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Kinotipp: KEEP SURFING

Ein Film über Menschen, Surfen, das Leben und eine Welle
mitten in München

Keep Surfing Filmplakat
© brl-pipelinepictures
"Im Prinzip geht es darum, den Leuten eine Freude zu machen und ihnen zu zeigen, dass das Leben schön sein kann – und dass man mutig sein sollte. Wenn man etwas machen will, dann sollte man es auch tun. Auch darum geht es in keep surfing." Björn Richie Lob.
KEEP SURFING ist ein junger und packender Kinofilm über München - das deutsche Mekka des Wellenreitens – und ein mitreißendes Plädoyer für ungebändigte Lebensentwürfe.
 

Die Handlung

Bereits vor 35 Jahren stürzte sich der erste Wahnsinnige mit seinem Surfbrett in eine Flusswelle. Frei nach dem Motto "People are more interested in people than anything else" stehen im Film "keep surfing" neben atemberaubenden Surf- Aufnahmen vor allem die ausgefallenen Lebensentwürfe seiner Protagonisten im Mittelpunkt, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
In der Voralpenmetropole München hat sich eine ganz besondere Subkultur gebildet: Die Eisbach-Surfer, sportfanatische Beach Boys, die auf einer stehenden Welle im Isarableger Eisbach direkt am Englischen Garten vor Zuschauern ihre Tricks zeigen. Aber eigentlich wollen Dieter, Walter, Quirin, Forian, Gerry und Eli ihre Ruhe haben und sind lediglich dem Spaß verpflichtet. Neben der spektakulären Sucht nach Freiheit und Lebenslust führen sie ein ganz normales Leben als Zivilisten, die ein besonderes Hobby pflegen.
 
Surfer am Eisbach
Surfer am Eisbach / © brl-pipelinepictures

Die Personen

Björn Richie Lob sind atemberaubende Aufnahmen der Wellenreiter gelungen. Mit nicht weniger Geschick hat er seinen Protagonisten Geheimnisse entlockt, die sie sonst niemandem erzählen. Denn Lob ist einer von ihnen, selbst ein Flusssurfer und radikaler Individualist, der seinem Filmtraum bedingungslos folgte. Vor Ort war er in fünf Jahren Produktionszeit immer wieder Regisseur und Kameramann zugleich.
Keep surfing folgt sechs Ausnahmesurfern auf eine Ausnahmewelle – und zeigt dabei Lebensentwürfe, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Im Wetsuit teilen sie als Sportler die gleiche Leidenschaft, privat aber sind sie Informatiker, Kameramann oder Arzt. Nur einer verdient mit Surfen sein Geld, ein anderer hält sich mit dem Bau von Didgeridoos über Wasser und der letzte im Bunde betreibt einen Barbershop in Oregon.
 
Björn Richie Lob
Björn Richie Lob / © Gerald von Foris
Dieter Deventer ist Familienvater, Kameramann und leidenschaftlicher Flusssurfer: Nach seinem abgeschlossenen BWL-Studium drehte er drei Skifilme, bevor er sich an der Hochschule für Fernsehen und Film bewarb. Nach dem Studium hatte er einen Job ausgewählt, mit dem er Surfen und Arbeiten unter einen Hut bringen konnte – und wurde angesehener Kameramann. Vor über 30 Jahren hat er schon die Anfänge am Eisbach gefilmt , die dann auch in den Film integriert wurden. Einige der schönsten Filmsequenzen zeigen nun 16mm- Material von den Anfängen des Flusssurfens.
 
Walter Strasser - Der "Hausmeister" der Eisbachwelle Strasser hat die Planken in die Eisbachwelle eingebaut, die das Wasser überhaupt erst zu einer stabilen Welle stauen. Früher war er Tankschutzmonteur und reinigte Chemietanks. Als ihm klar wurde, dass er mit seiner Arbeit seine Gesundheit ruinierte, hörte Strasser auf – und entdeckte die Floßlände, eine wasserstandsabhängige kleine und leichtere Isarwelle, wo er zu surfen anfing. Er fing auch an, professionell Didgeridoos, Blasinstrumente der australischen Aborigines, zu bauen. Mittlerweile gehört er zu den renommiertesten Instrumentenbauern weltweit und lebt auf Sardinien.
Quirin Rohleder in Aktion
Quirin Rohleder in Aktion
© brl-pipelinepictures
Quirin Rohleder - Vom Eisbach an die besten Surfspots der Welt. Mit 13 Jahren begann Rohleder mit dem Bodyboard, einem kürzeren Brett, das hauptsächlich im Liegen gesurft wird, am Fluss und wurde schnell der beste Surfer am Eisbach. Rohleder schlug den vielfachen amerikanischen Champion und Surflegende Kelly Slater bei einem Contest. Und er hat es geschafft, vom Surfen zu leben.
Florian Kummer und Gerry Schlegel - Mediziner und Informatiker, aber vor allem Surfer. Florian Kummer ist Orthopäde, er macht gerade seinen Facharzt. Er hat als Skispringer angefangen, daraus resultiert auch das Faible von "Mr. No Fear" für die hohen Sprünge, die im Film zu sehen sind. Gerry war einer der jüngsten und radikalsten Surfer am Eisbach – immer schon. Er steckte damals in seinem Informatikstudium, und als der Film fertig wurde, machte er sein Diplom.
 
Eli Mack auf dem Weg zum Eisbach
Eli Mack auf dem Weg zum Eisbach
© brl-pipelinepictures
Eli Mack - Von den Straßen San Diegos auf das Surfbrett und die Eisbachwelle. Der Mann, der über 120 Flusswellen weltweit gefunden hat und sie surfte, ist im Ghetto von San Diego mit drogenabhängigen Eltern aufgewachsen. Er zog mit 16 von zu Hause aus und lebte bei einer Gang. Als er Ärger mit einem Drogenboss bekam, musste er aus San Diego flüchten und ging nach San Francisco. Erst als Eli Mack in einer monströsen Flusswelle in Kanada, die auch im Film zu sehen ist, beinahe ertrinkt, beschließt er, sein Leben zu ändern. Björn Richie Lob hat ihn überredet, nach München zu kommen, um dort das Riversurfing kennenzulernen.
Björn Richie Lobs Kinodebüt und erster abendfüllender Dokumentarfilm wurde bei seiner Weltpremiere auf dem Filmfest München 2009 mit dem Bayern3-Publikumspreis ausgezeichnet.
 
 
Ausnahmesurfer auf der Ausnahmewelle
Ausnahmesurfer auf der Ausnahmewelle / © brl-pipelinepictures
 

Surfkultur und Müchen

Keep surfing zeigt eine Seite der Stadt, die ihr viele nicht zutrauen wollen. Ein bisschen ruppiger, alternativer, freier und exzentrischer als allgemein erwartet. Es wird zwar häufiger über die teuersten Mieten und dicksten Karren in Deutschland geredet, dem Schickimicki in München kann man aber auch einfach ausweichen und alternative Lebensentwürfe verwirklichen.
Die Eisbachwelle macht München zum Surfspot
Die Eisbachwelle macht München zum Surfspot
© brl-pipelinepictures
Dass der Eisbach dem hitzigen Glamour ein wenig Abkühlung verschafft, haben sogar Politiker verstanden. Deshalb wollen sie das, was einst als anarchistische Aktion von Andersdenkenden begann, die einfach den öffentlichen Raum für sich beanspruchten, nun unbedingt mit städtischer und staatlicher Hilfe erhalten.
CSU-Mann Georg Fahrenschon zog sich ein "Retter der Eisbachwelle"-T-Shirt an, um seine Solidarität mit den Surfern zum Ausdruck zu bringen. Auch Guido Westerwelle hat 2008 für sie unterschrieben. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) findet sie sowieso gut. Die Welle mag zwar leicht für politisches Kapital auszuschlachten sein, aber sie ist auch ein echtes Symbol für Lebensträume: Gerade heute braucht es die unabhängigen Querdenker mehr denn je – gut, wenn sie lässig auf ihrer perfekten Welle stehen.
Fast nebenbei vermittelt keep surfing, dass die Stadt München viel mehr ist als nur die Heimat wohlhabender Bier- und Brezelliebhaber. Der Film wirft einen Blick auf das anarchistische Herz der Stadt, zeigt sie als Heimat von Individualisten und als einen Ort, von dem aus diese Jungs in die weite Welt aufbrechen. Trotz aller Gegensätze führt sie die Welle im Herzen Münchens immer wieder zusammen.
 
 
 
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