Lebensart in Hamburg
An der Außenalster
© Bernd Sterzl / pixelio.de
Hamburg macht Sehnsucht
Hamburg bietet wenig Superlative, und die sind auch noch wenig Aufsehen erregend: die zweitgrößte Stadt der Republik, der zweitgrößte Friedhof der Welt. Die Stadt der Brücken (genau 2496) und der Millionäre (deren Zahl nicht mal die Finanzbehörde kennt). Aber das alles ist es nicht. Was Hamburg wirklich ausmacht, ist ein bestimmtes Lebensgefühl.
Mancher spürt es sofort, mancher nie, diese Mischung aus Fernweh und Patriotismus. Hamburg macht Sehnsucht - einerseits. Wen es nicht packt, wenn bei Nebel am Hafen die Schiffe tuten, der wird es nie begreifen. Andererseits: Hamburg macht sesshaft. Man winkt den Schiffen hinterher - und bleibt. "Tor zur Welt" nennt sich die Hansestadt stolz. Doch auf dem Stadtwappen bleibt das Tor fest verschlossen.
Stur ist der Hamburger von Natur. Und obendrein "plietsch", das ist Plattdeutsch: Ein "plietscher Jung" ist einer, der weiß, wo's lang geht - ein schlaues Kerlchen also. Noch immer haben es die Hanseaten verstanden, aus ihrer Lage das Beste zu machen. Dazu gehört, dass man sich nach Möglichkeit arrangiert. Nicht nur mit dem Wetter. So hat es die Stadt tausend Jahre lang geschafft, sich aus militärischen Konflikten herauszuhalten.
Hamburg ist aber auch bescheiden. Geprotzt wird nicht - oder eher selten. Man legt allenfalls Wert auf die Adresse. Besonders natürlich da, wo man eine hat, zum Beispiel rund um die Alster.
Hamburg ist leise
Wer hupt, kommt aus der Provinz. Wer Küsschen links und rechts gibt, ist vermutlich "beim Fähnsehn". Dem Hamburger reicht zur Begrüßung ein frisches "Moin!". Nur im Ausland sagt der Hamburger "Moin Moin". Das allerdings beginnt schon hinter den Harburger Bergen. Begeisterung zeigt der Hamburger still, Überwältigung nie.
Hamburg ist tolerant
Man hat Dänen, Franzosen, Engländer, Holländer, Japaner und Österreicher kommen sehen. Und wieder gehen. Wenn sie partout dableiben wollten, war es auch recht. "Quiddjes", also Zugereiste, sind an der Elbe willkommen, sofern sie etwas Geld mitbringen, wofür man ihnen früher an der Stadtgrenze eine Quittung, das "Quiddje", ausgestellt hat. "An der Alster, an der Elbe, an der Bill", heißt es im Volksmund, "kann ein jeder machen, was er will." Schwule Ehe? Mit kirchlichem Segen. Homosexuelle Politiker? Kein Thema. Allein Erziehend? Ist hier praktisch jeder - ein Viertel aller Hamburger (jeder zweite Haushalt) lebt solo.
Sommer am Elbstrand
© Hamburg Tourismus GmbH
Im Sommer am Elbufer abhängen
Ein lauer Sommerabend - und wo sind dann die Hamburger? Natürlich am Elbufer, irgendwo zwischen Wittenberge und den Beach-Clubs an der Großen Elbstraße - am besten mit rauchendem Grill und einem Kasten Astra. Wichtigster Szenetreffpunkt ist seit Jahrzehnten die Strandperle bei Övelgönne, eine kleine Bierbude am Strand. Bei starkem Hochwasser läuft sie gerne voll. Zum Glück gibt es das im Sommer eher selten (an der Treppe Himmelsleiter, April-Oktober).
Pfeffersäcke
Das ist der Sammelbegriff für den Typ des knickerigen Hamburger Kaufmanns: reich, hartherzig, ohne Verstand für alles, was nicht mit Geld zu tun hat. Heinrich Heine, dessen Onkel Salomon ein echter Pfeffersack war, bescheinigte ihm "die ganze Anmut einer Preisliste, die Liebenswürdigkeit einer Rechnung, ja, die Artigkeit eines Frachtbriefes". Das hinderte ihn aber nicht daran, Salomon Heines Schecks anzunehmen.