Neuer Glanz im Schloss Versailles
Die Restaurierung des legendären Spiegelsaals ist abgeschlossen
Neuer Glanz im Spiegelsaal
Foto: Jens Ziehe
Nach dreijähriger Restauration erstrahlt der Spiegelsaal des Prunkschlosses jetzt in neuem Glanz. Während der Reinigungsarbeiten sind die über 40 Restauratoren auf einige Überraschungen gestoßen.
Der Palast des Sonnenkönigs
Der prunkvolle Palast des Sonnenkönigs Ludwig XIV. ist ein Magnet für alle Paris-Besucher. Ursprünglich war das Gebäude ein Jagdschloss, doch König Ludwig XIV. hatte Visionen von einem der eindrucksvollsten Schlösser Europas. Er ließ es ausbauen mit prächtigen Gärten, Brunnen zum Träumen und Sälen mit Stuck, edlen Stoffen und aufwändiger Malerei aus Gold. 1684 fertiggestellt, wurde somit das Schloss Versailles zur damaligen Zeit ein architektonisches Vorbild für die Herrscher vieler Länder. Heute hat das Schloss von seinem Charme nichts verloren. Die makellos gepflegten Gärten, die Brunnen mit ihren spektakulären Fontänen und Illuminationen, sowie die gut erhaltenen Gebäudestrukturen sind wohl alle im Sinne des Sonnenkönigs.
Deckengemälde im Spiegelsaal
Die Zeit hat aber auch Spuren in dem Gesicht des Traumschlosses und vor allen dem des legendären Spiegelsaales hinterlassen. Der Putz bröckelte, die jahrhundertealten Deckengemälde und Spiegel waren verstaubt.
Die Deckengemälde des Hofmalers Charles Le Bruns
Das Deckengemälde von Charles Le Bruns, dem Hofmaler von König Ludwig XIV., war ursprünglich offenbar wesentlich farbintensiver, als bisher angenommen. Der Staub vieler Jahrhunderte hatte die schillernden Farben überdeckt. Vor allem das leuchtende Blau beeindruckte die Restauratoren. Le Bruns verwendete einst das Blau vom Lapis Lazuli, einem blau glänzenden Mineralgestein. Zur damaligen Zeit war dieses Blau äußerst rar und teuer. Weiterhin fanden die Restauratoren Ornamente und kleine blaue Buchstaben auf goldenem Hintergrund auf dem Deckengemälde. Diese waren im Zuge der französischen Revolution mit Bronzefarben überdeckt und teilweise entfernt worden, um alle Zeichen von königlicher Herrschaft zu vernichten. Mit viel Fingerspitzengefühl und Ehrfurcht dem Künstler Le Bruns gegenüber, machten sich die Restauratoren ans Werk, die Verschmutzungen und Übermalungen zu beseitigen.
Glanz auf den Spiegeln des Saales
Spiegel und Gold
Auch die 357 Spiegel haben im Laufe der Jahrhunderte ihren Glanz verloren. Vorsichtig abgehängt und auf Schäden auf der Vor- und Rückseite untersucht, sind die Flecken entfernt und die beschädigte Vergoldung aufgearbeitet worden. Bei den Arbeiten stellten die Restauratoren fest, dass 48 der Spiegel nicht aus der Zeit der Errichtung stammen können. Zur damaligen Zeit sind die Spiegel noch mit Quecksilber überzogen worden, was aber wegen der gesundheitsschädlichen Metalle ab 1850 unter Verbot stand. Diese Spiegel ersetzten die Spezialisten durch Spiegel mit Quecksilberüberzug, um das Ebenmaß der Zeit zu erhalten. Weiterhin sind die Rahmen der 17 Fenster mit Goldblättern überzogen und 7000 m² Parkett verlegt worden.
Schreiten auf den Spuren der Geschichte Europas
Diese erste Komplett-Sanierung des 73 Meter langen Saales nach Fertigstellung des Schlosses hat ungefähr zwölf Millionen Euro gekostet. Eine Investition die sich in jedem Fall gelohnt hat. Von der Decke bis zum Boden erstrahlt nun der geschichtsträchtige Spiegelsaal im neuen Glanz. So wie 1770 als König Ludwig XVI dort die junge Marie Antoinette heiratete. 1871 wurde im Spiegelsaal das Deutsche Reich ausgerufen und der König von Preußen, Wilhelm I (Wilhelm der Große), zum Kaiser gekrönt. Und 1919 ist hier mit den Versailler Vertrag ein Friedensabkommen unterzeichnet worden, der das Ende des ersten Weltkrieges besiegelte. Nun können sich die Besucher wieder am Glanz der damaligen Zeit erfreuen und auf den Spuren der Geschichte Europas wandern.
Fotos:© F.Poche-atelier culture/ Photothèque VINCI