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Ausflüge

Zum Landsitz des Mäzens Sawwa Mamontow
Die Anreise mit dem Vorortszug vom Jaroslawer Bahnhof (Metro: Kommsomolskaja) dauert knapp eine Stunde (etwa 55 km). An der Station Abramtzewo - drei Stationen vor Sergijew Posad - aussteigen, dann schließt sich ein halbstündiger Spaziergang durch den Wald an (Laternen begleiten den Weg und lassen ihn erkennen). Oder Sie kommen mit dem Auto über den Prospekt Mira und die Jaroslawer Schossee.
Portrait Savva Mamontov von Ilja Repin
Portrait Savva Mamontov von Ilja Repin
© Quelle: Wikimedia Commons
Sawwa Mamontow war weder Maler noch Sänger, noch Schauspieler und auch kein Dichter, aber er liebte die Künste und hatte eine besondere Begabung, sie zu fördern. 1870 erwarb der Industrielle den Landsitz Abramtzewo, der zur Keimzelle der russischen Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts wurde. In den Holzhäusern trafen sich die Maler Ilja Repin, Michail Wrubel, Wassili Polenow, Viktor Wasnezow und Valentin Serow. Auch der Regisseur Konstantin Stanislawskij und der Sänger Fjodor Schaljapin gingen hier ein und aus, denn Mamontow hatte zudem noch die Moskauer Privatoper gegründet, mit der er 1885 den Alleinanspruch des Zaren auf Musiktheater durchbrach. Um das Haupthaus herum ließ der Mäzen kleine Holzhäuser errichten, in denen die Künstler für mehrere Wochen wohnen konnten.
Landsitz Abramtzewo
Landsitz Abramtzewo
© Optima Tours / visitrussia.com
Das Haupthaus ist heute noch in der originalen Einrichtung und mit den persönlichen Gegenständen des Mäzens ausgestattet. Ein kleines Theater entstand damals, ebenso verschiedene Werkstätten. Auch eine Nachbildung der Nowgoroder Kathedrale wurde gebaut, deren Ikonen Repin, Wasnezow und Polenow malten. Märchenmaler Wasnezow entwarf außerdem das eigentümliche "Häuschen auf Hühnerbeinen". Sawwa Mamontow war nicht nur Finanzier, er bildete den Mittelpunkt dieser illustren Gesellschaft, und er liebte es, für seine Gäste zu musizieren und als Schauspieler zu agieren. Die ganze Anlage, die sich in einem schönen, weitläufigen Park befindet, ist heute ein Museum (Mittwoch bis Sonntag 11 bis 17 Uhr).
Moskaus Palästina
Etwa 60 km westlich von Moskaus Zentrum entfernt liegt Istra, die Perle der Moskauer Vororte - in ökologisch noch relativ reiner Natur. Mit der Elektritschka, dem Vorortzug, fahren Sie vom Rigaer Bahnhof (Metro: Rischskaja) etwa 1 Stunde bis zur Station Neu-Jerusalem. (Mit dem Auto über die Wolokolamskoje Schossee.) Während dieses Ausflugs, der sowohl bei Schnee als auch im Sommer überaus lohnend ist, lernen Sie die Landschaft um Moskau kennen und schätzen.
Kloster Neu-Jerusalem
Kloster Neu-Jerusalem
Patriarch Nikon initiierte im 17. Jahrhundert die größte Reform der russisch-orthodoxen Kirche. Mit seinem Anspruch der Oberhoheit der Kirche über den Staat kam er mit Zar Aleksej ins Gehege. Seine herrische Art brachte ihm viele Feinde ein, aber Patriarch Nikon schuf auch ein großartiges Bauwerk: Neu-Jerusalem.
Am Flüsschen Istra, damals noch weit vom Moskauer Zentrum entfernt, kaufte er Land und nannte es das "russische Palästina". Der Fluss Istra wurde zum Jordan, der Hügel in der Mitte des Gebiets zum Berg Zion.
Zar Peter der Große 1838
Zar Peter der Große 1838
Patriarch Nikon setzte sich das ehrgeizige Ziel, die Kirche des heiligen Grabes in Jerusalem, das älteste christliche Gotteshaus, nachzuahmen und zu übertreffen. 6000 Leibeigene errichteten ab 1656 das "Bauwerk des Jahrhunderts", die Auferstehungskathedrale. Eine architektonische Meisterleistung der damaligen Zeit war das Dach der Kathedrale, das mit zahlreichen Fenstern hoch emporragt. Es ist für alle Reisenden, die von Westen nach Moskau kommen, weit sichtbar. "Der Weg ins ferne Land ist lang, und viele können eine Reise über eine so große Entfernung nicht machen", steht in einer Inschrift am Eingang zur Hauptkathedrale.
Es kamen nicht nur viele Pilger nach Neu-Jerusalem. Auch alle Zaren machten es sich zur Pflicht, das heimische "Heilige Land" zu besuchen. Klöster waren damals bedeutende Verteidigungspunkte zur Abwehr von Feinden, und so erhielt das Kloster Neu-Jerusalem im ersten Jahr der Regierung von Peter dem Großen einen starken Schutzwall: Eine militärische Festung entstand. Unter Zarin Elisabeth wurde die durch einen Brand zerstörte Hauptkirche des Klosters im Stil des Russischen Barock neu aufgebaut.
Anton Pawlowitsch Tschechow 1889
Anton Pawlowitsch Tschechow 1889
Im 19. Jahrhundert wuchsen um das Kloster schicke Datschensiedlungen der Moskauer Intelligenz. Auch Anton Tschechow verbrachte oft die Sommer in dieser Gegend, die ihn zu seinem Drama "Der Kirschgarten" inspirierte.
Die Revolution konnte dem Kloster nichts anhaben, es blieb unversehrt. Doch 1941 zerstörten und plünderten die deutschen Truppen die Anlage. Jahrzehntelang wurde restauriert. Eine Museumsausstellung (Gemälde, Waffen und Porzellan) etablierte sich in den Räumen (Dienstag bis Sonntag 10 bis 17.30 Uhr, letzter Freitag im Monat geschlossen). Im Park befindet sich ein ethnografisches Freilichtmuseum russischer Holzarchitektur des 17. und 18. Jahrhunderts. Ein beeindruckender Komplex, dessen Erkundung Sie mit einem Spaziergang in der Umgebung verbinden können.
Auf den Spuren des Dichters Boris Pasternak
Einen Tag sollten Sie für einen Ausflug nach Peredelkino schon einplanen. 40 km westlich von Moskaus Zentrum entfernt liegt in einem kleinen Tal die Siedlung der Dichter. Vom Kiewer Bahnhof fahren Sie mit der Elektritschka etwa eine halbe Stunde. Einfacher jedoch ist die Fahrt mit dem Auto zu bewältigen.
Kiewer Bahnhof in Moskau
Kiewer Bahnhof in Moskau
Anfang der Dreißigerjahre entstand auf Befehl Stalins westlich von Moskau eine Siedlung von Luxusdatschen. Eigentlich bestimmt für Admirale, doch da es genügend gab, bekamen berühmte Literaten diese Sommerhäuser zugewiesen. Seit Ende der Dreißigerjahre wurde in Peredelkino die sowjetische Literatur gemacht: Die Dichter und Schriftsteller lebten in idyllischen Holzhäusern in großzügigen Gärten und ließen sich durch die Ruhe und durch die Natur inspirieren. Auch Boris Pasternak (1890-1960) genoss den Gang durchs freie Feld. Damals galt er als anerkannter Poet und erhielt für sich und seine Familie eine Datscha. Die Jahre des Stalin-Terrors dann überlebte Pasternak zurückgezogen. Als Dichter verstummt, ernährte er sich und seine Familie mit Übersetzungen.
Boris Leonidowitsch Pasternak
Boris Leonidowitsch Pasternak
Ende der Vierzigerjahre begann er hier in Peredelkino mit seinem Roman "Doktor Schiwago". Der Roman erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte des Arztes und Dichters Juri Schiwago vor dem Hintergrund der Revolution und des Bürgerkriegs. Es ist auch die Geschichte einer unglücklichen Liebe, die autobiografische Züge trägt. Nach Stalins Tod 1953 und dem verheißungsvollen 20. Parteitag 1956 hoffte Pasternak auf eine Veröffentlichung in der Sowjetunion. Doch das war vergeblich. So übergab er das Manuskript einem italienischen Journalisten, der es aus dem Land schmuggelte. Der Verlag Feltrinelli veröffentlichte den Roman 1957. Dem Dichter brachte dies Weltruhm und den Nobelpreis, den er nicht annehmen durfte. Eine Hetzjagd begann. Pasternak konnte diese nicht mehr durchstehen. Im Mai 1960 starb er in Peredelkino an Lungenkrebs.
Museum und Haus von Boris Pasternak
Museum und Haus von Boris Pasternak
© Bolesław Niemen (public domain)
Nach seinem Tod führten seine Angehörigen einen langen Kampf, denn sie wollten die Datscha als Museum erhalten. Erst 1990 gelang es, das Haus zum Museum (Donnerstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr, ul. Pawlenko 3) werden zu lassen: Alles ist dort so erhalten, wie es zu Pasternaks Lebzeiten war: der Schreibtisch, an dem er "Doktor Schiwago" schrieb, das Esszimmer, in dem er Freunde und Kollegen empfing, und das Bett, in dem er sich zur letzten Ruhe legte. Ein lohnenswerter Besuch. Zudem ist es schön, durch die Alleen der Datschensiedlung unter Birken und Tannen zu spazieren. Leider sind in den letzten Jahren viele Datschen von reichen Russen aufgekauft worden, was die Atmosphäre in dem Ort ein wenig veränderte. Nach dem Rundgang, auf dem Weg zurück zum Bahnhof, lohnt ein kurzer Abstecher auf den Friedhof. Hier befindet sich das Grab Pasternaks. Auch die kleine Kirche Christi Verwandlung gegenüber dem Friedhof sollten Sie nicht versäumen. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert und besitzt eine schöne Ikonostase.
Klostertour aufs Land
Dieser Tagesausflug führt Sie zu dem bedeutendsten Kloster der russisch-orthodoxen Kirche. 70 km nordöstlich von Moskau, auf einer kleinen Anhöhe am Rand der Provinzstadt Sergijew Posad, liegt hinter weißen Festungsmauern das Wallfahrtszentrum. Man erreicht Sergijew Posad mit dem Vorortzug vom Jaroslawer Bahnhof in einer 1-stündigen Fahrt. Oder mit dem Auto über den Prospekt Mira und die Jaroslawer Schossee.
Dreifaltigkeitskloster von Sergi Radoneschski
Dreifaltigkeitskloster von Sergi Radoneschski
Durch den Torweg, das Heilige Tor, und die dahinter liegende Torkirche an der Ostseite betreten Sie den weiträumigen, trapezförmigen Klosterbezirk. Fresken schmücken die Wände der 1692 erbauten Torkirche. Sie zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Sergi Radoneschski. Er gründete das Kloster 1340. Der berühmteste russische Ikonenmaler Andrej Rubljow zählte zu seinen Schülern. Noch im 14. Jahrhundert stieg das Kloster zum bedeutendsten Heiligtum (Lawra) des Russischen Reiches auf. (Es gibt vier Lawras, diese sind die bedeutendsten Klöster Russlands.)
Nach dem Tod des heiligen Sergij 1392 errichtete man die Dreifaltigkeitskirche, die älteste der Klosterkirchen, über seinem Grab. Dieses Gotteshaus ist die Anlaufstelle der Pilger, die das Kloster aufsuchen. Die Wände sind mit Fresken verziert, die Ikonostase vereint kostbare Ikonen, einige stammen von Andrej Rubljow.
Goldene Sterne auf den blauen Kuppeln
Goldene Sterne auf den blauen Kuppeln
Eine Besichtigung der Klosteranlage (Dienstag bis Sonntag 10 bis 17.30 Uhr, www.musobl.divo.ru) kommt einem Spaziergang durch sechs Jahrhunderte russischer Baukunst gleich. Rechts vor der Dreifaltigkeitskirche errichteten Poskower Architekten 1476/ 77 die kleine Heilig-Geist-Kirche, deren hoher Glockenturm auch als Beobachtungsposten diente. Iwan der Schreckliche ließ die größte Kirche auf dem Klostergelände erbauen, die Maria-Himmelfahrts-Kathedrale. Der 1585 (ein Jahr nach dem Tod Iwans) geweihte Sakralbau wurde wie das gleichnamige Vorbild im Moskauer Kreml mit fünf Kuppeln ausgestattet: Im Zentrum glänzt ein goldener Zwiebelturm, der von vier blauen Kuppeln mit goldenen Sternen umrahmt ist. Erst fast hundert Jahre später bemalten Jaroslawer Künstler den Innenraum mit Fresken. Sie zeigen Mariä Himmelfahrt. Die Gräber von Zar Boris Godunow und seiner Familie befinden sich in dieser Kathedrale.
1686-92 wird das barocke Refektorium errichtet. Die rot-gelb-grün-blaue Fassade durchbrechen weiße Säulen, die mit Weintrauben und Ranken bemalt sind. Beeindruckend ist der 70 m lange Saal, der bei Feierlichkeiten von den Zaren und der hohen Geistlichkeit genutzt wurde. Daneben der Palast des Metropoliten. Er nimmt sich vergleichsweise bescheiden aus. Hinter der Maria-Himmelfahrts-Kirche zieht die Brunnenkapelle die Pilger an. Im 17. Jahrhundert mit reich verzierten Säulen über einer heiligen Quelle erbaut, wird das heilige Wasser bis heute getrunken und in Gefäßen weggetragen.
Glockenturm auf dem Klostergelände
Glockenturm auf dem Klostergelände
Daneben ragt 87 m hoch ein frei stehender Glockenturm auf. Mit seiner goldenen Krone und einem goldenem Kreuz gilt er als der schönste Russlands. Im ehemaligen Spital ist das Klostermuseum untergebracht, das neben einer Ausstellung über die Geschichte des Klosters auch Ikonen und Kunsthandwerk sowie Steinmetzarbeiten, Holzschnitzereien und Webarbeiten zeigt.
Nicht nur Touristen und Pilger beleben das Klostergelände, sondern auch junge Geistliche, die hier ihre Ausbildung vollenden oder Seminare machen. An hohen kirchlichen Feiertagen kommen viele Gläubige nach Sergijew Posad.
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