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Stadtgeschichte

Fahne mit dem Wappen der Hansestadt
Fahne mit dem Wappen der Hansestadt
© Bernd Sterzl / pixelio.de
Über Hamburg ist im Laufe seiner Geschichte schon viel Unsinn verbreitet worden. Glauben Sie nichts davon, es ist alles nicht wahr. Es stimmt zum Beispiel nicht, dass Hamburg am Meer liegt. Bis zur Nordsee fehlen noch mehr als 100 km. Es stimmt auch nicht, dass es in Hamburg ohne Unterlass regnet. In München fällt sogar mehr Wasser pro Quadratmeter und Jahr vom Himmel als hier. Und es stimmt nicht, dass in Hamburg ausschließlich "Fischköppe" leben. Gehen Sie über den Eppendorfer Isemarkt oder im Sommer an den Elbstrand bei Övelgönne - Sie werden Ihr blaues Wunder erleben.

Verdrängte Vergangenheit

Spricht man eingefleischte Hansestädter auf die Vergangenheit an, dann winden sie sich meist. Ein schwaches Gedächtnis hilft, unbekümmert in die Zukunft blicken zu können. Immer nach vorn: "Zurück darf kein Seemann schau'n", verkündete ja schon Hans Albers. So hat es der Hamburger gern. Verschütteter Milch weint er keine Träne nach. Man kann ihn herzlos nennen, arrogant, sogar selbstverliebt, aber eines ganz bestimmt nicht, nämlich faul.
Die Krameramtsstuben gehören zu den letzten erhaltenen Vorkriegsbauten
Die Krameramtsstuben gehören zu den letzten erhaltenen Vorkriegsbauten
© Cekora / pixelio.de
Immer wieder hat sich die Stadt aufgerappelt. Nach einem Großfeuer im Mai 1842 musste praktisch die gesamte Innenstadt neu aufgebaut werden - die Hamburger haben es ohne Zögern angepackt. Wie hundert Jahre später nach dem Zweiten Weltkrieg, als fünfzig Prozent aller Wohnungen und achtzig Prozent der Hafenanlagen in Schutt und Asche lagen. Da saßen die Überlebenden wieder in den Trümmern und machten sich mit dem Heimkehrer Wolfgang Borchert Mut: "Hamburg! Das ist mehr als ein Haufen Steine, Dächer, Fenster, Betten..."

Gelungenes Gesamtkunstwerk

Aber was? Es kann nicht das Rathaus sein, obwohl es zweifellos ein besonders großes Rathaus ist. Es kann nicht der Michel sein, denn der ist zwar eine schöne barocke Kirche, aber nicht die einzige der Welt. Es kann nicht die Kunsthalle sein und nicht der Flughafen, nicht der Fischmarkt und nicht der Jungfernstieg - also alles das nicht, was Hamburger ihren Gästen so zeigen. Hamburg ist mehr als die Summe seiner Teile, Hamburg ist ein Gesamtkunstwerk. Eines, das entstanden ist, weil man gar kein Kunstwerk vor Augen gehabt hat, sondern einen Ort, wo man einfach nur anständig leben kann.

Zahlen und Fakten

In Zahlen (inklusive der Elbinseln Neuwerk und Scharhörn): 1,74 Millionen Einwohner, verteilt auf 104 Stadtteile. 55 km² Naturschutzgebiet, 61 km² Wasserfläche. Renommierte Bühnen wie das Deutsche Schauspielhaus sind hier zu Hause, die Hamburgische Staatsoper, das Thalia-Theater, außerdem zwölf Hochschulen, darunter fünf Universitäten, fünfzig Museen, der HSV, der FC St. Pauli, das Tennisturnier am Rothenbaum, das Deutsche Derby in Hamburg-Horn. Das alles gibt es hier, und der Hamburger ist stolz darauf. Aber wenn er ehrlich ist, würde er selbst dann hier ausharren, wenn es das alles nicht gäbe.
© Verlagshaus Gruner+Jahr
© Verlagshaus Gruner+Jahr

Medienhauptstadt

Bis zum Mauerfall nannte Hamburg sich zu Recht deutsche Medienhauptstadt. Verlage wie Gruner+Jahr, Springer, Bauer und Jahreszeiten haben zwar noch ihren Hauptsitz an der Elbe, auch die Buchverlage Hoffmann & Campe sowie Rowohlt im Vorort Reinbek. Der NDR produziert Tagesschau und Tagesthemen. Im privaten Studio Hamburg entstehen Serien. Ein Dutzend der wichtigsten Werbeagenturen betrachtet Hamburg noch als kreatives Standbein. Aber der Sog nach Berlin ist immer noch zu spüren.

Auswanderer

Das größte Geschäft machten Hamburger Reeder zwischen 1850 und 1934 mit den Menschen, die Europa bettelarm den Rücken kehrten. 5 Millionen wanderten über Hamburg aus. Die Hamburg-Amerikanische Paketfahrt-Aktiengesellschaft, HAPAG, stieg damals zur größten Schifffahrtsgesellschaft auf. Der Wahlspruch des Direktors Albert Ballin war das Letzte, was die Emigranten in der Abfertigungshalle auf der Veddel zu sehen bekamen: "Mein Feld ist die Welt." 80 Prozent gingen in die USA, der Rest nach Südamerika, Kanada, Afrika oder Australien. Wenn die Sponsorengelder wie geplant fließen, öffnet 2007 mit der Ballinstadt auf der Veddel ein Auswanderermuseum. Info: www.ballinstadt.de; www.ltyr.hamburg.de
Zum Hafengeburtstag ist immer viel los
Zum Hafengeburtstag ist immer viel los
© Cekora / pixelio.de

Hafengeburtstag

Alle Jahre wieder wird er am 7. Mai bzw. dem nächstgelegenen Wochenende gefeiert. An diesem Tag im Jahre 1189 soll Kaiser Barbarossa dem Grafen Adolph von Schauenburg ein Privileg verliehen haben. Zollfrei durften die Hamburger fortan alle Waren auf der Unterelbe befördern. Ein Vertrag, der bestenfalls per Handschlag besiegelt wurde. Barbarossa war längst auf dem Kreuzzug nach Palästina. Er kam nicht mehr zurück. Das später aufgesetzte Dokument ist eine Fälschung.

Dauerhafte Demokratie

Hamburg ist demokratisch. Eh und je gewesen, und zwar oben wie unten. Bis heute verbietet es das Protokoll dem Hamburger Stadtoberhaupt, Gästen auf der Rathaustreppe entgegenzukommen. Als Wilhelm II. seinerzeit anreiste, redete ihn der damalige Bürgermeister keinesfalls mit "Majestät" an, sondern mit "erhabener Bundesgenosse". Später ging er zum Terminus "Kollege" über. Eine Ausnahme machte Bürgermeister Max Brauer für Queen Elizabeth II., aber nur, weil es sich um eine Dame handelte. So etwas färbt ab, bis in die breitesten Schichten. Eine Schickeria Münchner Zuschnitts hat sich in Hamburg nicht entwickelt. Es gibt ein paar wechselnde Treffs der Schönen und Prominenten, aber auch die werden meist nach wenigen Monaten vom "Volk" aus den Vorstädten erobert.

Politik

Regiert wurde die Stadt jahrzehntelang von der SPD - bis 2001. Dann gewann der CDU-Kandidat Ole von Beust die Wahl, musste aber mit der FDP und der Schill-Partei eine Koalition eingehen. Dass ausgerechnet die feinen Hanseaten den Krawallmacher Ronald Schill zum Innensenator machten, daran will man sich am liebsten nicht mehr erinnern. Alle waren von Beust dankbar, als er dem Spuk im Herbst 2003 ein Ende bereitete und Schill feuerte. Seit 2004 regiert von Beust nun allein. Und er macht das gar nicht mal so schlecht, finden die Hamburger. Das Senatsprojekt "wachsende Stadt" scheint zu funktionieren. Zum ersten Mal seit Jahren steigt die Einwohnerzahl wieder an. Und so wird hier im Vergleich zu anderen Städten wenig gemeckert. Zumindest so lange die Kasse stimmt. Unruhe passt den Hamburgern nicht. Konservativ ist der Kaufmann, konservativ der Punk. Hände weg von der Speicherstadt! Hände weg vom Schanzenviertel! Und auch in Sasel oder Nienstedten liebt man hinter dichten Rhododendren vor allem das Beständige.
 
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