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Père Noël zu Gast in Paris

Frankreichs Hauptstadt im Weihnachtsrausch

Von Frauke Ladleif
Weihnachtsbeleuchtung der Galeries Lafayette
Weihnachtsbeleuchtung der Galeries Lafayette
"Joyeuse Noël" heißt es zu Weihnachten in Frankreich. Oder sollte man besser sagen, "Bon Appetit"? Denn was in Deutschland als besinnliches Miteinander gedacht ist, steht in Frankreich ganz im Zeichen des Genusses. Réveillon heißt beispielsweise die französische Tradition, zu Heilig Abend im Kreise der Familie das, wie soll es anders sein, Essen im wahrsten Sinne des Wortes zu zelebrieren, mit Feuerwerk und Champagner.
Und so liegt die Betonung bei Joyeuse Noël, auch eher auf "joyeuse", fröhlich! Wie fröhlich es in Frankreichs Hauptstadt zur Vorweihnachtszeit zugeht, zeigen die unzähligen Attraktionen, die seit Anfang Dezember Paris zu einem großen Village de Noël werden lassen, einem großen Dorf des Weihnachtsmannes.
Dabei steht auch hier die Réveillon, also der lebhafte Weihnachtsschmaus, im Mittelpunkt. Auf keinem Weihnachtsmarkt, "marché de Noël", in Paris dürfen die traditionellen Festtags-, oder besser gesagt Festnachtsspeisen fehlen: "foie gras", Entenleberpastete, "dinde aux marrons", Truthahn mit Maronen, oder "Bûche de Noel", eine Buiskitrolle mit Buttercremefüllung in Form eines abgesägten Baumstamms. Der "Bûche de Noel" geht auf eine ländliche Tradition zurück, zu Weihnachten im Kamin einen dicken Holzscheit zu verbrennen, um dessen Asche dann auf die Felder zu verstreuen, mit der Hoffnung auf Glück und eine gute Ernte.
Riesiger Marché de Noël bei La Défense
Riesiger Marché de Noël bei La Défense

Marchés de Noël

Der marché de Noël bei Montparnasse rühmt sich eben jener Spezialitäten. Und auf dem riesigen Markt bei La Défense, dem neuen Geschäftsviertel von Paris, finden sich auf mehr als 10.000 qm neben den Leckereien auch jeder nur erdenkliche Schnickschnack, den die Verkäufer in alter Markttradition lebhaft anpreisen.
Neben den großen marchés de Noël bei La Défense oder Montparnasse, finden sich überall in der Stadt kleine Weihnachtsmärkte, wie der vor der Kirche Saint-Germain-des-Prés, auf dem Place Saint-Sulpice, auf der Rue de la Monnaie oder am Centre Pompidou.
Wer jedoch denkt, am Abend noch gemütlich auf dem Weihnachtsmarkt einen Glühwein trinken zu können, wird schnell enttäuscht. Zum Einen schmeckt der französische Glühwein für den deutschen Gaumen etwas seltsam, nach warmgemachten Rotwein oder nach einer überzuckerten Flüssigkeit. Zum Anderen gibt es in Paris nicht die Tradition, sich nach der Arbeit oder am Wochenende am Glühweinstand zu treffen und gemeinsam einen feucht-fröhlichen Abend zu verbringen. Die Weihnachtsmärkte schließen in Paris bereits zwischen 19 und 19:30 Uhr.
Maison de l’Alsace
Maison de l’Alsace an der Champs-Elysées

Paris s’illumine – Paris erstrahlt

Neben den marchés de Noël hat jedes Viertel seine eigene Weihnachtsprachtmeile, insgesamt 100 dieser Straßen. Dass hier der französische Hang zum Gigantesken keine Ausnahme findet, zeigt ein Blick auf die Champs-Elysées. Auf einer Länge von 2,4 Kilometern, vom Arc de Triomphe bis runter zum Place de la Concorde, blinken und blitzen Millionen von Lichtern bis tief in die Nacht. Ganz besonders stolz sind die Pariser dabei auf ihr neu entdecktes Umweltbewusstsein, denn zwei Drittel der Lichter sind Energiesparlampen.
Auf der Champs-Elysées Nr. 39 befindet sich auch das Maison de l’Alsace, das Haus des französischen Elsass. Ein weihnachtliches Farben- und Bilderspektakel spielt sich auf dessen Fassade ab. Im ersten Stock werden zudem auf einem eigenen kleinen Weihnachtsmarkt elsässische Spezialitäten verkauft. Das Maison de l’Alsace reiht sich damit in die Aktion aller französischen Regionen ein, in ihren Pariser "Botschaftshäusern" die jeweiligen regionalen Weihnachtstraditionen vorzustellen.
 
Marché Cadet
Der Marché Cadet ist ein Geheimtipp

Kleinere Weihnachtsstraßen

Doch wer weniger touristische und überlaufene Ecken von Paris bevorzugt, der sollte sich die kleineren Weihnachtsstraßen in den verschiedenen Stadtvierteln anschauen. Die Fußgängerzone am Fuße der Rue Cadet im 9. Arrondissement ist ein typisches Beispiel für die Pariser Form des "savoir-vivre".
In dieser Nebenstraße findet man die Ruhe, um entspannt an den kleinen, in Frankreich noch häufig anzutreffenden Lebensmittellädchen entlang zu schlendern und die französische Kunst der Warendekoration zu bewundern: Obst und Gemüse in gekonnten Pyramiden gestapelt, in Fässern gelagerter Wein zum probieren und die Metzgerei mit Wurst und Schinken ausgehängt wie im Schlaraffenland. Ähnliche Straßenzüge finden sich unter anderem im 14. Arrondissement in der Rue Daguerre oder im 5. Arrondissement in der Rue Mouffetard.
Weihnachtsbaum der Galeries Lafayette
Weihnachtsbaum der Galeries Lafayette

Fensterschau statt Krippenspiel

Nach einem stärkenden Espresso geht es nun weiter von der Schlemmerstraße Rue Cadet zum eigentlichen Highlight des Pariser Weihnachtsrundgangs. Auf dem Boulevard Haussmann mit den berühmten Kaufhäusern Galeries Lafayette und Printemps kann man in einen wahren Konsumrausch verfallen.
In der Galeries Lafayette gibt es auf sieben Etagen, in deren Mitte ein riesiger Weihnachtsbaum von der alten Jugendstilglaskuppel hängt, jeden nur erdenklichen Luxusartikel zu kaufen.
 
Doch die Attraktion ist nicht das Innere des Konsumtempels, sondern seine Fassade und seine Schaufenster, Vitrines de Noël. Jedes Jahr zu Weihnachten werden diese von Künstlern und Designern spielerisch in Szene gesetzt. 2007 durfte beispielsweise der italienische Künstler Valerio Festi seiner Kreativität freien Lauf lassen.
2008 waren verschiedene Designer an den Fenstern beteiligt. Unter dem Motto "Noël en Grand" wurden die Schaufenster sehr unterschiedlich gestaltet, Pink war die dominierende Farbe und "Alice im Wunderland" eines der Hauptthemen.
Weihnachten 2009 stand das französische Kaufhaus unter dem Motto "Noël Provencal": In Kooperation mit der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur und der Industrie- und Handelskammer Marseilles wurden ca. 40 traditionelle Betriebe der Region ausgesucht, die Produkte für das provenzialische Weihnachten anbieten.
Vitrine de Noel von Valerio Festi
Vitrine de Noel 2007 von Valerio Festi
Die Festtage 2010 standen ganz im Zeichen aktueller Musicals, das Motto lautete "Show Chaud Noël". Die dekorierten Schaufenster zeigten Musicals aus den 50er Jahren bis heute, unter anderem von "Hairspray" über "Rockettes" oder "Le Soldat Rose" bis hin zu "Mamma Mia". Ein besonderes Highlight waren die Minikonzerte auf einer Wanderbühne.
Im Jahr 2011 werden die Schaufenster unter dem Motto "Le Noël Rock'N Mode" geschmückt. Der junge Designer Andrew Yang aus New York bringt mit seinen Chiffonpuppen rockiges Feeling hinter die Scheiben des Einkaufszentrums. Auch in diesem Jahr ist für musikalische Unterhaltung gesorgt.
Zum Abschluss geht es nun wieder Richtung Innenstadt. Auf dem großen Rathausplatz am Hôtel de Ville kann am Wochenende bis Mitternacht eine Runde Schlittschuh gefahren werden. Ein willkommener Ausgleich für die ausgiebigen Geschmacksproben durch die französische Küche. Denn zurück in Deutschland wartet ein ähnlicher Essensmarathon. Joyeuse Noël! Nein, besser: Bon Appetit!
 
© Text und Bilder: Frauke Ladleif, Paris
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