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Stadtspaziergänge

Kreml am Fluss Moskwa
Kreml am Fluss Moskwa

Auf den Spuren der russischen Kunst

Auf diesem Spaziergang, der einige Museumsbesuche miteinschließt, lernen Sie die reiche russische Kunst von der Ikonenmalerei bis zu modernen Werken der heutigen Zeit kennen. Mit den Museen sollten Sie dafür einen halben Tag, sicherlich vier bis fünf Stunden einplanen.
Auf der kleinen Halbinsel zwischen Moskwa und dem Wodootwodnyj-Kanal gegenüber dem Kreml beginnt dieser Spaziergang. Hier im Bolotnaja Ploschadj, einem kleinen Park unterhalb der großen Steinbrücke, stellen bei schönem Wetter Moskauer Künstler aus. Inmitten der Anlage befindet sich das Denkmal von Ilja Repin (1844 bis 1930), dem bedeutendsten Vertreter der russischen realistischen Malerei. Er weist den Weg in die Tretjakow-Galerie. Sie gehen über die kleine Fußgängerbrücke des Kanals in den Stadtteil Samoskworetsche.
In eine Schleife der Moskwa eingebettet liegt das alte Kaufmannsviertel, das früher kurz Saretsche - jenseits des Flusses - genannt wurde. In Samoskworetsche mischen sich Stile und Lebensweisen mehrerer Jahrhunderte. Das macht das Viertel malerisch und fremdartig zugleich. Es ist der Stadtteil Moskaus, der sein ursprüngliches Aussehen am stärksten bewahrt hat. Hier trifft noch zu, was Walter Benjamin bei seinem Moskaubesuch in den Zwanzigerjahren schrieb: "Mit Moskaus Straßen hat es eine eigentümliche Bewandtnis, das russische Dorf spielt in ihnen Versteck."
Blick aus der Basiliuskathedrale auf den Roten Platz
Blick aus der Basiliuskathedrale auf den Roten Platz
© Rainer Eikel / pixelio.de
Einst siedelten hier Tataren. Strelitzen, die "Musketiere" des Zaren, kamen im 17. Jahrhundert hinzu, Handwerker gingen ihren Tätigkeiten nach. Erst als Peter der Große Petersburg zur Hauptstadt ernannte, bauten hier vermehrt Kaufleute ihre Häuser. Im 19. Jahrhundert entstanden die ersten Fabriken, mehrere Kirchen, die Kremlmauer und einige Klöster. Ein Wall schützte vor möglichen Angreifern aus dem Süden. In diesem Viertel gibt es noch viele Kirchen, die - in der Sowjetzeit zweckentfremdet - nun nach und nach wieder als Gotteshäuser genutzt werden.
Hinter der Brücke gelangt man in die Lavrushinsky Pereulok, eine schön angelegte Fußgängerzone, die direkt zur Tretjakow-Galerie führt. Doch vorher sind linker Hand der rotweiße Glockenturm und die grünen Kuppeln der Auferstehungskirche in Kadaschi zu sehen. Die Kirche aus dem 17. Jahrhundert zeigt ein gutes Beispiel des Moskauer Barock.
Nach dem Besuch der Tretjakow-Galerie geht es durch die Parallelstraße zurück zum Kanalufer. In dieser Straße, der Malyj Tolmachevsky Pereulok, lebten zur Tatarenzeit die Dolmetscher, die zwischen Russen und Tataren vermittelten. Das Ufer entlang führt der Weg bis zur Malaja Jakimanka. Es lohnt ein Abstecher in das Haus Nr. 5 zur Guelman-Galerie, einer der besten Galerien der Hauptstadt, in der zeitgenössische Malerei und Grafik russischer Künstler ausgestellt werden.
Christ-Erlöser-Kathedrale
Christ-Erlöser-Kathedrale
Zurück am Kanalufer, kann man einen Abstecher in das Kunstzentrum Artstrelka machen oder über eine Fußgängerbrücke zur Christ-Erlöser-Kathedrale hinübergehen. Am Ende der Halbinsel erreicht die Moskwa wieder ihre volle Breite. Ein neues Denkmal können Sie kaum übersehen, das zu heftigen Diskussionen führte und die mächtige Kathedrale fast winzig aussehen lässt: Es ist das Monument Peters des Großen, der auf dem Bug eines Segelschiffes steht. Die Reaktionen der Moskauer reichen von euphorischer Beifallsbekundung über Gleichgültigkeit bis hin zu blankem Entsetzen. Entworfen hat das Ensemble Surab Zereteli, ein Günstling von Bürgermeister Luschkow. Angelangt im Park Iskusstv, dem Park der Künste, sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Zentralhaus des Künstlers, das auch die Neue Tretjakow-Galerie beherbergt. 40 Säle - im obersten Stock des Gebäudes - zeigen die Malerei der russischen Avantgarde von 1910 bis heute.
Der Arbat im Winter
Der Arbat im Winter

Arbat - Das Viertel der Moskauer Literaten

Der Arbat, zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Viertel der Künstler und Literaten, lockt heute mit seiner Fußgängerzone vor allem Touristen an. Zwei bis drei Stunden sollten Sie für diese literarische Spurensuche rechnen.
"Ach, Arbat, mein Arbat", sang Bulat Okudschawa über das Viertel zwischen dem Novy Arbat und der Pretschistenka und weckte nostalgische Gefühle bei den Moskauern. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Stadtteil, den zuvor Handwerker und Kaufleute bewohnt hatten, zum Quartier der Künstler, Schriftsteller und Schauspieler.
"Arbat" kommt aus dem Mongolischen und bedeutet "Vorstadt". Schon seit Ende des 15. Jahrhunderts ist der Arbat urkundlich belegt. Ihn durchquerte der Handelsweg, der von Smolensk kommend direkt auf den Kreml zuläuft. In den Sechzigerjahren zerstörte Chruschtschow den gewachsenen Stadtteil, indem er die weithin sichtbaren, grauen Hochhäuser errichten ließ.
Das Herz des Arbat liegt etwas weiter südlich. Es ist die Fußgängerzone Arbat, die vom Arbat-Platz zum Smolensker-Platz führt. An diesem überragt eines der im stalinistischen Zuckerbäckerstil erbauten Hochhäuser, das Außenministerium, die niedrigen Altbauten. Die Fußgängerzone ist heute eine Touristenmeile, auf der Souvenirhändler ihre Waren anbieten, Porträtmaler, Straßencafés und Antiquitätenläden auf Kundschaft warten.
Basilius-Kathedrale im Zuckerbäckerstil
Basilius-Kathedrale im Zuckerbäckerstil
© ugub / pixelio.de
Jedes Haus hat seine Geschichte. Vom Smolensker-Platz her kommend liegt rechts im Haus Nr. 55 die Wohnung, in der der Symbolist Andrei Bely 1880 als Boris Bugajew geboren wurde und in der er seine Kindheit und Jugend verbrachte. Sein berühmtester Roman "Petersburg" entstand 1916. Direkt nebenan (Nr. 53) befindet sich das Puschkin-Wohnhaus (täglich außer Montag und Dienstag 11-18 Uhr). Im ersten Stock des blauweißen Palais Chitrowo verbrachte Russlands größter Dichter Alexander Puschkin (1799-1837) nach seiner Hochzeit mit der Moskauer Schönheit Natalja Gontscharowa die ersten drei Monate seiner Ehe, bevor das Paar Richtung Petersburg aufbrach. Das Museum vermittelt einen Eindruck von der Lebenswelt in Moskau zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Jahre später lebte der Komponist Pjotr Tschaikowski in diesem Haus.
Ein kleiner Abstecher führt von der Fußgängerzone - rechts und dann sofort wieder links - in die Krivoarbatsky Pereulok. Etwas versteckt zwischen Wohnblöcken steht hier (Nr. 10) ein Juwel Moskauer Architektur: die zwei Wohnzylinder, die der konstruktivistische Architekt Konstantin Melnikow (1890-1974) für sich und seine Familie 1927 errichtete. Melnikow lebte hier bis zu seinem Tod. Seit sein Sohn 2006 starb, ist die Zukunft des Gebäudes ungewiss. Zurück auf dem Arbat führt der weitere Weg in die Bolschoj Nikolopeskovsky pereulok.
Alexander Skrjabin (1872-1915)
Alexander Skrjabin (1872-1915)
Auf der linken Seite dieser Gasse (Nr. 11) finden Sie das Skrjabin-Museum. In der Wohnung, in der der Komponist Alexander Skrjabin (1872-1915) starb, ist alles wie zu seinen Lebzeiten belassen. Hier werden regelmäßig kleine, aber sehr feine Konzerte gegeben.
Am Ende der Gasse führt der Spaziergang auf den Novy Arbat, den Sie unterqueren, um auf der anderen Seite in die Borisoglebsky pereulok einzubiegen. Haus Nr. 6 wurde erst vor ein paar Jahren ein Museum für die Dichterin Marina Zwetajewa (1892-1941). Das Gebäude hatte ihr ihr Vater, Direktor des Puschkin-Museums für bildende Künste, großzügig zur Hochzeit geschenkt.
Der Dichter Michail Lermontow 1837
Der Dichter Michail Lermontow 1837
Nur ein paar Schritte sind es von hier in die Malaja Molchanovka Nr. 2. Der Dichter Michail Lermontow (1814-1841) lebte in dem Holzhaus drei Jahre, während er an der Moskauer Universität studierte. Hier entstanden viele seiner Gedichte.
Die Bolschoi Rzhevsky Pereulok führt zur Bolschaja Nikitskaya und direkt auf die Kirche der Großen Auferstehung aus dem 19. Jahrhundert zu, in der sich Puschkin und Natalja Gontscharow trauen ließen. Dahinter in der Malaja Nikitskaya 6/2: eine prachtvolle Jugendstilvilla, die Villa Rjabuschinskaja. Stalin stellte sie dem Schriftsteller Maxim Gorki zur Verfügung, nachdem dieser 1931 - nach langjähriger Emigration - reumütig in die Sowjetunion zurückgekehrt war. 1936 starb Gorki hier, heute als Gorki-Wohnhaus zu besichtigen.

Vom Handelsviertel Kitay-Gorod zu den Shoppingmeilen

Zwei Stunden und mehr können Sie auf diesem Weg von den alten Handelsreihen über die frühen Luxuseinkaufsmeilen zum neuen Einkaufszentrum flanieren.
Kaufhaus GUM am Roten Platz
Kaufhaus GUM am Roten Platz
© GUM
Der Spaziergang beginnt am Kaufhaus GUM und an den hundert Jahre alten Handelsreihen am Roten Platz. Von der Il'inka uliza, im 19. Jahrhundert mit ihren Bankhäusern und Handelskontoren das kommerzielle Herz Moskaus, durchqueren Sie das GUM zur Nikol'skaya uliza. Schon zum Ende des 12. Jahrhunderts siedelten hier Händler und Kaufleute, die den Zarenhof belieferten. Im Innenhof von Nr. 7 finden sich Reste des Sajkonospasskij-Klosters aus dem 15. Jahrhundert. Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert hinein lehrte hier die erste höhere Lehranstalt Russlands, die Slawisch-Griechisch-Lateinische Akademie, an der auch der spätere Gründer der Moskauer Universität, Michail Lomonossow, studierte.
Von den Bauten des Klosters sind neben der im 17. Jahrhundert errichteten Kathedrale nur ein Wohngebäude aus dem 17. Jahrhundert und die ehemalige Schule von 1822 erhalten. Im Haus Nr. 15, einem blauen Gebäude im gotischen Stil, befand sich die Synodaldruckerei. Im Hof der einstigen Druckerei stehen noch zwei Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, die zum Kaiserlichen Druckereihof gehörten. In deren Vorgängergebäude wurde 1564 das erste Buch Russlands gedruckt: die "Apostelgeschichte". Heute können Sie hier ausgiebig im Historischen Archiv stöbern.
Das Hauptgebäude der KGB 1983
Das Hauptgebäude der KGB 1983
Das Nebengebäude beherbergte das berühmteste Moskauer Restaurant Slawjanskij Basar, in dem vor hundert Jahren die Größen der russischen Kultur speisten. Nach einem Brand 1993 hat das Restaurant leider noch immer nicht wieder eröffnet.
Die Nikol'skaya führt auf den Lubjanka Platz. An der Ecke zum Platz wurde 1999 ein postmodernes Handels- und Einkaufszentrum errichtet. Gegenüber thront majestätisch das berüchtigte Hauptgebäude der KGB, die Lubjanka. Mit der Straßenunterführung unterqueren Sie nun den Teatral'ny proyezd und kommen direkt am Detskij Mir, dem alten Kinderkaufhaus, wieder ans Tageslicht. Hinter dem Kaufhaus biegen Sie in die Bolschaja Lubyanka ein, anschließend in die zweite Straße links, die Kuznetskiy Most (Schmiedebrücke).
Bis zur Oktoberrevolution befand sich die Straße fest in der Hand der Haute Couture. Auch der Juwelier des Zaren Fabergé bot hier seine Kunstwerke an. Langsam kehren die eleganten Läden zurück: Gegenüber von Fabergé eröffnete eine Dependance von Cartier, daneben Versace und wiederum auf der anderen Straßenseite Valentino. Weiter unten finden Sie eine exklusive Boutique von Christian Lacroix.
Rechts geht es nun in die Neglinnaya uliza, dann betreten Sie sofort links die Petrovsky Passasch, eine der elegantesten Einkaufspassagen Moskaus. Auf der anderen Seite, in der Petrowka, verlassen Sie die Einkaufspassage wieder. Die Petrowka erhielt ihren Namen von dem 1380 gegründeten Wysoko-Petrowskij-Kloster, dessen Glockenturm in nördlicher Richtung auf einer Anhöhe zu sehen ist. Gegenüber das Museum für moderne Kunst. In der Petrovsky Passasch befindet sich eine Filiale des Bosco-Cafés. Hier ist es nicht nur ein Genuss, die kleinen Fruchttörtchen mit Tee oder Latte macchiato zu probieren, auch die Salate sind vom Feinsten. Ein schöner Abschluss des Spaziergangs.
 
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