Der zwölfspurige Boulevard - das Rückgrat Madrids, das die Stadt von Nord nach Süd in zwei Hälften teilt - ist eine mondän geratene Einfallstraße, auf der sich keiner an Geschwindigkeitsbegrenzungen hält. Die authentische Art, sie zu erleben, ist eine Autofahrt.

Inoffizielles Wahrzeichen: Die Torres KIO
© wiewie /pixelio.de
An ihr nördliches Ende, auf Höhe der Plaza de Castilla, haben die amerikanischen Architekten John Henry Burgee und Philipp Johnson in den Neunzigerjahren die Puerta de Europa als modernes Stadttor gesetzt: zwei Hochhaustürme, die sich um 15 Grad gekippt einander zuneigen. Die meisten nennen die schwarz verglasten, mit Stahl und Aluminium verschnürten Gebäude nach ihrem Bauherrn, dem Kuwait Investment Office, Torres KIO - die KIO-Türme. Mit ihren 107 m reichen die Türme an wahre Wolkenkratzer nicht heran, doch ihre einmalige Form hat sie in kurzer Zeit zum inoffiziellen Wahrzeichen Madrids werden lassen. Metro 1, 9, 10: Plaza Castilla

Madrids höchstes Gebäude: Torre Picasso
© Heinz Albers
Richtung Süden geht es vorbei an gesichtslosen Wohn- und Bürohäusern, bis linker Hand das monumentale Real-Madrid-Stadion Santiago Bernabéu auftaucht und gegenüber der Kongresspalast, dessen Fassade ein unübersehbares Mosaik von Joan Miró schmückt. Nur wenige Schritte südlich beginnt das Banken- und Geschäftsviertel Azca mit der in jedem Sinne herausragenden Torre Picasso des World-Trade-Center-Architekten Minoru Yamasaki - seine 157 m machen ihn zum höchsten Gebäude Madrids. Metro 10: Santiago Bernabéu
Weiter die Castellana hinunter geht es an den Nuevos Ministerios vorbei, den gar nicht mehr so neuen Ministerien (1932 zu Zeiten der Republik begonnen und 1942 unter Franco abgeschlossen). Anschließend passieren Sie am Museo de Escultura al Aire Libre eine kleine Versammlung moderner Skulpturen - u. a. mit Werken von Eduardo Chillida und Joan Miró - unter einer Straßenbrücke, bis der Boulevard auf seinem letzten Teilstück vor der Plaza de Colón schließlich sein schönstes Gesicht zeigt: Hier haben noch ein paar Adelspaläste der Bauspekulation unter Franco widerstanden. Die Plaza de Colón selbst - der Kolumbusplatz - ist eine seelenlose Freifläche, an deren Rand die Jardines del Descubrimiento an die spanischen Entdecker Amerikas erinnern. Eine überdimensionale spanische Flagge soll hier patriotische Gefühle wecken. Metro 4: Colón/Serrano
Straße:
Paseo de la Castellana