Stadtgeschichte
Konstantinopel
Konstantinopel
Konstantinopel wurde im Jahr 324 vom römischen Kaiser Konstantin zunächst als "Neues Rom" auf dem Gebiet des bereits seit fast 1000 Jahren existierenden Byzanz gegründet. Kurz vor seinem Tod ließ sich der Kaiser taufen und machte das Christentum damit erstmals zur Staatsreligion. Neben dem Gründer Konstantin prägten vor allem Kaiser Justinian (527-65) und seine Frau Theodora das Gesicht Konstantinopels. Justinian ließ die Hagia Sophia als größte Kirche der Christenheit bauen, und während sich in Westeuropa das finstere Mittelalter ausbreitete, waren in Konstantinopel die berühmtesten Geister aus Kunst und Kultur versammelt.
Der Niedergang des Byzantinischen Reiches begann 1071, als es eine entscheidende Schlacht gegen die türkischen Seldschuken ungefähr an der heutigen türkisch-armenischen Grenze verlor. Der schleichende Machtverlust hatte sein Finale dann 400 Jahre später, als die Osmanen dem ohnehin sehr geschwächten Oströmischen Reich den Todesstoß versetzten und aus Konstantinopel İstanbul wurde.
Bosporus bei Arnavutkoy
Bosporus
1680 machte der Italiener Ferdinando Marsigli eine wichtige Entdeckung, als er von einem Schiff eine mit weißen Korkstücken markierte Lotleine ins Wasser ließ: Die Strömung drückte die Leine zunächst westwärts. Am unteren Ende der Leine konnte er aber deutlich erkennen, dass die Korkstücke genau in die entgegengesetzte Richtung trieben. Damit war nachgewiesen, dass der Bosporus an der Oberfläche Wasser vom Schwarzen Meer Richtung Mittelmeer führt, in der Tiefe aber eine Strömung Wasser in die Gegenrichtung drückt.
Nicht nur für İstanbuler, sondern für alle Bewohner rund ums Schwarze Meer ist der Bosporus das Tor zur Welt. Schon die Griechen gründeten hier 667 v. Chr. die Siedlung Byzanz, um den Schiffsverkehr zu kontrollieren und Zölle zu erheben. Immer wieder wurde die Kontrolle des Bosporus in den folgenden 2500 Jahren Gegenstand auch kriegerischer Auseinandersetzungen. Erst seit 1936 regelt das Abkommen von Montreux die Durchfahrt durch die 31 km lange Wasserstraße. Seit Jahren wächst die Befürchtung, ein Tankerunfall könnte die gesamten Ufer İstanbuls verseuchen. Seit 2003 sorgt ein hochmodernes Radarüberwachungssystem für eine größere Sicherheit am Bosporus.
Multikulti
Seit Ende der 80er-Jahre wird das reiche multikulturelle Erbe İstanbuls in Büchern, Filmen, Ausstellungen und Konferenzen gefeiert. Zu den prägenden Gruppen gehören die Nachfahren der 1492 aus Spanien vertriebenen Juden, die ihre Identität bis heute bewahrt haben. Im Gegensatz zu anderen Minderheiten konnten sie sich stets ungestört entfalten. Heute kommen einige bekannte Industrielle aus der jüdischen Gemeinde, die in den türkisch- israelischen Beziehungen eine wichtige Rolle spielen.
Das negative Gegenbeispiel zu den Juden bietet die christlich-armenische Minderheit. Zu Beginn des 20. Jhs. wurden Hunderttausende getötet oder vertrieben; heute leben noch rund 100 000 Armenier überwiegend in İstanbul. Nach langer Depression hat sich ihr Leben in den letzten Jahren wieder normalisiert. Aufmerksame Besucher können armenische Zeitungen entdecken oder armenische Kirchen besuchen.
Trotz der Auswanderungswellen in den 20er- und 60er-Jahren lebt die griechische Kultur - einst prägte sie ganze Stadtteile wie Beyoğlu oder Fener - wieder auf. Und auch die politischen Beziehungen der Nachbarländer haben sich im Zug der türkischen EU-Annäherung stark verbessert.