Historisch gesehen hat München gegenüber den anderen beiden bayerischen Großstädten Augsburg und Regensburg einen kleinen Makel: Es war kein Siedlungsort der Römer, die unter Cäsar in diese Gegend einmarschiert sind. Doch haben hier Menschen schon in der Jungsteinzeit gelebt und Spuren hinterlassen. Die Kelten trieben sich dann im 6. Jahrhundert in der Gegend herum, und im 10. Jahrhundert befanden Mönche vom Tegernsee, dass diese Gegend ideal zum Besiedeln sei. Also ließ man sich in "Munichen" nieder, und seither ziert das Stadtwappen ein Mönch, im schwarzen Habit mit Goldrand. (Dass das Münchener Kindl als Stadtmaskottchen ebenfalls im Mönchsgewand steckt, ist ein ganz und gar unklerikaler Scherz der Geschichte.)
Für Besucher empfiehlt es sich, das Auto am Stadtrand oder in der Hotelgarage zu lassen. Denn Parkplätze in der Innenstadt sind selten. Und wer falsch parkt, wird abgeschleppt oder bekommt zumindest ein schmerzhaft teures Knöllchen. Was aber ist nun Touristen zu empfehlen, damit sie einen ersten, möglichst typischen Eindruck von der Stadt bekommen? Wer mit dem Zug kommt, sollte vielleicht durch den Alten Botanischen Garten runter zum Promenadeplatz wandern, weiter über den Marienplatz, hinter dem Rathaus vorbei, zur Maximilianstraße, nach Norden in die Residenzstraße einbiegen und sich in den Pfälzer Weinprobierstuben vom ersten Eindruck erholen. Wer Münchner Luft atmen will, sollte in den Biergarten vom Augustiner gehen. Im Schatten der Kastanien bringt eine freundliche (!) Kellnerin ein kühles Weißbier, dazu irgendwas Feines, Bayerisches zum Essen. Von Ferne tost der Großstadtverkehr, doch hier ist eine Oase des Friedens. Und egal, woher man kommt, dann ist man froh, in München zu sein.
München ist immer beides: Großstadt und Provinz, Metropole und Millionendorf, High-Tech-Bastion und Trachtenwerkstatt, vielfacher deutscher Fußballmeister mit dem FC Bayern und einstiger Arbeiterverein mit dem Bundesligisten TSV 1860 München. München ist Universität und Analphabetismus, Villenvorort und Glasscherbenviertel, Jugendstilarchitektur und Vorstadtsünde, oder, um es kulinarisch auszudrücken: Es gibt Weißwurst und Nouvelle Cuisine, Schweinsbraten und Trüffeln, Bier und Bloody Mary. München ist eben ambivalent.