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Stadtgeschichte

Madrid ist die am höchsten gelegene Hauptstadt Europas (wenn man von San Marino und Andorra absieht), eine Tafel am Sitz der Regionalregierung an der Puerta del Sol zeigt die Meter über Normalnull an: 650,7. Doch ansonsten sehen die Madrider keinen Grund, ihre Stadt für etwas Besonderes zu halten. Sie hat ja noch nicht einmal ein richtiges Wahrzeichen.
Madrid ist trotz ihrer langen Geschichte eine junge Stadt: Mitte des 9. Jahrhunderts von Arabern gegründet, die damals große Teile der Iberischen Halbinsel beherrschten, erlangte sie erst im 16. Jahrhundert politische Bedeutung und wuchs erst im späten 20. Jahrhundert zur Weltstadt heran. Ihre beste Zeit erlebt sie gerade jetzt, als wohlhabende Hauptstadt eines Landes, das sich endlich dem Rest Europas geöffnet hat. Und als liebenswürdiges Städtchen, in dem auch der geschäftige Ramón nicht verloren geht.
König Philipp II. von Spanien
König Philipp II. von Spanien

Immigrantenstadt Madrid

Seit der Habsburgerkönig Philipp II. das unbedeutende kastilische Städtchen Mitte des 16. Jahrhunderts zur Hauptstadt seines Reiches erkor, hat Madrid nicht aufgehört, Immigrantenstadt zu sein. Über Jahrhunderte war es vor allem der königliche Hof, der Arbeit versprach.
Doch die Lebensbedingungen der meisten Bewohner waren so miserabel, dass mehr Menschen starben als geboren wurden. Ohne die Zugezogenen aus Galicien, Andalusien, der Extremadura, dem Baskenland oder dem kastilischen Umland hätte Madrid nicht überlebt. Trotzdem wuchs die Stadt sehr langsam. 1910 lebten in London mehr als 7 Millionen Menschen, in Berlin gut 2 Millionen - in Madrid gerade 500 000.
"Madrid war der Spiegel eines schwachen, ineffizienten Staates, erbaut von oligarchischen Gruppen über einer ländlichen, zurückgebliebenen, in sich zurückgezogenen Gesellschaft, ohne Kontakt zum Weltmarkt und zur Weltpolitik", schreibt der Historiker Santos Juliá über das beginnende 20. Jahrhundert .
Der Anschluss an Europa sollte noch Jahrzehnte auf sich warten lassen. Spanien und Madrid erlebten das Drama des Bürgerkriegs (1936 bis 1939) und der anschließenden Diktatur des Generals Francisco Franco bis zu dessen Tod Ende 1975. Politisch blieb das Land auf dem Nullpunkt, wirtschaftlich begann es sich erst ab den Sechzigerjahren langsam zu entwickeln.

Entwicklung zur Großstadt

Während es Madrid nicht gut ging, ging es dem Rest Spaniens noch schlechter. Die Landflucht entvölkerte ganze Regionen. Die Menschen suchten ihr Glück in Deutschland oder in der Schweiz, in Katalonien oder in Madrid. 1950 lebten in Madrid schon gut 1,5 Millionen Menschen, 1970 mehr als 3 Millionen. Ein Ring von ärmlichen, schnell gebauten Häusern und Hütten umzog bald die alte Stadt.
Die meisten von ihnen sind im Lauf der Jahre gesichtslosen Wohnblocks gewichen - darin lebt es sich etwas besser als in den selbst gezimmerten Behausungen, doch architektonischen Charme sucht man in den Vororten Madrids vergebens. Wer einen Eindruck von der Wirklichkeit rund um die M 30 - den mittleren Autobahnring Madrids - bekommen will, schaue sich Pedro Almodóvars "Womit habe ich das verdient?" aus dem Jahr 1984 an: zwar schamlos überzeichnet, ist er doch bis heute einer der besten Madridfilme.
Wirklich Großstadt ist Madrid erst seit dem Ende des Franco-Regimes. Wenige Stunden nach der Nachricht vom Tod des Diktators 1975 war im ganzen Land der Sekt ausverkauft. Spanien machte sich auf den Weg zur Demokratie; beinahe alles verlief friedlich in der Stratosphäre der Politik. Doch die wahre Befreiung aus fast 40 Jahren Muff und Enge fand auf den Straßen statt - eine Explosion der Lebenslust. "Es war eine unbesonnene, verspielte, kreative Epoche voller fiebriger Nächte", erklärt Pedro Almodóvar. Für ein paar Jahre, Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger, war Madrid die heißeste Stadt der Welt.

Monarchie

Juan Carlos I. de Borbón y Borbón, Jahrgang 1938, ist populär. Als er 1975 nach dem Tod des Diktators Francisco Franco zum König der Spanier proklamiert wurde, flogen ihm nicht gerade die Sympathien seiner Landsleute zu. Er war König von Francos Gnaden; der General hatte den Enkel des letzten spanischen Königs Alfonso XIII einige Jahre zuvor zu seinem Nachfolger bestimmt.
Doch mit klugen Entscheidungen half der frisch gekrönte König seinem Land auf dem Weg zur Demokratie und ließ auch im Februar 1981 beim Putschversuch einer Reihe von Guardia-Civil-Polizisten keinen Zweifel an seiner Treue zur Verfassung und half mit, den Staatsstreich im Keim zu ersticken. Vom Respekt für den Vater profitiert auch der Sohn: Kronprinz Felipe ist beinahe so beliebt wie der Vater, erst recht seit seiner Hochzeit mit der Journalistin Letizia Ortiz im Frühjahr 2004.
 
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