Städtereisen, Kurzurlaub, Online Reiseführer

Städtereisen Reiseführer Kurzurlaub

|   Home   |  Billigflieger   |  Reiseangebote   |  Ratgeber   |  Magazin   |  Newsletter   |  RSS Feed

Lebensart

Ob Köln eine Millionenstadt ist, hängt von der Zählweise ab. Im Statistischen Landesamt Düsseldorf kommt man zu einem anderen Ergebnis als im Kölner Amt für Statistik. Die Kölner rechnen nämlich auch die Studierenden mit, die nur mit Zweitwohnsitz gemeldet sind. Dann sind es tatsächlich 1 014 000 Einwohner.
Fans im Stadion beim 1. FC Köln
Fans im Stadion beim 1. FC Köln
© Sebastian Ritter

Rheinischer Optimismus

Für die Kölner Lokalpresse liegt diese Zahl sogar deutlich über einer Million. Diese Sichtweise ist typisch kölsch. Wenn der 1. FC Köln ein Spiel gewinnt, singen die Fans voller Freude "Et hätt noch immer jot jejange" (Es ist noch immer gut gegangen), und der Trainer wird heilig gesprochen. Bei einer Niederlage tröstet man sich damit, dass der Club ja zuletzt erst 1978 deutscher Meister war. Im Zeitgefühl einer Stadt mit Relikten und Reliquien aus 2000 Jahren ist das noch nicht so lange her.
Rheinischen Optimismus verbreitet auch der Wirtschaftsdezernent: Bis zum Jahr 2030 müsse sich Köln keine Sorgen wegen einer Überalterung machen. Denn vor allem die Ansiedlung von Firmen der Medien-und Kommunikationsbranche führte in den vergangenen Jahren zu einer Zuwanderung junger Westdeutscher unter 30 Jahren. Diese Altersgruppe prägt die Atmosphäre in den Clubs und Szenekneipen.
Zehn Fernseh- und Rundfunksender haben ihren Sitz in Köln. Trotz des Wegzugs von "Viva" nach Berlin: Köln ist die Medienmetropole Nummer eins mit 15 000 Mitarbeitern in 800 Firmen. Mehr als 40 internationale Messen finden jährlich in Köln-Deutz statt.
Hauptgebäude Ost der Univerität Köln
Hauptgebäude Ost der Univerität Köln
Mit acht Hochschulen ist Köln ein Zentrum für Bildung, Forschung und Wissenschaft. Die Forschungsstätten sind Schwerpunkte für die Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts: Multimedia, Kommunikations- und Softwaretechnologie, Medizin, Biotechnologie, Solar- und Umweltforschung.
Das alles weiß freilich kaum jemand, wie eine Diplomarbeit der Kölner Universität belegt. Regelmäßige Befragungen von Einheimischen wie von Bewohnern anderer Regionen führen nämlich immer wieder zu demselben Ergebnis: Bei Köln denkt man gemeinhin nur an Dom, Rhein, Karneval, Tünnes und Schäl, Kölnisch Wasser, Millowitsch-Theater und Kölsch-Bier. Alle Jahre wieder startet man daher Kampagnen, um Kölns Ruf als modernes Wirtschaftszentrum zu stärken.

Kontaktfreudigkeit

Auch wenn heute nur ein Drittel der Einwohner gebürtige Kölner sind: Die mediterrane Leben-und-leben-lassen-Atmosphäre beeinflusst auch die Zugereisten. In Brauhäusern und Biergärten können Sie feststellen: Rheinländer sind unkompliziert und kontaktfreudig, aber beschränken diese Kontakte auf Flüchtiges. Im Senftöpfchen-Theater erklärt Ihnen der Kabarettist Konrad Beikircher, dass man auf die nichts sagende Grußformel: "Wie is et?" nur ein ebenso unverbindliches "Jot!" erwartet und keineswegs eine ausführliche Schilderung der Befindlichkeit.
Große Namen und sozialer Status machen in dieser Bürgerstadt keinen Eindruck. Promis sind einfach nur "Lück wie ich un du" (Lück = Leute). Auch sonst ist das Verhältnis der Kölner zur Obrigkeit und zu anderen Autoritäten eher unbefangen. Treffen sie auf Mitmenschen mit Neigung zu gespreiztem Gehabe, demonstrieren sie gern ihre Vorliebe für Erdverbundenes und Schnörkelloses: "Mach nit esu en Jedöns!"
Karneval in Köln
Karneval in Köln
© www.koelntourismus.de
Das Einzige, was die Kölner sich an metaphysischer Anwandlung leisten, ist die Überzeugung "Et kütt, wie et kütt" (Es kommt wie es kommt). Sie lässt sie die Widrigkeiten des Lebens mit stoischem Gleichmut ertragen.
 

Karneval

Freilich ist auch der Karneval ein Wirtschaftsfaktor, der u. a. Mützensticker und Musiker, Kostümschneider und Kellner ernährt. Rund 100 Karnevalsgesellschaften veranstalten zwischen Neujahr und Aschermittwoch etwa 500 Bälle und Sitzungen. An den tollen Tagen zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag haben Sie nur zwei Möglichkeiten: Sie meiden die Stadt, oder Sie feiern mit! Nur müssen Sie wissen, wo und wie.
Das Fernsehen hat einer fragwürdigen Kommerzialisierung Vorschub geleistet. In den typischen Touristenfallen werden Sie Opfer gastronomischen Nepps. Plumpe Altherrenwitze und Rumtatata-Gedröhne als Kulisse für ein Massenbesäufnis sind gewiss nicht jedermanns Sache. Das hat mit urkölschem Brauchtum allerdings auch nichts (mehr) zu tun.
Bei den kleineren Gesellschaften und in den Kneipen des Severinsviertels können Sie aber immer noch einen wirklich schönen und urtümlichen Volkskarneval erleben.

Alternativer Karneval

Im Mittelalter stellten die Narren die strenge Feudalordnung symbolisch auf den Kopf und nahmen sich alle möglichen Freiheiten heraus. Die Funken und Garden des 19. Jahrhunderts veralberten mit Ordensverleihungen die Preußen und deren Militarismus. Später ging dieser anarchisch-subversive Charakter im Bürgerkarneval allerdings fast völlig verloren. Anders feierten jedoch schon um 1930 die Künstler mit ihren Lumpen- und Scheunenbällen: Dort erschien man nicht im Frack wie bei den Sitzungen der etablierten Bürgergesellschaften, sondern im Lumpenkostüm. Aus diesem Künstlerkarneval bildeten sich als lose Gruppe die Ahl Säu (Alte Säue), die noch heute inoffiziell dem eigentlichen Rosenmontagszug voranmarschiert.
Statt müder Witze böse satirische Attacken auf die Obrigkeit und den offiziellen Fastelovend: Das ist seit 1984 das Prinzip der alternativen Stunksitzung. Deren Bissigkeit hat bei vielen Jüngeren, die sonst mit "Kölle Alaaf" nichts zu tun haben wollen, erst Begeisterung für die fünfte Jahreszeit geweckt. Alle 40 Vorstellungen sind schon Wochen vorher ausverkauft! Dadurch ließen sich auch andere zu alternativen Sitzungen inspirieren: Die Rosa Funken marschieren zur Rosa Sitzung der Schwulenszene ein. Die Kölsch-Rock-Szene zelebriert keine Sitzung, sondern eine Sackjeseech-party (Sackgesichtparty).
Auch der Straßenkarneval erfährt eine Bereicherung durch die Alternativszene. Ein Wintergeist, in hochdeutscher Übersetzung mit Namen Erbsenbär, ist Maskottchen des Vereins Ähzebär und Co, der Karnevalssamstag bei Einbruch der Dunkelheit den Geisterzug durch die Stadt ziehen lässt: Dumpfe Trommelschläge, Fackeln und Gespenstergeheul knüpfen an die ursprünglichen Rituale des Winteraustreibens an. Zum Ende des Festes gegen Mitternacht verbrennt man den Ähzebär; doch er ist unsterblich und kommt jedes Jahr wieder.

Comedy aus Köln

Die Stunksitzung erweist sich immer wieder als Sprungbrett für eine Kabarett- oder Comedykarriere. Didi Jünemann und der Ex-Stunker Jürgen Becker sind im WDR-TV mit ihrem "Missionswerk Rheinischer Frohsinn" unterwegs. Außerdem präsentiert "Heimathirsch" Becker im WDR-Fernsehen die "Mitternachtsspitzen". Gaby Köster, einst Präsidentin der Stunksitzung, hatte inzwischen bei RTL eine eigene Comedyserie: "Ritas Welt".
Köln ist das Epizentrum des seit den 1990er-Jahren anhaltenden Comedybooms. Gleich zwei Lachmuskelfestivals locken den Nachwuchs an: Die Sieger erobern anschließend üblicherweise die TV-Studios und werden bundesweit bekannt. Dies gelang in den vergangenen Jahren z. B. Rüdiger Hoffmann, Piet Klocke und Atze Schröder.
Hella von Sinnen und Wigald Boning begannen ebenfalls in Köln ihre TV-Karriere, desgleichen Tom Gerhard als "Hausmeister Krause". Viele Fans erinnern sich noch an seine ersten Auftritte im Atelier-Theater in der Roonstraße. Etwa zur gleichen Zeit machte auch Dirk Bach einen Karrieresprung vom lokalen Theater in die Film- und TV-Studios.
Jeweils im Juli wird der Gewinner des Köln Comedy Cups ermittelt. Im Oktober treten Stand-upcomedians, Bands und Kabarettisten auf den 120 Veranstaltungen des Internationalen Köln Comedy Festivals auf. Es wird von Stunksitzungsgrabredner Winni Rau organisiert. Höhepunkt dieses Festivals ist die Verleihung des Deutschen Comedy Preises.

Medienstadt Köln

Barbara Salesch, Stefan Raab, Harald Schmidt... Köln hat einen fast so hohen Promifaktor wie die anderen großen Medienstädte Berlin oder München. Die Kölner Kunsthochschule für Medien ist einzigartig in Deutschland. Fast ein Drittel des ARD-Programms kommt aus den WDR-Studios: Die Kölner "Tatort"-Folgen und Wiederholungen der "Schimanski"-Reihe erzielen regelmäßig Spitzenquoten. "Die Fußbroichs" breiten ihr reales Familienleben vor der Kamera aus. Ute Diehl dokumentiert in der "einzig wahren Familienserie" den Alltag von Fred, Annemie und Sohn Frank.
RTL mit seiner Redaktion im Vorort Junkersdorf und den Studios in Hürth hält mit Soaps und Serien dagegen. Vox, Super RTL und Phoenix senden ebenfalls aus der Domstadt. Aus hiesigen Studios erfreuen die "Freitagnacht News" und Stefan Raab ihre Fangemeinden. Im Durchschnitt drehen an jedem Wochentag zwei TV-Teams auf Kölner Straßen - freilich nicht immer zur Freude der Anwohner, die dann tagelang auf ihre Parkplätze verzichten müssen.
 
Stadtplan Köln
Stadtplan Köln starten
Merian Reiseführer Köln
KÖLN
Reiseführer
Erleben Sie die Höhepunkte der Großstadt am Rhein. Vom Dom über Bräuhäuser bis hin zum Karneval, kompakt und übersichtlich dargestellt.
Hier kaufen »
Nützliches in Köln
Von Ärzten über Banken bis hin zu Telefonzellen. Die wichtigsten Infos für Ihre Städtereisen, übersichtlich zusammengefasst, finden Sie hier >>