Obelisk im Hippodrom
© Adam Carr
Was das Kolosseum für Rom, war das Hippodrom für Byzanz - der Ort, an dem das Volk durch Spiele und Wagenrennen bei Laune gehalten und, wenn das misslang, auch mal niedergemetzelt wurde. Die Arena soll rund 100 000 Menschen Platz geboten haben. Die prächtige Kaiserloge schloss sich gleich an den Großen Palast an, dessen Anlage sich von hier bis hinunter zum Marmarameer erstreckte. Von den hoch aufragenden Rängen des Hippodroms ist heute fast nichts mehr übrig außer den Säulen, die Konstantin auf die so genannte spina, das lange Podest in der Mitte der Rennbahn, stellen ließ.
Die älteste ist der 1900 v. Chr. erbaute ägyptische Obelisk, der von Luxor nach Byzanz gebracht wurde. Die benachbarte Schlangensäule soll aus Delphi stammen, nur von der letzten, der Bronzenen Säule, weiß man nichts, außer dass sie im 10. Jh. restauriert wurde. Eine vierte Säule, die ursprünglich noch hier stand und die von vier bronzenen Pferden gekrönt wurde, schleppten die Venezianer nach dem Vierten Kreuzzug als Beute in die Lagunenstadt.
Die gepflasterte Straße rund um den Rasen, auf dem die Säulen heute stehen, entspricht dem früheren Rund der Rennbahn. Das Hippodrom hatte aber auch eine politische Funktion: Man bekannte sich entweder zur grünen oder zur blauen Mannschaft, was zeitweilig mit reformfreudig oder konservativ übersetzt wurde. Aus einem Streit zwischen grünen und blauen Wagenlenkern entstand 532 der Nica- Volksaufstand, den Kaiser Justinian blutig niederschlagen ließ. Am Ende sollen 30 000 Tote das Hippodrom gesäumt haben.
PLZ/Stadt:
Istanbul - Sultanahmet