Der Architekt Juan de Villanueva begann 1785 im Auftrag Karls III. mit dem Bau des Prado (zu Deutsch "Wiese") im neoklassischen Stil. Im Villanueva-Bau sind heute Werke vom 12. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ausgestellt. Schwerpunkt ist die spanische Malerei. Der Prado besitzt die umfassendsten Sammlungen von Werken El Grecos (1541 bis 1614), Velázquez (1599-1660) und Goyas (1746-1828), zudem der Velázquez-Zeitgenossen José de Ribera, Francisco de Zurbarán und Bartolomé Esteban Murillo. Außerdem herausragende Gemälde der Flamen Hieronymus Bosch, Rubens und Brueghel, der Deutschen Dürer und Cranach, der Italiener Botticelli, Rafael, Tizian, Tintoretto und Caravaggio und Hunderte Maler mehr.
Das Drama eines Museums wie des Prado ist seine Größe, die schiere Menge an Kunstwerken, die um die Aufmerksamkeit der Besucher buhlen. Der Prado besitzt mehr als 7500 Werke, von denen ein Drittel ausgestellt sind. Was erstmalige Besucher brauchen, ist Orientierung. Sie können sich durch die Säle treiben lassen, sich den Massen anschließen oder gerade die Räume suchen, wo der wenigste Trubel herrscht. Aber: Was muss man gesehen haben? Jede Auswahl ist ungerecht, doch wer sich führen lassen mag, gehe nicht achtlos an diesen Werken vorbei:

Las Meninas (Die Hoffräulein) von Diego de Velázquez (Saal 12 im Hauptgeschoss). Kunsthistoriker sind fasziniert von der Perspektive des Malers, der sich im Vordergrund, leicht im Schatten, selbst ins Bild gesetzt hat, während im Hintergrund das Königspaar Philipp IV. und Maria Anna offenbar in einem Spiegel auftaucht. Es sieht so aus, als zeige sich uns der Maler aus der Sicht des porträtierten königlichen Paares. Doch Velázquez hat die Szenerie spiegelverkehrt gemalt: als schaue er sich selbst in einem Spiegel bei der Arbeit zu. Eine Reflexion über die Kunst in der Kunst.
El Jardín de las Delicias (Der Garten der Lüste) von Hieronymus Bosch (Saal 56 a im Untergeschoss). Die gängige Interpretation des dreiflügeligen Gemäldes, entstanden um das Jahr 1500, geht davon aus, dass Bosch (auf Spanisch El Bosco) in seiner einzigartig wilden Bildsprache das Paradies, den sündigen Menschen und die strafende Hölle darstellen wollte. Der deutsche Kunsthistoriker Hans Belting ist anderer Meinung: In dem wunderschönen Bildband "Hieronymus Bosch - Garten der Lüste" erläutert er überzeugend die These, der Maler habe im Mittelteil seines Gemäldes gerade den unschuldigen, mit der Natur vereinten, zur Sünde nicht fähigen Menschen abgebildet.
Perro semihundido (Halbversunkener Hund) von Francisco de Goya (Saal 36 im Hauptgeschoss). Wer einmal den traurigen Blick des kleinen Hundes am unteren Bildrand gesehen hat, vergisst ihn nicht. Es ist eines von Goyas späteren, "schwarzen" Bildern. Im Saal 39 hängen die berühmten Erschießungen vom 3. Mai 1808, im Saal 32 das gnadenlose Gruppenbildnis Die Familie Karls IV., im Saal 21 Die bekleidete Maja und Die unbekleidete Maja. Der frühe, heitere Goya ist im Obergeschoss in den Sälen 85 und 90 bis 94 zu genießen.
Weitere Höhepunkte: David, Sieger über Goliath von Caravaggio (Saal 5), Die drei Grazien von Peter Paul Rubens (Saal 9), Die Verkündigung von Fra Angelico (Saal 49), das Selbstbildnis Albrecht Dürers (Saal 55 b), Die Kreuzigung von El Greco (Saal 61 a).
Dienstag bis Sonntag von 9-20 Uhr geöffnet, am 1. Januar, Karfreitag, 1. Mai und 25. Dezember geschlossen.
Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 4 Euro, ab 18 Uhr ist der Eintritt frei.
Nahverkehr
Bus 9, 10, 14, 19, 27, 34, 37, 45
U-Bahn
Metro 1, 2: Atocha, Banco de España