Stadtgeschichte von Moskau
Geschichtsträchtig: Der Rote Platz
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Die Geschichte der Stadt ist am stärksten spürbar in ihrem Kern, wo Kreml und Roter Platz die Fäden von Vergangenheit und Gegenwart verknüpfen und fast magnetisch alles an sich zu ziehen scheinen: Macht, Geschichte und die Touristen. Die Stadt ist im Lauf der Jahrhunderte kreisförmig immer weiter um dieses Zentrum herum gewachsen.
Gründung und Aufstieg
Moskaus Gründungsstunde schlug vor über 850 Jahren (1147), als Fürst Juri Dolgoruki ("Langhand") sich entschloss, den Hügel oberhalb der Moskwa, Jahrhunderte zuvor von Jägern und Fischern bewohnt, zu befestigen. Aus dieser ersten Befestigung entwickelte sich dann später der Kreml. Sitz des slawischen Reiches war damals Kiew.
Erst zum Ende des 16. Jahrhunderts erlangte Moskau unter Iwan dem Schrecklichen stärkere Bedeutung. Er ließ die Basilius-Kathedrale bauen und die Stadtteile Kitay-Gorod und Weiße Stadt mit Mauern umgeben.
Iwan der Schreckliche ließ die Basilius-Kathedrale bauen
Anfang des Jahres 1613 kam mit Zar Michail der erste Romanow auf den Thron. Der visionärste Zar war Peter der Große (1682-1725), der mit der Gründung Petersburgs "das Fenster zum Westen" öffnete. Die Hauptstadt wurde von Moskau nach Petersburg verlegt. Seither rivalisieren die beiden Städte miteinander. Die Romanows regierten bis zum Sturz des Zarismus 1917. In den 300 Jahren hatte sich die Größe des Reiches verdoppelt.
Am Ende des 19. Jahrhunderts war Moskau eine Handelsmetropole mit einer Million Einwohnern. Im Rahmen eines großen Baubooms entstanden zahlreiche Jugendstilhäuser („stil modern“, wie es in Russland heißt), erstmals wurden auch mehrstöckige Wohnhäuser und Fabriken errichtet.
Revolutionen
Im Januar 1905 lehnt sich das Volk erstmals gegen die autokratische Herrschaft des Zaren auf. Der Aufstand wird blutig niedergeschlagen. Hunger und Not, verursacht durch den Ersten Weltkrieg, lösen im Winter 1916/17 neue Unruhen und Aufstände aus. Zar Nikolaj II. wird am 15. März 1917 zur Abdankung gezwungen. Eine bürgerliche provisorische Regierung sowie Arbeiter- und Soldatenräte übernehmen gemeinsam die Macht. Im April trifft Lenin aus seinem Schweizer Exil in Russland ein.
Lenin Statue auf dem Oktoberplatz
Am 25. Oktober (alter Zeitrechnung) 1917, ein halbes Jahr vor der Erschießung der Zarenfamilie, siegte die sozialistische Revolution. Die Bolschewiki stürmen unter Führung Lenins das Winterpalais in Petrograd (heute: Petersburg), den Sitz der provisorischen Regierung. Sie übernehmen die Regierungsgewalt und gründen die Sowjetunion. Der Regierungssitz wird 1918 nach Moskau verlegt. Moskau wird wieder Hauptstadt.
Die Kämpfe hatten in den meisten Stadtteilen ihre Spuren hinterlassen. Durch die Folgen der Revolution und des Bürgerkrieges setzte eine Landflucht ein, die viele Menschen auf der Suche nach Arbeit in die Städte, vor allem nach Moskau, drängte.
Telegrafenamt in der Tverskaya Straße
In den Zwanzigerjahren dann - die Sowjetmacht hatte sich etabliert - begehrten die in der Stadt lebenden Künstler, Maler, Schriftsteller und Theatertreibenden gegen den starren Kunst- und Kulturbegriff der neuen Regierung auf: Schnell entwickelten sich experimentelles Theater und Kino, avantgardistische Malerei, experimentierfreudige Literatur und konstruktivistische Architektur. Letztere ist noch zu sehen am Iswestija-Gebäude am Puschkinplatz sowie am Telegrafenamt in der Tverskaya. Diese freiheitlichen Bestrebungen in der Kunst zerstörte Stalins "Sozialistischer Realismus", seit 1934 offiziell die einzig zugelassene Form der Kunst in Russland. Viele Künstler emigrierten oder starben unter dem Diktator.
Eins der sieben Stalin-Hochhäuser
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Ein "Generalplan zur Rekonstruktion Moskaus" wurde 1935 gleichzeitig mit Beginn des Metrobaus erstellt. Erhalten blieben nur die Grundstruktur der Ringe um den Kreml und die strahlenförmig hinausführenden Straßen. Der Plan entsprach durchaus den Bedürfnissen der schnell wachsenden Stadt, in der 1935 schon 4,5 Millionen Menschen lebten. Holzhäuser und enge Gassen verschwanden, die Tverskaya wurde auf 42 m verbreitert, historische Gebäude wurden auf Rollen an ganz andere Standorte geschoben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erweiterten die Moskauer ihr Metronetz und bauten die Stalin-Hochhäuser, die heute die Silhouette der Stadt bestimmen.
Nach Nikita Chruschtschows Sturz (1964) verfiel das Land unter Leonid Breschnew und seinen Nachfolgern zunächst in Stagnation und Repression. Erst die ideologische Entmystifizierung des Stalinismus durch Michail Gorbatschow bewirkte eine Umkehr. Begriffe wie Demokratisierung, Mehrparteiensystem und Marktwirtschaft gehören inzwischen zum russischen Sprachgebrauch.
Nach der Auflösung der Sowjetunion
Nach dem Putsch im August 1991 trat Gorbatschow zurück, und die Sowjetunion wurde aufgelöst. Boris Jelzin übernahm die Nachfolge. Die Moskauer waren begeistert davon, wie sich Jelzin im Oktober 1993 gegen die nationalkonservativen Putschisten durchgesetzt hatte. Doch die Träume von damals verflogen vorerst. Nach den ersten freien Wahlen hatte Jelzin Schwierigkeiten, sich mit seinen Maßnahmen auf dem Weg zur Marktwirtschaft zu behaupten. Die Privatisierung verlief unsystematisch und willkürlich, die Preise wurden zu früh freigegeben. Sie stiegen seit 1992 um das 26fache, die Löhne und Renten jedoch nur um das 14fache. Der Lebensstandard halbierte sich.
Russischer Rubel
Doch Gorbatschow und Jelzin hatten die Grenzen geöffnet: Die Moskauer begannen in den Westen zu reisen, das Land wurde mit westlichen Waren überschüttet, und deutsche und italienische Kleinwagen bestimmten das Straßenbild der Hauptstadt. Es entstand eine russische Mittelschicht, die es bis dahin nicht gab.
Doch im verflixten siebten Jahr nach der Auflösung der Sowjetunion, im Sommer 1998, traf Russland die Krise: Der Rubel musste abgewertet werden, das Finanzsystem brach zusammen. Die Verflechtung von Kapital und Politik, die den Nährboden für mafiöse Strukturen geschaffen hatte, wurde offensichtlich.
Die Beinahepleite des russischen Staates führte dazu, dass Boris Jelzin am letzten Tag des Jahres 1999 endlich zurücktrat. Im März 2000 wurde Wladimir Putin neuer Präsident: ein ehemaliger KGB-Mann, der das Land mit zentralistischer Strenge zu regieren versucht. Putin handelt einzig mit dem Ziel, Russland wirtschaftlich und militärisch zu modernisieren. Nach dem 11. September 2001 stellte er sich auf die Seite der USA. Die Ernte, die er als Lohn für seine Solidarität einfuhr, ist reich: Russland wurde der offizielle Status einer Marktwirtschaft verliehen, und es wurde in den Club der führenden Industrienationen aufgenommen. Nicht nur die Moskauer Börse, sondern ganz Moskau boomt.