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Ausflüge

Starnberger See
Starnberger See
© Andreas Fränzel

Mit dem Radl um den Starnberger See

Zwischen Starnberger See und Ammersee liegt eine geheimnisvolle Landschaft, die man eigentlich am besten erwandert. Doch auch mit dem Fahrrad kommen Sie den Geschichten dieser Gegend näher, die voll sind von Kobolden, Feen und Gespenstern. Rechnen Sie mit rund fünf Stunden reiner Fahrzeit für die 75 km lange Tour - und vergessen Sie das Badezeug nicht! Eine Tagestour nach Niederbayern (ca. 250 km, reine Fahrzeit gut vier Stunden) ist ein Ausflug ins untouristische, echte Bayern, dorthin, wo eigenwillige Menschen einen eigenwilligen Dialekt pflegen; dorthin, wo sanfte Hügel das Bild beherrschen und unendlich reiche Bauern auf Höfen regieren wie einst die Vögte. Die Tour geht über Landshut, Vilsbiburg, Altötting und zurück nach München. Für diesen Ausflug sollten Sie den Wetterbericht zu Rate ziehen. Sollte Föhn angesagt sein, ist die Aussicht wahrhaft gigantisch: Es scheint, als ob die Kampenwand mitten im Chiemsee stünde. Dann nichts wie los - und Badesachen einpacken. Weil die Salzburger Autobahn (80 km bis zur Ausfahrt Prien) im Sommer staugefährdet ist, empfiehlt sich die Anfahrt mit der Bahn (eine Stunde). Planen Sie einen ganzen Tag für die Tour ein.
Kloster Andechs
Kloster Andechs
© Patrick Huebgen
Die fleißigeren Radler fahren mit der S 6 nur bis Gauting und strampeln die wenigen Kilometer bis zum Mühltal (Abzweigung rechts im Wald). Dort liegt einer der schönsten Biergärten des Münchner Südens, am Wochenende auch mit Dixieland (Wirtshaus Obermühltal, Montag geschlossen, Tel. 08151/85 85, €). Dann geht es rauf aufs Stahlross, runter ins Würmtal und rechts Richtung Starnberg. Starnberg selbst ist zwar keine architektonische Perle. Aber hier an der Uferpromenade zu sitzen und vor der Alpenkulisse den Segelbooten zuzuschauen, ist schon ein bisschen Paradies. Dann aber weiter Richtung Weilheim. An der Ampel am Berg rechts nach Söcking. Links von der Straße führt nun bald ein gepflegter Radweg hügelige 14 km in Richtung Andechs, ein Name, bei dem Bierkenner und Klosterspezialisten aufmerken: Andechs ist ein Benediktinerkloster, das sich, anders als die meisten dieses Ordens, nicht der Pädagogik widmet, sondern der Kunst des Bierbrauens. Weitere Spezialitäten: Andechser Käse und Obatzda (Klostergasthof täglich geöffnet, Bergstr. 9, Tel. 08152/930 90, €).
Es ist der Fluch dieses heiligen Berges, dass man besser rauf als runter kommt. Südlich des Klosters verzweigt sich die Straße, rechts geht‘s zum Ammersee nach Herrsching oder Dießen, Sie aber halten sich links und fahren Richtung Machtlfing zum Starnberger See. Wer Andechs als "Tankstation" ausgelassen hat, kann sich in Machtlfing beim Höfler-Wirt (Montag und Dienstag geschlossen, Tel. 08157/17 27, €) mit dem besten Leberkäse der Gegend belohnen. Eine kurvige, enge, wunderschöne und wenig befahrene Straße führt zur B 2, die Sie, nach Süden eingebogen, schon nach 100 m wieder verlassen. Über das grüne Weideland geht‘s dann bald abwärts nach Garatshausen und Tutzing. Badepause!
In der Tutzinger Bucht ist das Wasser vor allem bei den vorherrschenden Westwinden ruhig und sauber. Hier gibt es jede Menge Segelbootverleiher. Und da in Bayern keine Segelscheinpflicht herrscht, kann jeder, der weiß, wo Luv und Lee ist, auch ein Boot mieten (etwa 10 Euro in der Stunde, je nach Typ und Größe).
Das Museum der Phantasie in Bernried
Das Museum der Phantasie in Bernried
© www.buchheimmuseum.de
Doch das Radl ruft! Lassen Sie sich nach Süden treiben, auf dem wunderschönen Radweg abseits der Straße, in Richtung Bernried, vorbei am Reha-Krankenhaus Höhenrain. Ein paar Kilometer hinter dem Hafen Bernried steht das Buchheim-Museum, eine Pretiose für Kunstkenner. Mit seinen vielfältigen Sammlungen, vor allem expressionistischer Kunst, ist das Ausstellungshaus ein wahrer Publikumsmagnet (Sammlung Buchheim - Museum der Phantasie, Dienstag-Sonntag 10-17 Uhr, Eintritt 8,50 Euro, Am Hirschgarten 1).
Nun aber weiter, nach Seeseiten. Das Wirtshaus des Fischermeisters Dommaschk liegt so zauberhaft, dass man ruhig ein bisschen verschnaufen kann, bis die Bedienung Zeit für einen hat. Hier einen hausgemachten Kuchen oder fangfrischen Fisch probieren, dann wissen Sie, was es heißt, in Bayern zu sein (Café Seeseiten, Montag geschlossen, Tel. 08801/742, €).
Jetzt ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum südlichen Ende des Starnberger Sees, nach Seeshaupt. Hier finden Sie am Lido einen schönen Badeplatz, einen Biergarten und ein gepflegtes Restaurant (Lido, täglich geöffnet, Sankt-Heinrich-Str. 113, Tel. 08801/533, €€). Von hier aus geht es ans Ostufer. Sie fahren am besten den See entlang bis nach Münsing. Wer will, kann entspannt weiter bis Starnberg radeln, doch wer noch Kraft und Lust hat, sollte einen etwas verzwickten Umweg wagen: in Münsing rechts Richtung Wolfratshausen, dann kurz nach dem Ort links rein Richtung Dorfen, ein Sträßlein entlang, durch Wald und Auen, nach der Autobahnunterführung vorbei an einem Bauernhof mit phantastischem Blick ins Isartal. In Dorfen erst rechts, dann gleich wieder links auf die B 11 bis Ebenhausen, dort rechts abbiegen und in verwegener Abfahrt runter nach Kloster Schäftlarn.
Sie befinden sich jetzt auf der Olympiastrecke von 1972 und schwitzen beim Aufstieg am östlichen Isarufer wie die Heroen von damals. Doch in Straßlach wartet ein wunderbares Wirtshaus: Gasthof zum Wildpark (tgl., Tölzer Str. 2, Tel. 08170/996 20, €€); übrigens auch ein Tipp für einen abendlichen Gasthausausflug.
Von hier aus ist es ein Katzensprung bis zurück nach München, und kein Berg quält mehr. Wer dennoch nicht mehr kann, nehme ab Grünwald die Straßenbahn.
Kirche St. Martin in Landshut
Kirche St. Martin in Landshut

Durch's romantische Niederbayern

Fahren Sie über die Autobahn Nürnberg bis zum Kreuz Neufahrn, und biegen Sie rechts Richtung Deggendorf und Flughafen München ab. Weiter auf der Autobahn bis zur Ausfahrt Moosburg-Nord, von dort auf die B 11 nach Landshut. Schon von weitem grüßt St. Martin, der mit 130,6 m höchste Backsteinturm der Welt und Gottesfinger einer wunderbaren gotischen Kathedrale. Landshut ist ein Idyll: reich, sehr bürgerlich, ein architektonisches Wunderland. Die Fürstenhochzeiten sind immer noch eine Weltattraktion. Darüber hinaus gilt Landshut mit der prächtigen Burg Trausnitz als eine der schönsten Städte Bayerns.
Sie sollten sich Zeit lassen, durch die Arkaden der Altstadt bummeln, in den kleinen Galerien shoppen, die Neustadt (auch sie ist alt) nicht vergessen und in einem der Straßencafés eine Pause einlegen. Man kann oben auf dem Hofberg in der Weickmannshöhe einkehren, mit prächtigem Blick aufs Land (September-April Montag geschlossen, Weickmannshöhe 13, Tel. 0871/ 241 18, €€). Vorher aber müssen Sie das alte Rathaus und die Burg Trausnitz (April-September täglich 9-18 Uhr, Oktober-März täglich 10-16 Uhr, Eintritt 4 Euro) gesehen und ihr Burgcafé (€) besucht haben.
2 km nach der Stadtgrenze stoßen Sie auf die B 299 nach Vilsbiburg. Das alte Stadttor und das Stadtbild runter zur Vils sind recht hübsch. Die Stadtpfarrkirche ist, für die Gegend typisch, St. Martin von Landshut nachempfunden, am östlichen Berg steht die Wallfahrtskirche Mariä Hilf. Doch so weit müssen Sie gar nicht, weil Sie in Vilsbiburg vor der Altstadt nach rechts Richtung Velden abbiegen. Nun geht‘s ins Gebüsch.
Das Tal links der Vils aufwärts, durch kleine Weiler wie Frauenhaarbach oder Vilslern (da gibt‘s überall kleine, unverfälschte Wirtshäuser!) bis Velden und dort mittendurch, weiter nach Buchbach und von dort nach Schwindegg. Schönstes Niederbayern, kein Tourist weit und breit (ehrlich!). Die Strecke von Schwindegg nach Mühldorf ist an wilder Romantik nicht zu überbieten.
Mühldorf selbst ist kein Hit. Altötting schon. Nicht nur der Gnadenkapelle wegen, sondern weil man hier im Hotel zur Post (Hotelrestaurant täglich geöffnet, Kapellplatz 2, Tel. 08671/50 40, €€) Gast ist bei einem ehemaligen bayerischen Spitzenpolitiker, der das Wort Amigo ein bisserl zu ernst genommen hat.
Wer spät in München aufgebrochen ist, wird jetzt auf der B 12 nach Hause fahren - aber Vorsicht: Hier sind viele Verkehrsrowdies und LKW-Fahrer unterwegs, und die Strecke kann zu einer echten Geduldsprobe werden. Wer noch Zeit und Lust hat, sollte andersrum zurückfahren und einen Umweg von etwa 60 km in Kauf nehmen: über das nur 17 km entfernte Burghausen und dort unbedingt im Hotel Post speisen und Johanna einen schönen Gruß sagen (täglich geöffnet, Stadtplatz 39, Tel. 08677/ 96 50, €€). Ein Burgbesuch ist ebenfalls Pflicht (die Burg ist immer geöffnet, Führungen Tel. 08677/ 88 71 40).
Jetzt aber geht es endlich Richtung Westen, zunächst mit Südeinschlag nach Trostberg und Altenmarkt, dann weiter Richtung Wasserburg. Die Altstadt ist wunderschön und entschädigt für den etwas langweiligen Rest der Strecke zurück nach München. Südwestlich von Ebersberg, bei Glonn, liegt Herrmannsdorf, und dort gibt es den Biobauernhof der Herrmannsdorfer Landwerkstätten mit angeschlossenem Gasthaus namens Schweinsbräu (Mo und Di geschl., Tel. 08093/90 94 45, €€). Zurück nach München geht es über Glonn und Siegertsbrunn.

Chiemsee

Am Bahnhof Prien empfängt sie gleich ein Schmankerl. Deutschlands letzte Dampfstraßenbahn wartet darauf, Sie die 1,8 km zum Hafen zu schaukeln.
Chiemsee
Chiemsee
Die Flotte der Chiemsee-Schifffahrt besteht aus elf Schiffen. Das Flaggschiff Ludwig Fessler ist ein 1926 auf Kiel gelegter ehemaliger Salonraddampfer mit einer stolzen Länge von 53 m. Jetzt heißt es, sich entscheiden: entweder für die kleine Rundfahrt (1 Stunde, 7 Euro, Tel. 08051/60 90, www.chiemsee-schifffahrt.de) oder die große (2,5 Stunden, 9,80 Euro). Beide Touren können Sie beliebig oft unterbrechen. Erste Gelegenheit dazu bietet die Herreninsel. 20 Minuten Fußweg oder Kutschenfahrt zum König-Ludwig-Schloss und 30 Minuten Besichtigung sollte man sich auf jeden Fall gönnen (1. April-3. Okt. tgl. 9-18 Uhr, 4. Okt.-31. März 9.40 bis 16.15 Uhr, Eintritt 7 Euro, www.herren-chiemsee.de).
Weiter geht es auf die Fraueninsel, die von einem Benediktinerinnenkloster mit einer romanischen Kirche dominiert wird. Der Spaziergang um die ganze Insel dauert knapp eine halbe Stunde, doch locken Biergärten und Klosterwirtschaft. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, sollten Sie bei einem der Kunsthandwerker am Nordufer vorbeischauen und über die "Insulaner" plaudern, wie sich die Bewohner von Frauenchiemsee gerne selber nennen. Und dabei beiläufig erzählen, Sie hätten gehört, dass einer dieser Insulaner anno 2001 bei der Kieler Woche mit einem echten Chiemseepiraten die Oldtimerregatta gewonnen hat.
Nächste Station ist das Städtchen Gstadt, bevor es via Herreninsel wieder zurück nach Prien geht. Doch auch von den Uferorten Bernau, Übersee, Chieming und Seebruck, die alle bei der großen Rundfahrt angesteuert werden, können Sie auf die Inseln übersetzen.
 
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