An dieser Straße scheiden sich die Geister. Kaum ein Tourist versäumt es, an lauen Abenden vom Siegestor rauf zur Münchner Freiheit zu spazieren, zunächst auf der Ostseite, wo eine ganze Heerschar von fliegenden Händlern Kunstprodukte oder das, was sie dafür halten, feilbietet. Zahllose kleine Cafés und Wirtschaften säumen den Boulevard, Eisdielen haben ihre Stühle auf dem Bürgersteig aufgestellt, auf dem Trottoir, wie man in Bayern sagt. Boutiquen, Bücherläden, Schallplattengeschäfte, Diskotheken, Fastfood- und Spezialitätenrestaurants gibt es en masse. Der riesige "Walking Man" der Münchner Rückversicherung im Süden ist nichts gegen das Politikum, das im Norden gen Himmel ragt: Die Highlight Towers, zwei 113 und 126 m hohe Bürotürme, gegen die die Münchner Sturm liefen - sie fürchteten eine Beeinträchtigung des historischen Stadtbildes durch die Glasriesen. Obwohl deren Bau nicht verhindert werden konnte, setzte ein anschließendes Bürgerbegehren durch, dass zukünftig kein Hochhaus die 99-m-Grenze (Höhe der Frauenkirche) überschreiten darf.
U-Bahn
U 3/6 Giselastraße oder Münchner Freiheit
Karte
Ludwigstraße
Wer diesen monumentalen Boulevard von der Feldherrnhalle im Süden der Ludwigstraße in Richtung Staatsbibliothek und Universität hinauf zum Siegestor flaniert, bekommt einen Eindruck von der Idee Klenzes, München mit einer opulenten, in sich geschlossenen Prachtstraße zu bestücken, die alle Welt von der Größe des bayerischen Königtums überzeugen sollte.
Sie ist Münchens Aushängeschild und verrät doch auch so viel über den zwiespältigen Charakter dieser Stadt. Sie misst lediglich 1,5 km und gilt dennoch als Prachtboulevard. Sie startet, stadtauswärts gesehen, symbolträchtig: Im rechten Winkel zu der kurzen (verkehrsberuhigten) Residenzstraße breitet sie sich nach Osten aus, der aufgehenden Sonne entgegen; links flankiert vom strengen Bau des Nationaltheaters, rechts am Hauptpostamt mit dem edlen Freiluftcafé "LOpera" und dem Bayerischen Hauptmünzamt mit dem in großen Lettern verkündeten Motto "Moneta Regia", was der Münchner recht frei übersetzt: "Hier regieren die Moneten". Maximilian II. verwirklichte hier, angewidert von der Liebe seines Vaters Ludwig I. zum strengen Neoklassizismus, von 1853 an seinen Traum von liberaler Architektur. Tudorgotik, italienische Spätrenaissance, französische Arkaden, diese bunte Mischung wagte damals Hofarchitekt Friedrich Bürklein. Und nach dem Zweiten Weltkrieg rangen die Münchner dem Schutt die Wiedergeburt der königlichen Idee ab: Wer am Vormittag gegen die Sonne ans Ende der Straße schaut, sieht jenseits der Isar das klassizistische Landtagsgebäude Maximilianeum wie ein utopisches Ziel hingemalt. Dazwischen liegen Münchens teuerste Modegeschäfte. Hier residieren versteckt einige erlesene Edeljuweliere, Topcoiffeure, Edelbistros, das vornehme Kempinski-Hotel Vier Jahreszeiten und das hoch gelobte Sprechtheater Die Kammerspiele. Münchens bekanntester Insidertreff Schumanns ist leider an den Odeonsplatz umgezogen. Die Regierung von Oberbayern residiert gegenüber dem Max-II.-Denkmal, das trutzig und stolz die Ideologie der damaligen Zeit verkörpert: Gerechtigkeit, Wehrkraft, Friede, Wissenschaft.
PLZ/Stadt:
München
Nahverkehr
Tram 19
U-Bahn
U-S-Bahnhof Marienplatz oder U 4/5 Lehel
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