wände und Böden sind mit purem Marmor überzogen, nass und feucht von einer Schicht dampfenden Wassers.
Das dämmerige Licht erzeugt eine intime Atmosphäre. Das einzige Geräusch ist das Plätschern des Wassers, das aus Hähnen in marmorne Becken und über den Boden fließt. Wie einst die alten Osmanen, die das Dampfbad von den Griechen und Römern übernommen haben, übergießt man sich aus kupfernen Schalen mit der wohltuenden Flüssigkeit, der Beginn des traditionellen Reinigungsrituals.
Entspannung unter einem Schaumberg
Massage auf heißem Marmor
Doch was früher als soziale Begegnungsstätte diente, in dem man gemeinsam aß und trank, die letzten Neuigkeiten lebhaft austauschte und ganz nebenbei von seinem Körper allen Schmutz und jedes Haar entfernte, so gilt das Hamam in Hamburg als Ort der Entspannung.
Das Podest aus Marmor bildet in der Mitte des Raumes unter einer Himmelskuppel die Ruhezone. Hier durchdringt die auf 42 °C geregelte Wärme des Bodens den ganzen Körper. Wer möchte, kann sich nun peelen und massieren lassen, auf einen ebenfalls aus Marmor gemeißelten Massagetisch. Das besondere an der Behandlung ist der Schaum, mit dem man übergossen wird.
Gebettet auf tausend und einem Kissen
Doch ohne dass man nach der Behandlung wieder jäh in die Realität entlassen wird, öffnet sich zunächst ein mit Kissen, Polstern und Liegen ausgestatteter Ruheraum.
Ruheraum im Hamam
Dies ist quasi der zweite Teil des Hamambesuchs. Türkische Tees werden serviert und wer noch möchte, kann Obst, süße Blätterteigspeisen oder warme Mahlzeiten essen. Oder einfach nur in Ruhe lesen oder dösen.
Nicht ganz billig aber begehrt
Der Charme dieses kleinen Hamams lebt von der familiären Atmosphäre. Vor fünf Jahren öffnete das türkische Ehepaar Costur das erste Mal die Tore seines Dampfbades und seitdem hat sich die erholsame Wirkung des Hamams in ganz Hamburg herumgesprochen.
Aufgrund der hohen Nachfrage baute das Familienunternehmen ein zweites, größeres Bad an der Seewartenstraße in St. Pauli. Hier können bis zu 30 oder 40 Personen gleichzeitig behandelt werden, sodass auch größere Gruppen das Angebot nutzen. Trotz der Erweiterung sollte man ein paar Tage im Voraus planen, um einen Termin zu bekommen.
Auch ist der Besuch nicht ganz billig. Für einen dreistündigen Aufenthalt beginnen die Preise je nach Behandlungsvariante bei 39 Euro und enden bei 180 Euro für einen ganzen Tag.
Jedoch lohnt sich der Ausflug ins Hamam allemal. Denn hinterher kann man jedem stressigen Vorhaben, ob Messe, Einkauf oder Geschäftsverhandlung, entspannt die Stirn bieten.
Autorin: Frauke Ladleif, Hamburg