Stadtspaziergänge
Auf den Spuren des Mittelalters
Die Zeit der Hanse, der reichen Handwerkerzünfte und der mächtigen Kaufmannsgilden, die Zeit des "hillije Kölle" mit seinen Kirchen und Klöstern: Kölns einstige Blütezeit ist auch im heutigen Stadtbild noch zu erkennen. Für den historischen Rundgang brauchen Sie etwa zwei Stunden. Start: Dom/Hbf.
Stimmen Sie sich mit der Betrachtung eines spätgotischen Bürgerhauses ein. Das Haus Saaleck (Am Hof 50) mit seinen markanten Eckbetonungen ist eine originalgetreue Rekonstruktion.
Durch Unter Taschenmacher und die Bürgerstraße gelangen Sie zum Rathaus. Sollte es gerade 12 oder 17 Uhr sein, hören Sie von weitem schon das Glockenspiel vom spätgotischen Turm. Die reich dekorierte Laube vor der Hauptfront des Rathauses (1569-1573) ist ein bedeutendes Beispiel für die Renaissancearchitektur im Rheinland. Innen hängt eine moderne Bildplastik von Hann Trier, im Volksmund "Et Plümo" (Die Bettdecke) genannt. Auf dem Platz befinden sich unter einer Glasabdeckung die Reste der Mikwe.
Wenn Sie an der anderen Seite des Platzes Unter Goldschmied überquert haben, führt Sie eine Passage in den Gebäudekomplex An Farina. In dessen Nachbarschaft begann Johann Maria Farina 1709 mit der Kölnisch Wasser-Produktion. Im Hof erzählen die Figuren von Anneliese Langenbach am Frauenbrunnen, wie sehr seit dem Mittelalter auch die Frauen den Wohlstand Kölns mitgefördert haben.
Ein paar Schritte weiter nach Süden erinnert der Name des Gülichplatzes an den Kölner Weinund Bandwarenhändler Nikolaus Gülich. Er führte eine Rebellion gegen Korruption und Amtsmissbrauch im Rathaus an und wurde 1686 hingerichtet. Auswüchse des sprichwörtlichen Klüngels gab es also schon vor 320 Jahren. Vor dem Haus Neuerburg (Gülichplatz 3) steht der Fastnachtsbrunnen von Andreas Grasegger.
Hinter dem Wallraf-Richartz-Museum gemahnt die Ruine St. Alban mit der Kopie einer Käthe-Kollwitz-Skulptur an die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs.
Über die Gürzenichstraße und die Hohe Straße gelangen Sie zur Pipinstraße. Sie überqueren diese und gehen dann nach links, biegen an der nächsten Ecke in die Kasinostraße ab. In dem alten Äbtissinnenhaus (Haus Nr. 3) hat von 1804 bis 1808 der Romantiker Friedrich Schlegel gelebt.
Genau gegenüber liegt der Eingang von St. Maria im Kapitol. Im rechten Seitenschiff sehen Sie die Überreste eines Wals, und in der Ostkonche steht auf einem Pfeilerkapitell die Hermann-Josef-Madonna. Der Legende nach hat Hermann-Josef, ein Schusterjunge aus der Nachbarschaft, der Madonna einen Apfel für das Jesuskind gereicht, den sie auch angenommen haben soll. Noch heute legt man ihr wegen dieses Wunders als Opfergabe Äpfel zu Füßen.
Das versteckte Dreikönigspförtchen
Wenden Sie sich am Ausgang nach links zum Marienplatz. Wiederum linker Hand führt der Weg am Haus Nr. 13 mit seiner wunderschönen neoromanischen Fassade vorbei zum Dreikönigspförtchen (um 1310), dem einzig erhaltenen Immunitätstor Kölns. Im Immunitätsbezirk dahinter galt nur kirchliches Recht. Hinter dem Tor liegt der idyllische Lichthof mit der Totenmalskulptur von Gerhard Marcks (1949). Eine Treppe führt über die Plectrudengasse zum Malzbüchel. Dort mündet auf der anderen Seite die Rheingasse ein. Haus Nr. 8 ist der einzige original erhaltene romanische Profanbau: das Overstolzenhaus.
Wenden Sie sich wieder nach Norden, Richtung Dom. Auf dem Heumarkt steht ein Reiterstandbild für den preußischen König Friedrich Wilhelm III. (1878). Bezeichnend für den unmilitärischen Geist der Kölner: Von den 16 Sockelfiguren stellen nur sechs preußische Generäle dar, die restlichen sind Bürger in Zivil, darunter auch Reformpolitiker und Liberale.
Das nördliche Platzende akzentuiert mit der Adresse Heumarkt 77 der Renaissancebau Zum St. Peter (1568). Eine Petrusstatue weist auf den Namen des Hauses.
In der Straße Unter Käster wohnten früher die Kistenmacher. Sie führt zum Alter Markt, wo Sie sich nun bestimmt eine Pause in einem der vielen Terrassencafés gönnen möchten.
Stationen Kölscher Eigenart
Die Kölner haben ihnen Denkmäler gesetzt und Brunnen gestiftet - den Helden und Filous der Stadt, und sie haben so auch ihre Neigung zu deftigem Mutterwitz dokumentiert. Was diese Plastiken und Inschriften erzählen, vermittelt Ihnen ein sinnliches Bild der Mentalität und Identität der Einheimischen. Der Spaziergang dauert etwa eine Stunde und startet Am Hof, U-Bahnen Dom/Hbf.
Paradiesische Zustände im alten Köln illustriert der Heinzelmännchen-Brunnen. Oben auf der Treppe sehen Sie die Schneidersfrau, deren Neugier die fleißigen Zwerge für immer vertrieben hat.
Auf dem Alter Markt steht der Jan-von-Werth-Brunnen. An Weiberfastnacht wird am Severinstor "Dat Spill vun Jan un Griet" aufgeführt. Anschließend führt ein Umzug zum Denkmal auf dem Alter Markt.
An den Gebäuden ringsum geht es recht drastisch zu. Am Rathausturm streckt der Platzjabbeck dem Betrachter die Zunge heraus. Jabbeck bedeutet japsen oder schnappen, Beck bedeutet Maul. Eine solche Figur gab es schon im 16. Jahrhundert; die jetzige entstand 1975 nach einer historischen Vorlage.
Nicht die Zunge, sondern das Gesäß entblößt an der Dachtraufe des Hauses Em Hanen (Alter Markt 24) der Kallendresser (Dachrinnenscheißer). Einst soll sich ein Marktdieb hier auf kirchliches Terrain geflüchtet haben, wo ihn die städtische Polizei nicht mehr verfolgen durfte und sich stattdessen auf diese höchst derbe Weise veralbern lassen musste. Wegen der U-Bahnarbeiten müssen Sie bis 2010 hier mit Behinderungen rechnen.
Das Martinspförtchen führt zur Rückseite dieses Hauses, dessen Besitzer Jupp Engels seine Mitbürger mit zwei anderen Skulpturen bedachte. Die Schmitz-Säule informiert darüber, dass sich hier einst die Römer mit den Ubiermädchen trafen und den Stammbaum der Familie Schmitz begründeten, die im Telefonbuch acht Seiten füllt.
Tünnes-und-Schäl-Denkmal
© Michael Wegner / pixelio.de
Die Helden unzähliger kölscher Witze ehrt das Tünnes-und-Schäl-Denkmal. Kostprobe: Tünnes sitzt am Rhein und rupft vier geklaute Hühner. Als er sieht, dass ein Schutzmann kommt, wirft Tünnes die Hühner ins Wasser. Der Polizist deutet auf die herumliegenden Federn und ruft triumphierend: "Da habe ich ihn ja erwischt, den Hühnerdieb!" Darauf Tünnes: "Enä, Här Wachtmeister, wieso dat dann? Sie sehen doch, die Hühner sin am Baden un ich passe auf die Klamotten auf".
Über die Lintgasse und den Buttermarkt gelangen Sie zum Rote-Funken-Plätzchen. Es ist den Stadtsoldaten gewidmet, die 1794 die napoleonischen Truppen mit den Worten empfingen: "Hört mit der Schießerei auf! Seht ihr denn nicht, dass hier Menschen stehen?« Dass sie seit 1823 eine Karnevalstruppe sind, erklärt die Inschrift mit dem Funkeneid: »Bei Öllig, Böckem, ähde Nötz un bei der rut-wieß Funkemötz beim hölze Zabel un Gewehr well treu ich sin dem Fasteleer..." (Bei Zwiebel, Hering, irdener Pfeife und bei der rot-weißen Funkenmütze beim hölzernen Säbel und Gewehr will treu ich sein dem Karneval). Wer in der Kölner Gesellschaft etwas werden will, ob als Politiker oder Geschäftsmann, muss Mitglied in einem Karnevalsverein sein.
Stufen führen zur Gasse Auf dem Rothenberg. Von der Salzgasse gelangen Sie durch die schmale Tipsgasse zum Eisenmarkt, wo man vor dem Hänneschen-Theater dem 1999 verstorbenen Volksschauspieler Willy Millowitsch ein Denkmal gesetzt hat. Im Mai findet auf dem Platz die Hänneschen-Kirmes statt.
Zurück zur Salzgasse: Ein Stückchen weiter oben leitet Sie ein anderer Durchgang zum Ostermann-Brunnen mit Figuren aus den Liedern des Volkssängers.
Wenn Sie typisch kölsche Erinnerungen mit nach Hause nehmen möchten: In seinem Karnevalsmuseum (Unter Käster 12) hat Hans Jürgen Knopek über 10.000 Orden gesammelt. Was er an älteren Orden doppelt hat, bietet er auch zum Verkauf an. Den aktuellen Sessionsorden bekommen Sie hier immer (ca. 20 Euro).
Kunst- und Boutiquenbummel
Wir zeigen Ihnen, wo Sie Köln als Kunstmetropole erleben, das schrillste Modedesign aus London oder New York kaufen und zwischendurch rheinische Muscheln essen können. Die Bilder- und Shoppingtour dauert mit Zwischenaufenthalten etwa zweieinhalb Stunden und startet am Dom/Hbf.
Vom Dom aus gehen Sie die Komödienstraße hinauf. An der Ecke zur Tunisstraße treffen Sie auf die Fundamente des römischen Lysolphturms. Er ist Teil der antiken Stadtbefestigung. Jenseits der Kreuzung halten Sie sich links vom Gerichtsgebäude, das 1893 im Stil der niederländischen Neorenaissance erbaut wurde. An der Ecke Neven-Du-Mont-Straße/Schwalbengasse liegt die Barockkirche St. Maria in der Kupfergasse. Sehenswert: Die Loretokapelle mit dem Gnadenbild der "Schwarzen Mutter Gottes".
Auf der Neven-Du-Mont-Str. kommen nun die Fans von Altertümern auf ihre Kosten: Vielleicht stöbern Sie die nächste Viertelstunde im Antiquariat Buchholz in den Folianten oder taxieren beim Kölner Münzkabinett oder bei Antiquitäten Katebi byzantinische Geldstücke, römische Öllampen, Amphoren, Kruzifixe. Und wenn Sie sich ein 1700 Jahre altes Ärztebesteck anschauen, stärkt das gewiss Ihr Vertrauen in den Fortschritt.
An der nächsten Ecke lockt die Einkaufspassage Du-Mont-Carré. Folgen Sie der Breite Straße nach rechts. Den Leckereien von Printen Schmitz können Sie bestimmt nicht widerstehen. Der Juwelier Peter Güls (Breite Str. 97) bietet Geschmeide exklusiver Nobelmarken und eigene Entwürfe an.
Lust auf Muscheln? Im rustikalen Bieresel gibt es im Winter zwei Dutzend verschiedene Varianten (hinten im Wintergarten finden Sie fast immer noch einen freien Platz). Für einen kleinen Bierhappen können Sie auch am Eingang rechts die Schänke ansteuern. Die Atmosphäre dort am Tresen ist urkölsch! Im Sommer nimmt man auch auf der Straßenterrasse Platz und lässt das Großstadttreiben an sich vorüberfluten.
Kunst und Antiquitäten locken in der St.-Apern-Straße und der Albertusstraße. Von den Klassikern wie Eduardo Chillida bei Stefan Röpke über Pop-Art-Grafik in der Galerie Benden und Klimczak bis zur zeitgenössischen Avantgarde in den Galerien Brigitte Schenk und Reckermann finden Sie moderne Kunst in allen Preislagen. Junge Fotografen und Designer stellen z. B. in der Art Galerie 7 aus (St.-Apern-Str. 7). Hundert Meter weiter betreibt auf der anderen Straßenseite auch der schrille Aktionskünstler HA Schult einen eigenen Schauraum. Etablierte Kölner Avantgardekünstler wie Rune Mields und Knopp Ferro zeigt die Galerie Jöllenbeck.
Dann schlägt Buchfreunden das Herz höher: Klaus Bittner hat seine Regale mit Film- und Theaterliteratur angefüllt. Hier gibt‘s wirklich alles über Shakespeare und Hollywood. Gegenüber können Sie das phänomenale Gedächtnis von Walther König testen. Nennen Sie ihm den Namen irgendeines Malers, und er sagt Ihnen, wo und wann etwas über ihn publiziert wurde.
Dann sollten Sie unbedingt über die Ehrenstraße bummeln. In den Boutiquen und Schuhläden wird alles feilgeboten, was in den Szeneclubs angesagt ist. So schnell wie die Mode wechseln allerdings auch die Namen der Ladenbesitzer. Dazwischen tummeln sich Tattoostudios und Trendfriseure. Doch es gibt auch Beständiges, wie die seit Jahrzehnten hier ansässigen Familienbetriebe Käse Wingenfeld und Bruno Wolkenaer. Nach dem Farbeneinkauf schlürfen manche Malerstars ihren Espresso direkt gegenüber im Café Central.
In der Apostelnstraße schließen sich weitere Traditionsgeschäfte an: Etwa Filz Gnoss als Spezialist für Loden und Pantoffeln oder in Haus Nr. 25 die Bäckerei Balkhausen. Hier war Konrad Adenauer in den 20er-Jahren Kunde, und noch heute gibt es ein Adenauerbrot zu kaufen. Das Rezept ließ sich Adenauer patentieren. Damit sollten die Kölner die Hungerjahre des Ersten Weltkriegs überstehen.
Wechseln Sie die Straßenseite: Beim Betrachten der Schaufensterauslage von Wild Geflügel Brock holen Sie sich Appetit fürs Abendessen. Dann bringt Sie die U-Bahn vom Neumarkt zurück zum Dom.