Konstantinopel wurde im Jahr 324 vom römischen Kaiser Konstantin zunächst als "Neues Rom" auf dem Gebiet des bereits seit fast 1000 Jahren existierenden Byzanz gegründet. Kurz vor seinem Tod ließ sich der Kaiser taufen und machte das Christentum damit erstmals zur Staatsreligion. Neben dem Gründer Konstantin prägten vor allem Kaiser Justinian (527-65) und seine Frau Theodora das Gesicht Konstantinopels. Justinian ließ die Hagia Sophia als größte Kirche der Christenheit bauen, und während sich in Westeuropa das finstere Mittelalter ausbreitete, waren in Konstantinopel die berühmtesten Geister aus Kunst und Kultur versammelt.
Es ist ein einmaliges und unvergessliches Schauspiel: am frühen Abend, auf einer Dachterrasse über dem Bosporus, einen guten Kaffee auf dem Tisch, langsam die Sonne im Goldenen Horn versinken zu sehen. Wenn das Wasser, wie der Name behauptet, einen goldenen Schimmer bekommt, die Silhouetten der Hagia Sophia, der Blauen Moschee und des alten Sultanpalastes in der Dämmerung verschwimmen und sich aus dem Marmarameer ein Ozeandampfer in den Bosporus schiebt. Jede große, jede berühmte Stadt zeichnet sich durch eine unverwechselbare Erinnerung aus: In İstanbul ist es der Sonnenuntergang vor einer einmaligen geografischen und historischen Kulisse.
"Deniz", das Meer, prägt İstanbul in jeder Hinsicht: Seine manchmal mehrmals täglich wechselnden Winde kennen am besten die Fischer. Mit den Strömungen ziehen abwechselnd die Seebarsch- oder die Sardinenschwärme durch die Meerenge. İstanbuler lieben den "poyraz" aus dem Nordosten und hassen den "lodos" aus dem Süden - bei "poyraz" wird es zwar etwas kühl, aber die Luft wird so rein, dass jedes Detail am gegenüberliegenden Ufer sichtbar wird. Bei "lodos" hingegen strömen schlagartig Wärme, Regen, Nebel und Smog herbei.