Lebensart
Avenue des Champs Elysées
© Paris Tourist Office / Marc Bertrand
Stadt der Liebe, der Mode, der Gastronomie, der Kunst oder auch die Lichterstadt. Paris war schon immer eine Metropole, für die das Beste gerade gut genug war, eine Stadt der Superlative. Schneller, schöner, größer, glänzender als andere und das sicher nicht nur im Vergleich mit Berlin, der preußischen Kapitale, von der Friedrich der Große sagte, er habe nicht die törichte Anmaßung zu meinen, Berlin könne Paris aufwiegen. Es genügt, an einem Dezemberabend den dann von 135 000 Glühbirnen zum Glänzen gebrachten, 2,5 km langen Prachtboulevard Champs-Elysées entlangzuschlendern oder in dem zu jeder Tages- und Nachtzeit quirligen Studenten- und Vergnügungsviertel Saint-Germain-des-Prés von einem Straßencafé aus das bunte Treiben zu beobachten, um vom Virus dieser Stadt angesteckt zu werden.
Die mitunter aufrührerische und raue Art der Stadtbewohner in der Vergangenheit prägt bestehende Vorurteile über die Pariser bis heute. Sie gelten nicht gerade als besonders herzlich - und können doch äußerst charmant sein, haben häufig Eleganz und viel Sinn für Ästhetik. Aber vor Verallgemeinerungen sollte man sich hüten, denn »den« Pariser gibt es gar nicht. Paris bestand schon immer aus einem bunten Gemisch von Menschen verschiedener Herkunft. Früher waren dies Bretonen, Auvergnaten, Elsässer und Basken, die auf der Suche nach einem besseren Leben kamen und die Stadt bereicherten, die Elsässer etwa mit ihren Brasserien. Später kamen Afrikaner, die heute an der Goutte d‘Or jeden Sonntag einen herrlich bunten Markt abhalten, oder die Chinesen, die um den Place d‘Italie siedeln, dort ihre eigenen Märkte, Geschäfte und Restaurants eröffnet haben.
Les Deux Magots
© Paris Tourist Office / David Lefranc
Paris ist eben multikulturell und tolerant. Eine Stadt, die politisch Verfolgte, Revolutionäre wie Karl Marx oder Leo Trotzki, aber auch Flüchtlinge vor der Nazi-Diktatur aufgenommen hat. Eine Stadt, die immer Künstler angezogen hat. Es ist kein Zufall, dass wichtige Strömungen der Malerei wie Impressionismus oder Kubismus gerade hier ihren Anfang nahmen. Maler wie Auguste Renoir, Vincent van Gogh und Pablo Picasso, Schriftsteller wie Heinrich Heine, Voltaire, Victor Hugo, Honoré de Balzac, Charles Baudelaire, Marcel Proust, Ernest Hemingway, Julian Greene und Jean-Paul Sartre lebten und arbeiteten hier. Die Künstler trafen sich in heute berühmten Cafés und Brasserien, selbstverständlich links der Seine, rive gauche. Da, rund um die Universität Sorbonne, liegt seit jeher das geistige Zentrum der Stadt. Die meisten dieser Treffpunkte wie das Procope, das Le Flore oder das Existenzialistendomizil Les Deux Magots im Quartier Latin und die Closerie des Lilas im einstigen Künstlerviertel Montparnasse existieren immer noch und werden gern besucht.
Für Touristen sind diese Lokale willkommene Ruhezonen in der an Attraktionen so reichen Metropole, die nicht aufhört, sich zu verändern - wie eine kapriziöse Schöne, die sich ständig von einer anderen Seite zeigt. Mal ernst, mal ausgelassen, mal verrucht, mal bieder und seriös, mal alt, dann aber auch wieder ganz jung und faltenlos.