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Stadtgeschichte

 
George Washington, porträtiert von Gilbert Stuart
George Washington, porträtiert von Gilbert Stuart
Das Tempo ist der Grund, weshalb New York selten ein Ort geschichtsträchtiger Politik war. Vor dem 11. September 2001 fand das letzte historisch bedeutende Ereignis im April 1776 statt, als Staatsgründer George Washington im Unabhängigkeitskrieg gegen die britischen Kolonialherren sein Hauptquartier an den Hudson verlegte. New York wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum UNO-Hauptsitz. Die amerikanische Politik hatte die Stadt nach 9/11 eine Zeit lang immer im Blick, und die UN-Zentrale stand in der Debatte um den Golfkrieg im Mittelpunkt des Weltinteresses, dennoch sieht es so aus, als werde New York seine Bedeutung auch weiterhin nicht aus der Politik ziehen.
Als New York noch einen Hafen hatte, war es ein bedeutendes Industriezentrum. Heute wird weniger produziert als rastlos verwaltet und geschaltet. In der Stadt, die niemals schläft, kann man rund um die Uhr einkaufen, Kneipen besuchen, sich unterhalten lassen, von keinem Ladenschlussgesetz und Nachtarbeitsverbot reglementiert. Langeweile? Nicht hier.
Skywalker über New York 1930
Skywalker über New York 1930
Die Mixtur der Menschen verändert sich permanent. Im 19. Jh. beeinflussten Einwanderer aus Irland, Deutschland, Österreich und Russland das englisch geprägte Bild und assimilierten sich. Anfang des 20. Jhs. kamen Italiener und Polen hinzu. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde New York rettender Hafen für verfolgte Juden aus ganz Europa. Wie in einem Schmelztiegel formte sich daraus eine vielschichtige Einheit. Die Mischung ist so speziell, dass man nirgendwo sonst in den USA Vergleichbares findet. Deshalb empfinden sich die New Yorker als etwas Besonderes, kulturell wach, wirtschaftlich auf der Höhe, neugierig, tolerant und manchmal dreist. New Yorker Arroganz wirkt oft bissig.
Genau genommen gelten diese Feststellungen vor allem für die weißen New Yorker, die diese Stadt dominieren, obwohl sie inzwischen keine 50 Prozent der Bevölkerung mehr ausmachen. Mit den Einwanderungswellen der letzten Jahrzehnte sind Millionen von Mittel- und Südamerikanern hergezogen, Hunderttausende von Chinesen, Koreanern und Vietnamesen; und viele Afroamerikaner aus den Südstaaten. Der Zuzug war so groß, dass die Stadt ihren wirkungsvollsten Mechanismus fast verloren hat: das Verschmelzen, Vermischen und Integrieren vieler Verschiedenartigkeiten. Das verändert ihren Charakter, was David Dinkins, der erste schwarze Bürgermeister New Yorks, 1989 so beschrieb: »New York ist kein Schmelztiegel mehr. Es ist ein Mosaik, in dem alle Teile gleich viel wert sind.«
Doch das Mosaik hat Risse. Manche zeigen sich bereits, wenn man die fünf Stadtteile, die boroughs, betrachtet. Alle könnten für sich genommen ganze Städte sein - wie dies bis 1898 auch der Fall war, als Greater New York durch den Zusammenschluss von Manhattan, Brooklyn, Queens, Staten Island und der Bronx entstand. Besucher spüren davon nur wenig. Denn für sie ist Manhattan - zwischen Freiheitsstatue und Harlem - das eigentliche Ziel. Hier schlägt das Herz der Metropole. Es treibt alle voran, die hier leben, und Gäste zieht es in seinen Bann.
 
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