Finanz- und Börsenviertel und die alte Medienmeile
In der City of London, der "Square Mile", begann vor 2000 Jahren Londons Geschichte als römischer Außenposten Londinium. Heute erwirtschaften hier die großen Banken und Versicherungen einen großen Teil des britischen Bruttosozialprodukts. Zwischen den glänzenden Bankpalästen überleben alte Bräuche, und so mancher Deal wird noch in schummrigen Weinbars abgeschlossen. Montags bis freitags spüren Sie auf den Straßen der City den Puls der Businesswelt mit einer Viertelmillion Menschen, die hier arbeiten. Abends und am Wochenende wird die City jedoch praktisch zur Geisterstadt. Beides hat seinen Reiz. Dauer: ca. 3 Stunden.
Verschaffen Sie sich eine erste Orientierung von der Spitze des Monument (U-Bahn: Monument). Gehen Sie Fish Street bergauf, biegen Sie rechts in die vielbefahrene Eastcheap ein und links in die enge Philpot Lane. Wenn Sie zwischen City-Brokern, Versicherungsmanagern in Nadelstreifen und Sekretärinnen Fenchurch Street überqueren, in Lime Street einbiegen und dann links in Lime Street Passage, erreichen Sie die schönen viktorianischen Arkaden von Leadenhall Market, die so gar nicht zu den glasglänzenden Fassaden der Geld- und Versicherungshäuser drumherum passen. Am lebendigsten ist diese atmosphärische Shopping Mall am Vormittag.
Halten Sie sich weiter rechts durch Leadenhall Place, vorbei am futuristischen Lloyd‘s Building. Seit 1688 versichert der weltgrößte Versicherungsmarkt alles: von Schiffsfrachten bis zu den Beinen professioneller Tänzer. Wenn Sie links wieder in Lime Street einbiegen, türmt sich vor Ihnen unübersehbar die riesige Glasgurke des Swiss Re Building. Biegen Sie links in Leadenhall Street, dann rechts in die breite Verkehrsader Bishopsgate und links in Threadneedle Street ein. Dort bringen Sie wenige Schritte zur heutigen Börse, der London Stock Exchange - einem erstaunlich hässlichen Klotz aus den 1970er-Jahren - und zur neoklassizistischen Bank of England, "Old Lady of Threadneedle Street". Gehen Sie über den Platz hinweg auf das umstrittene sand- und lachsfarben gebänderte Gebäude zu: No. 1 Poultry. Wenige Schritte weiter werden in der Zweigstelle der HSBC-Bank auf der rechten Seite die Bankgeschäfte noch zwischen grünen Marmorsäulen und Kundenschaltern aus Nussholz getätigt. Links geht es eine Treppe hinunter ("Safe Deposit") zur mannshohen, runden Safetür, die im James Bond-Klassiker "Goldfinger" (1964) auftaucht. Poultry geht in Cheapside über. Das Café in der Krypta von St Mary Le Bow (linker Hand) bietet leckere Snacks. Gehen Sie über New Change Lane schräg in Paternoster Row und folgen Sie dem ruhigen St Paul‘s Churchyard bis zu St Paul‘s Cathedral. Von hier führt Ludgate Hill leicht bergab zur berühmten Fleet Street, fünf Jahrhunderte lang das Epizentrum des britischen Journalismus, bis zur Abwanderung der Zeitungen und Nachrichtenagenturen Richtung Docklands in den 1980er-Jahren. Zwischen dem Mix von hohen, schmalen, spitzgiebeligen Häusern, alten Fleet-Street-Pubs und modernen Fassaden grüßt links Christopher Wrens "St Bride‘s", die Kirche der Journalisten und Drucker (Montag-Freitag 8.30-18.30 Uhr, Samstag 11-16 Uhr, Sonntag nur zu Chorgottesdiensten um 11 und 18.30 Uhr). Die Kirchturmspitze stand Modell für den traditionellen dreistöckigen Hochzeitskuchen. Werfen Sie noch einen Blick durch die Glastüren des schwarzglänzenden ehemaligen "Daily Express"-Gebäudes gegenüber auf die schöne Art-déco-Decke, den Mosaikboden und die schlangenförmigen, silbernen Treppengeländer aus den 1930er-Jahren, und belohnen Sie sich dann mit einem "pint" im Old Bank of England-Pub auf der gleichen Straßenseite (Nr. 194, Samstag und Sonntag geschlossen) unter den hohen Decken, riesigen Fenstern und ausladenden Kronleuchtern dieser ehemaligen Bank of England-Filiale.
Im Martin-Gropius-Bau, dem einstigen Museum für Kunstgewerbe, 1881 eröffnet und im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, werden heute wechselnde Ausstellungen zu historischen und wissenschaftlichen Themen gezeigt. Er wurde nach dem Architekten benannt, der ein Großonkel des berühmten Bauhaus-Architekten Walter Gropius war. Wegen der Mauer konnte der Haupteingang nicht benutzt werden, Besucher mussten zur Hintertür herein. Das Gebäude im Stil der italienischen Hochrenaissance gegenüber, also schon auf der früheren Ostseite der Mauer, beherbergt seit 1993 das Berliner Abgeordnetenhaus. Es war 1892 als Preußisches Abgeordnetenhaus eingeweiht worden. Das ebenfalls im Krieg stark zerstörte Gebäude wurde von der DDR nur notdürftig in Stand gesetzt und gehörte zu dem benachbarten Haus der Ministerien. Achten Sie jetzt auf die kupfernen Einlassungen im Boden, sie markieren den einstigen Verlauf der Mauer. An der Stresemannstraße kommt zur Rechten der Potsdamer Platz in Sicht. Auf dem Weg dorthin sieht man auf der rechten Seite einen der letzten erhaltenen DDR-Wachtürme, von denen aus die Grenze rund um die Uhr observiert wurde.
Kultur, Kathedralen und Kulinarisches entlang der Themse
Einer der schönsten Spaziergänge Londons führt von West nach Ost die Themse entlang und erschließt Ihnen in 2-2,5 Stunden das Uferpanorama - tagsüber so schön wie abends. London nahm seinen Anfang am Nordufer der Themse; das Südufer blieb über Jahrhunderte der schäbigere Verwandte. 300 Jahre später gab der erfolgreiche Umbau eines ehemaligen Kraftwerks in den Tate Modern-Kunsttempel der Regenerierung Süd-Londons neue Impulse.
Beginnen Sie bei der modernen U-Bahn-Station Westminster. Das ungewöhnliche Gebäude mit der vertikalen schwarzen Bänderung zu Ihrer Linken neben Westminster Bridge steht in seltsamem Kontrast zum Ensemble der Houses of Parliament. In Portcullis House (1999) haben Parlamentsabgeordnete ihre Büros: ökologisch wertvoll wegen energiesparender Bauweise, ästhetisch eher fragwürdig. Am Ufer steht das bronzene "Battle of Britain"-Denkmal zum Gedenken an die fast 3000 Flieger, die 1940 an der Luftschlacht um Großbritannien teilnahmen. Von Westminster Bridge aus haben Sie einen weiten Blick auf die Themse. Das backsteinrot und weiß gebänderte Gebäude mit Türmchen und Erkern am Nordufer war bis 1967 das Hauptquartier von New Scotland Yard, der Polizeiabteilung für die härtesten Fälle. Am Ende der Brücke wenden Sie sich nach links hinunter zum Ufer. Die Löwenfigur ist aus "Coade Stone"; die komplizierte Rezeptur für diesen beliebten künstlichen Stein ging im 19. Jahrhundert verloren. Der massive edwardianische Komplex am Ufer beherbergte früher die Londoner Stadtregierung, heute das London Aquarium und das Dalí-Universe mit Exponaten des spanischen Surrealisten. Von hier, unter den riesigen Vertäuungen des London Eye, sieht man die Passagiere in den Kapseln des Riesenrads umherlaufen. Weiter am Ufer entlang kreuzen die Kulturtouristen auf der rundum erneuerten Hungerford Bridge die Themse für das Kulturzentrum South Bank Centre, eine Betonburg aus den 1950er-Jahren, mit Royal Festival Hall (Wiedereröffnung 2007), Nationaltheater und Filmtheater und der Hayward Gallery. Im Sommer finden Sie draußen oft Unterhaltungskünstler und Gratisevents.
Wenn Sie einen Blick hinüberwerfen zum Nordufer, sehen Sie Londons ältestes Baudenkmal, "Cleopatra‘s Needle" (ca. 1450 v. Chr.). 1878 wurde dieser Granitobelisk - der mit Kleopatra außer seiner ägyptischen Herkunft nichts zu tun hat - nach einem ereignisreichen Seetransport am Themseufer aufgestellt. Rechter Hand leuchtet der OXO-Schriftzug des OXO Tower abends neonrot. Mit dem Trick, ihr Logo in den Backsteinturm zu stanzen, umging die Suppenwürfelfirma ein Werbeverbot. Die Aussichtsplattform im 8. Stock ist frei zugänglich, und Oxo Tower Wharf hat viele interessante Läden. Am Ufer entlang bewegt sich ein stetiger Menschenstrom auf den mächtigen Backsteinturm der Tate Modern und die schlanke Millennium Bridge zu. Ein paar Schritte weiter wurde das Fachwerkachteck von Shakespeare‘s Globe Theatre nur 180 m von seinem ursprünglichen Standort detailgetreu wiederaufgebaut. Shakespeare kannte die Gegend gut; hier standen die Theater, die Bärenkampf-Ringe, die Bordelle. Folgen Sie Clink Street und Cathedral Street zur bezaubernden Southwark Cathedral. In dieser ältesten gotischen Kirche Londons trafen sich die Passagiere und die Besatzung der "Mayflower" vor ihrer historischen Überfahrt nach Amerika. Ein Alabaster-Monument (1912) gedenkt William Shakespeares, vor einem Buntglasfenster mit Figuren aus seinen Werken. Folgen Sie weiter Cathedral Street und probieren Sie sich auf dem Borough Market freitags und samstags durch die Gourmet-Food-Stände. Bei schlechtem Wetter biegen Sie rechts in die Borough High Street ein und beenden Ihren Gang im historischen George Inn-Pub, einer ehemaligen Postkutschenstation des 17. Jahrhunderts.
Ein Spaziergang nicht nur für Sonntags
Für seine Größe ist London eine sehr grüne Stadt, und die Parks - meist ehemalige königliche Jagdgründe - sind beliebt für Picknicks, Inlineskating, Jogging und Sonnenbaden. Vier davon durchmisst dieser ca. dreistündige Spaziergang von Ost nach West; innerhalb der Parks sind die Sehenswürdigkeiten gut ausgeschildert, so dass Sie die Route beliebig variieren können.
St. James‘s Park, Blick auf London Eye
Wenden Sie sich von der U-Bahnstation Westminster nach rechts und folgen Sie Bridge Street von der Themse weg. Biegen Sie rechts in Whitehall ein und links in King Charles Street, flankiert von mächtigen Verwaltungsgebäuden. Wenn Sie die Horse Guards Road überqueren, betreten Sie St James‘s Park. Rechter Hand grüßt über die Baumwipfel die Bronzestatue von der imposanten Granitsäule der Duke of York Column. Ihre luftige Höhe führte zu Scherzen, der Herzog (1763-1827) versuche den Gläubigern zu entkommen - bei seinem Tod war er mit 2 Millionen Pfund verschuldet. Im Norden wird der Park begrenzt von St James‘s, dem Viertel der "gentlemen‘s clubs". Im Teich leben viele Wasservögel - vielleicht sehen Sie die berühmten St James‘s-Pelikane (Fütterung täglich um 15 Uhr). Von der Brücke haben Sie einen wunderbaren Blick auf Buckingham Palace. Wenden Sie sich nach links und folgen Sie dem Teich, bis vor dem Victoria Memorial ein Fußweg rechts abgeht. Wenn Sie The Mall überqueren, sind Sie im weniger manikürten Green Park, einer weiten Rasenfläche mit weniger Baumbestand und einer wechselvollen Geschichte als Leprafriedhof, Rotwildjagdgrund und Gemüsegarten im Zweiten Weltkrieg.
Folgen Sie einem der parallel zu Constitution Hill verlaufenden Pfade bis Hyde Park Corner; durch die Unterführung erreichen Sie Wellington Arch. Dieser Triumphbogen beherbergte früher die kleinste Polizeistation Londons; heute können Sie von oben die Aussicht genießen, u. a. auf das imposante, von Robert Adam um 1775 entworfene Apsley House mit der wunderbaren Adresse "London No 1" - für das erste Haus hinter der Londoner Zollschranke. Hier lebte der Duke of Wellington von 1817 bis zu seinem Tod 1852. Der Name des "eisernen Herzogs" und einstweiligen Premierministers lebt fort in Beef Wellington (im Blätterteigmantel) und wellingtons (oder wellies, Gummistiefel).
Durch das silberfiligrane Queen Elizabeth Gate hinter Apsley House betreten Sie Hyde Park: 145 Hektar sanft gewellter Rasenflächen mit alten Baumgruppen, Blumenrabatten und Skulpturen. Hier versammelten sich im Juli 2005 200 000 Musikfans für Bob Geldofs Live-Aid-Konzert. Folgen Sie dem Lovers‘ Walk an der Achilles-Statue vorbei Richtung Speakers‘ Corner. Halten Sie sich links, und überqueren Sie Hyde Park Richtung Serpentine-See; bei den Bootshäusern können Sie sich ein Tret- oder Ruderboot leihen. Von hier geht‘s am Wasser entlang, vorbei an der Serpentine Bridge. Das wassergefüllte Granitoval über der Brücke ist die "Diana, Princess of Wales Memorial Fountain". Seit hundert Jahren findet im Serpentine-See am ersten Weihnachtsfeiertag morgens um neun ein Wettschwimmen um den Peter-Pan-Cup statt, ursprünglich präsentiert von J M Barrie (1860 bis 1937), dem Autor der berühmten Geschichte von dem kleinen Jungen, der nicht erwachsen wurde. Sie erreichen die zierliche Statue von Peter Pan, wenn Sie den Serpentine-See weiter umrunden; hier geht Hyde Park in Kensington Gardens über. Folgen Sie dem Fußweg Richtung Serpentine Gallery; wenn Sie rechts in Flower Walk einbiegen, sehen Sie das Albert Memorial zu Ihrer Linken. Biegen Sie rechts in Dial Walk ein - Kensington Palace liegt zu Ihrer Linken, auf der anderen Seite flitzen die Skater vorbei -, und gönnen Sie sich einen Afternoon Tea zwischen den Säulen des eleganten Orangery-Parkcafés.
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