Stadtgeschichte von Paris
Paris, Abbildung von 1493
Seit vielen Jahrhunderten ist Paris lebendiger politischer, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt Frankreichs und eine der großen Metropolen dieser Welt. Zumeist Sitz des Königs und der Regierung, war die Stadt mit ihren zahlreichen Hochschulen seit dem Mittelalter ein geistiges Zentrum Europas, Schaffensstatt unzähliger Künstler, Schriftsteller und Architekten und immer auch Quell der Unruhe, von Aufständen.
Paris war Schauplatz vieler Revolutionen. Die eine, große, von 1789 wurde mit ihrer Losung "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" sogar zum Symbol des Kampfs gegen die Unterdrückung, obwohl die erkämpften Rechte vor allem dem Bürgertum, nicht aber den unteren Volksschichten zugute kamen. Die "Französische Revolution" wurde dennoch zum Fanal für die Freiheitsbewegungen vieler Länder. Eine andere Revolution, die Pariser Kommune von 1871, war ein dramatischer Aufstand der Pariser Bevölkerung, die nach einer fünfmonatigen Belagerung der Stadt durch die deutschen Truppen von Bombardements und Nahrungsknappheit geschwächt war. Die aufständischen Arbeiter und Handwerker widersetzten sich mit Waffengewalt den Anordnungen der neuen republikanischen Regierung, die nach der Abdankung von Kaiser Napoleon III. gebildet worden war, und bildeten eine Art Räterepublik. Doch der teilweise unter dem Einfluss revolutionärer Sozialisten stehende Aufstand wurde in wochenlangen Straßenkämpfen durch die unter dem Befehl der nach Versailles ausgewichenen Regierung stehenden Truppen blutig niedergeschlagen. Obwohl der Bewegung eine klare politische Ausrichtung fehlte, wurde sie im Nachhinein von Karl Marx zur ersten kommunistischen Revolution verklärt.
"Der Sturm auf die Bastille" von Houel
© Bibliothèque Nationale Française
Streiks und Demonstrationen gibt es in Paris noch heute häufig, und auch wenn sie längst keine weltgeschichtlichen Auswirkungen mehr haben, so fürchtet sich doch jede französische Regierung vor der Mobilisierung der Straße. Die Probleme des gigantischen Ballungszentrums - im gesamten Großraum leben 11 Millionen Menschen - sind im Allgemeinen mit denen anderer Städte dieser Größe vergleichbar: Riesige Verkehrs- und Umweltprobleme, an denen Paris schier zu ersticken droht. Luxussanierungen und horrende Mieten, die sozial Schwache und Einwanderer in immer größerem Maß in die tristen Wohnblocks der Vorstädte drängen.
Man sollte sich aber auch hüten vor der Idealisierung einer nicht wirklich besseren vergangenen Zeit, die von oft haarsträubenden sozialen und hygienischen Verhältnissen geprägt war. Diese waren mit ein Grund für die aufrührerische und revolutionäre Einstellung der Pariser Bevölkerung, die für die Herrschenden immer eine Gefahr bedeutete. Nicht zuletzt deswegen ließ der Baron Georges Haussmann, Präfekt Napoleons III., im 19. Jahrhundert rücksichtslos riesige Breschen, die heute prächtigen Boulevards, in die noch mittelalterliche Stadt schlagen. So konnte man die Bevölkerung besser kontrollieren, aber auch die hygienische Situation wurde verbessert.