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Durchbruch am Bosporus

In Istanbul entsteht ein Tunnel der Superlative

Mit dem Marmaray-Tunnel entsteht die erste Eisenbahnverbindung zwischen den Kontinenten Asien und Europa. In Istanbul entsteht dieses Jahrtausendbauwerk als Rettung vor dem Verkehrsinfarkt. Das technische Meisterwerk soll in 60 Metern Tiefe am Grund des Bosporus umgesetzt werden, obwohl Istanbul immer wieder von Erdbeben bedroht ist.

Schwierigkeiten beim Bau

Die Planer des Marmaray-Tunnels haben sich dafür entschieden, den Tunnel nicht zu bohren, sondern die Röhren für die Eisenbahngleise von oben herab auf dem Meeresboden zu verlegen. Mit gewaltigen Kränen werden sie im Bosporus abgesenkt. Elf Röhrenelemente gibt es, jedes 30 000 Tonnen schwer. Die Betonkolosse werden in einer Tiefe verlegt, die keine Sicht zulässt. Das Ausrichten erfolgt nur durch akustische Hilfsmittel. Immer wieder sind die Bauarbeiten durch den Schiffsverkehr gefährdet. Ende 2006 kollidierte ein russischer Tanker mit einem der schwimmenden Bagger.

Der Tunnel soll die Bosporus-Brücken entlasten
Der Unterwasser-Tunnel soll die Bosporus-Brücken entlasten

Besondere Herausforderungen

Merkwürdige Strömungen verwirren seit Jahrtausenden die Kapitäne im Bosporus. In den oberen Wasserschichten fließt das Wasser von Nord nach Süd und in der Tiefe von Süd nach Nord. Bis heute führt die extrem starke Strömung zu zahlreichen Schiffsunfällen und stellt nun die Tunnel-Ingenieure vor ungeahnte Herausforderungen. So musste von japanischen Technikern eigens ein System zur Strömungsvorhersage entwickelt werden.

Archäologische Entdeckungen

Der Tunnelbau führt aber auch zurück in die geschichtsträchtige Vergangenheit Istanbuls, ehemals Byzanz und Konstantinopel. Ein ganzer Stadtteil wurde abgerissen, um den unterirdischen Bahnhof zu bauen, von dem aus der Tunnel befahren werden soll. Seit mehr als einem Jahr graben mehrere Dutzend Archäologen und Hunderte von Arbeitern an einem fast einen Kilometer langen Loch - eine der größten archäologischen Ausgrabungen der Türkei. Dort wurde ein versunkener Hafen aus dem 4. Jahrhundert gefunden. Und die Wissenschaftler graben sich immer weiter in den Erdboden.

Gefahr durch Erdbeben

Die größte Herausforderung für den Tunnelbau ist die ständige Bedrohung durch Erdbeben, und die Gefahr wächst. Nur 15 Kilometer entfernt verläuft die Nordanatolische Falte, dort trifft die Afrikanische Kontinentalplatte auf die Anatolische. Das führt zu mehr als 10.000 Erdbeben im Jahr - die meisten davon kaum wahrnehmbar. Doch seit Jahren prophezeien Experten für Istanbul ein Mega-Beben, stärker als das im August 1999, als Izmit 200 Kilometer östlich von Istanbul zerstört wurde. Die Frage ist nun: Wie gut ist der Unterwasser-Tunnel vor einer solchen Katastrophe geschützt?

Quelle: Presseportal, www.presseportal.de
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