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Lebensart

© fabius / photocase.de
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Charaktere

London ist nicht gleich England, aber bestimmte englische Charakterzüge - eine gewisse Reserviertheit, Höflichkeit, ein toleranter Individualismus, Traditionsbewusstsein, Understatement, gepaart mit einem ausgeprägten Sinn für Selbstironie - sind weitläufig anzutreffen. Sie bilden das Fundament der Koexistenz in der Großstadt. Denn dreißig Kulturen teilen sich diese wohl multikulturellste Stadt der Welt; über ein Drittel der Londoner gehören einer ethnischen Minderheit an.

Multikulti

Nur 40 Minuten vom Trafalgar Square entfernt kann man sich im nordwestlichen Vorort Southall zwischen indischer Radiomusik, Geschäften für "salwar kahmeez"-Tunika-Hosenensembles und Curryaromen wie im Punjab fühlen, und, wichtiger noch, das indische Curryhuhn-Gericht "Chicken Tikka Masala" ist offiziell das Lieblingsessen der Nation. 300 Sprachen werden heute in der Mutterstadt der englischsprachigen Welt gesprochen, Erbe des britischen Empire, das sich zur Regierungszeit Königin Viktorias (1837-1901) über ein Viertel des Globus erstreckte. Das heißt nicht, dass es nicht auch Misstöne gäbe: Auf den ersten Seiten der Boulevardblätter ist die Zuwanderung Thema Nummer eins.
 

Schwarzer Humor

Der viel berufene englische Humor - schön schwarz und skurril - ist selbstironisch, aber oft grausam und alles andere als "politisch korrekt". Sprachwitz spielt eine wichtige Rolle. Das Satiremagazin "Private Eye" nimmt Doppelzüngigkeit, Opportunismus und Bigotterie des Establishments aufs Korn, und der Polit-Cartoonist Steve Bell zeichnet herrlich gemeine Bilder. Sprüche aus TV-Comedyserien wie "Fawlty Towers" mit Monty Pythons John Cleese in den Siebzigerjahren bis heute ("Little Britain", "The Office") fließen oft in die Alltagssprache ein. Und in der Stadt schießen Comedyclubs, oft mit Improvisationskomik ("standup"), wie Pilze aus dem Boden.
 
Rock ‘n‘ Roll
Rock ‘n‘ Roll...
© www.pixelio.de

Trendsetter

London ist nicht nur das Zentrum der Musikindustrie, hier werden internationale Trends gemacht. Die Briten selbst kaufen pro Kopf mehr CDs (und Vinyl-Schallplatten) als jede andere Nation der Welt, und in jeder Schulklasse gibt‘s ein paar Typen, die zu Hause in der Garage eine Band aufziehen. Das populärste Popmusikgenre ist "urban", Musik aus der Stadt: Garage, Hip-Hop, Drum & Bass, R ‘n‘ B und Mischformen. Aktuell: die 19-jährige Londoner "grime" ("Schmutz")-Sängerin Lady Sovereign. Britpop ist passé, hat aber dem aktuellen Rockgitarren-Revival Impulse gegeben; eine aktuelle Londoner Band ist "Bloc Party". Junge asiatischstämmige Londoner tanzen zu "bhangra", Künstler wie Nitin Sawhney kombinieren Dance mit traditioneller indischer Musik, während englischer Folk eine loyale Anhängerschaft bewahrt.
 

Teatime

Trotz des Siegeszugs der Kaffeebars ist der schwarze Tee immer noch das Lebenselixier der Londoner. Mit 165 Millionen Tassen pro Tag sind die Briten (nach den Iren) die größten Teekonsumenten Europas. Eine "cup of tea" oder "cuppa" ist das erste, was einem bei Krisen jeglicher Art in die Hand gedrückt wird. Zum Erstaunen kontinentaler Besucher trinkt die ältere Generation Tee auch zum traditionellen Abendessen zu Hause ("tea"). Zu 98 Prozent wird der Tee "white", mit Milch, getrunken. Die wenigsten Londoner machen sich noch die Mühe, losen Tee aufzubrühen, und ein Teebeutel verbringt heute im Schnitt nur noch 35 Sekunden im Becher ("mug").
 
Stadion des Chelsea F.C.
Stadion des Chelsea F.C.
© Che Hohwieler

Fußball

London ist auch die Hauptstadt des populärsten Volks-, Zuschauer- und Sofasports der Insel: football. Der Londoner Traditionsverein Arsenal ("the Gunners", www.arsenal.com) war die Inspiration für Nick Hornbys Roman "Fever Pitch". Andere wichtige Clubs der 1. Liga, the Premiership, sind der aktuelle Meister Chelsea ("the Blues", www.chelseafc.com) und Tottenham Hotspurs ("Spurs", www.spurs.co.uk). Ganze Familien kommen zu den "matches", auch wenn die Wettbüros eine Männerdomäne bleiben. Berühmt sind die einfallsreich-provozierenden Gesänge von den Rängen. Tickets für Premiership-Spiele sind nicht leicht zu bekommen. Nur dreimal pro Saison gehen z. B. bei Chelsea Tickets in den allgemeinen Verkauf ("general sale"). Sie können ersatzweise aber zumindest an einer Stadiontour teilnehmen.
 
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