Stadtgeschichte
Gründung und Blütezeit
Einer Legende nach wurde Lissabon von Odysseus gegründet. Die erste Blütezeit erlebte die Stadt unter den Römern, die sich 205 v. Chr. hier ansiedelten und aus ihr den bedeutendsten Handelsplatz Lusitaniens machten. Zeugen dieser Zeit sind die Ruinen des römischen Theaters (Teatro Romano) in der Alfama, das heute ein Museum ist. Einen noch dauerhafteren Eindruck haben die Mauren in der Stadt hinterlassen, die Lissabon im Jahr 714 eroberten. Unter ihrer 400 Jahre währenden Herrschaft wurde Lissabon ein Zentrum arabischer Kultur. Es entstanden als unbefestigte Vorstädte die heutigen Stadtviertel Alfama und Mouraria.
Reconquista und Entdecker
1147 gelang es König Dom Afonso Henriques, im Bunde mit den Kreuzfahrern die Stadt zurückzuerobern. Lissabon wurde Sitz der königlichen Familie und mit dem Ende der Wiedereroberung (Reconquista) im 13. Jahrhundert Hauptstadt des jungen portugiesischen Königreiches. Ihre wahre Größe erreichte die Stadt im 15. und 16. Jahrhundert mit den Entdeckungen und Eroberungen der portugiesischen Seefahrer. Bartolomeu Diaz umrundete 1488 das Kap der Guten Hoffnung. Zehn Jahre später entdeckte Vasco da Gama den Seeweg nach Indien, und kurz darauf landete Pedro Álvares Cabral in Brasilien.
Bald besaß das kleine Portugal ein Weltreich, und Lissabon wird zur prächtigsten Metropole Europas. Schiffe, voll beladen mit Gold und Silber, Gewürzen und Edelhölzern, legten im Hafen an. Scharen von Händlern aus aller Welt strömten nach Lissabon, der florierende Handel brachte der Hauptstadt unermesslichen Wohlstand. Prachtbauten wie das Hieronymuskloster (Mosteiro dos Jerónimos) im Vorort Belém sollten Lissabons Rolle als blühendes Welthandelszentrum unterstreichen.
Ruinen des Convento do Carmo, zerstört beim Erdbeben von Lissabon
© irisch / pixelio.de
Katastrophe und Wiederaufbau
Die Goldene Epoche fand mit dem verheerenden Erdbeben im November 1755 ein abruptes Ende. Die Katastrophe legte binnen weniger Sekunden die Stadt in Schutt und Asche und kostete mehr als 40000 Menschen das Leben. Der damalige Außenminister Marquês de Pombal erwies sich als genialer Stadtplaner. Er ließ Lissabon auf dem Reißbrett wiederauferstehen. Gerade Straßen, klare Linien, rechte Winkel waren seine Vision - die Geburtsstunde der Unterstadt Baixa.
Es folgten Jahrzehnte wirtschaftlicher und politischer Turbulenzen. Das Königshaus versippte und brachte keine bedeutenden Persönlichkeiten mehr hervor. 1910 floh König Manuel II. nach Großbritannien ins Exil. Portugal wurde Republik und dann Diktatur. Der faschistische Diktator Oliveira Salazar leitete die Geschicke das Landes fast ein halbes Jahrhundert und machte es zum "Armenhaus Europas" - so seine eigene Worte.
Revolution und Aufschwung
Am Morgen des 25. April 1974 war plötzlich alles anders. Panzer rollten durch Lissabon, Militärtrupps patrouillierten in den Straßen der Hauptstadt. Aus allen Landesteilen marschierte das aufgebrachte Volk in Richtung Parlament. Das Militär schlug sich auf die Seite des Volkes, und die Diktatur wurde durch die fast unblutige Revolte beendet. Rote Nelken, in die Gewehrläufe der Soldaten gesteckt, wurden zum Symbol der Revolution. Noch heute wird jedes Jahr am 25. April zur Erinnerung an die Nelkenrevolution im ganzen Land der Tag der Freiheit (Dia da Liberdade) gefeiert.
Danach ging es wieder bergauf mit Portugal. Mit dem Anschluss an Europa 1986 gewann das Land neues Selbstbewusstsein. In der Hauptstadt möbelte der umtriebige Kulturminister Carrilho die Kulturszene auf, 1994 wurde Lissabon Kulturhauptstadt Europas. Dann die Expo: 1998 präsentierte die Stadt die letzte Weltausstellung des ausgehenden Jahrtausends, ein Erfolgsevent, von dem Lissabon heute noch zehrt.