An einem der geschichtsträchtigsten Orte Frankreichs, rund um die an die Juli-Revolution von 1830 erinnernde Säule, pulsiert nicht nur der Verkehr, sondern auch das Nachtleben der Stadt. Hinter der silbern glänzenden Opéra de la Bastille, die an der Stelle des von den Revolutionären erstürmten Gefängnisses steht, haben sich in diesem einst volkstümlichen Viertel nach den Künstlern viele Trendlokale angesiedelt. In der Rue du Faubourg Saint-Antoine, der Rue de Lappe, der Rue de la Roquette und der Rue de Charonne tobt das Leben bis in die frühen Morgenstunden. In den letzten Jahren ist auch die etwas weiter nördlich gelegene Rue Oberkampf schwer in Mode gekommen.
Seit in den 1970er-Jahren die berühmten Markthallen abgebaut und das vierstöckige, tief in die Erde gegrabene Einkaufszentrum Forum des Halles errichtet wurde, ist der Blick auf die schöne gotische Kirche Saint-Eustache frei. Das war wohl der einzige Vorteil dieser Maßnahme. Hier dominieren Billiggewerbe, und nachts ist die Gegend etwas unsicher. Unter den wenigen Lichtblicken: die lebendige Fußgängerzone Rue Montorgueil mit vielen kleinen Restaurants und Geschäften.
Im Gegensatz zum reichen Westen der Stadt hat sich Belleville seinen volkstümlichen Charakter weit gehend bewahrt. Hier wohnen Arbeiter und kleine Angestellte, aber auch viele Immigranten. Authentisches Kiezleben ohne Touristenrummel ist auch noch in einigen Musette-Lokalen zu spüren - fast wie damals, als Edith Piaf hier aufwuchs. Seit Künstler den Charme des Viertels und die noch relativ niedrigen Preise entdeckt haben, kommt auch Belleville in Mode. Einen schönen Blick über Paris und die sich steil den Berg hinaufziehenden Gassen haben Sie vom Belvedere oberhalb des neu angelegten Parks von Belleville.
Die zwei mit einer Brücke verbundenen Inseln gehören heute zu den teuersten Wohngebieten der Stadt. Die größere, die Ile de la Cité, war schon zur Römerzeit besiedelt und ist wegen der Sainte-Chapelle und Notre-Dame beliebtes Touristenziel, bietet aber mit dem fast südfranzösisch wirkenden und schattigen Place de la Dauphine und ihren netten Cafés direkt neben der Pont Neuf auch Oasen der Ruhe. Aristokratischer wirkt die kleinere Ile Saint-Louis. Die Rue Saint-Louis-en-Ile mit ihren geschmackvollen kleinen Läden, Crêperien und Cafés durchzieht die ganze Insel.
Eins der anregendsten Viertel der Stadt. Vor allem nachts eine bunte Mischung aus gelebter jüdischer Tradition und szeniger Jugendkultur. Der Errichtung des Königsplatzes Place des Vosges im 17. Jahrhundert unter Heinrich IV. folgte der Adel, der hier prächtige Paläste, die so genannten "Hôtels", baute, in denen heute vielfach Museen untergebracht sind. Das Marais ist auch eins der wenigen Viertel, das nicht der Haussmannschen Umgestaltungswut zum Opfer fiel, das aber nach seiner Blütezeit mehr als zwei Jahrhunderte lang verfiel und erst unter Kulturminister André Malraux in den 1960er-Jahren nach aufwändigen Restaurierungen wieder in Mode kam. Es macht Spaß, durch die engen Straßen zu bummeln, in der Rue de Rosier in einem koscheren Laden eine leckere "falafél" zu genießen und danach vorbei an den extravaganten und trendigen Modegeschäften der Rue des Francs Bourgeois oder der Rue Vieille du Temple zu flanieren. Das Quartier ist bekannt für seine vielen Cafés, Bars und Restaurants.
Während die Touristen am Fuß des höchsten Hügels von Paris um den Place de Clichy und den Pigalle von billigen Sexgeschäften angeblinkt werden, zehrt das höher gelegene ehemalige Dorf Montmartre vom Künstlerruhm vergangener Zeiten. Die meisten Künstler, die wegweisend für die Malerei des 20. Jahrhunderts wurden, haben wegen des Flairs und der günstigen Mieten zumindest zeitweise in dem immer noch dörflich wirkenden Viertel gelebt.
Unter anderem befanden sich Pablo Picasso, Auguste Renoir, Georges Braque, Maurice Utrillo und Juan Gris darunter.
Heutzutage versuchen Möchtegernkünstler am Place du Tertre den Touristen das Geld aus der Tasche zu locken. Von der Treppe vor der Basilika Sacré-CÅ“ur haben Sie einen herrlichen Blick auf Paris.
Der alles überragende Wolkenkratzer Tour Montparnasse ist im Grund nur von dessen Aussichtsterrasse, der höchsten von Paris, zu ertragen (April-Sept. 9.30 bis 23.30, Okt.-März 9.30-22.30 Uhr, 8,50 Euro). Inmitten teils hässlicher Gebäude aus den 1960er-Jahren tun sich plötzlich idyllische, begrünte Hinterhöfe und Ateliers auf, in denen große Künstler wirkten und die auch heute noch künstlerisch genutzt werden. Im Chemin du Montparnasse an der Avenue du Maine arbeiteten beispielsweise Pablo Picasso, Amedeo Modigliani, Marc Chagall und Henri Matisse nach dem Ersten Weltkrieg. Ihre Stammlokale wie La Coupole, Closerie des Lilas, Le Dôme oder La Rotonde sind auch heute noch beliebte Treffpunkte. In Letzterem hielten Lenin und Leo Trotzki einst politische Versammlungen ab, die regelmäßig von der Polizei unterbrochen wurden. Auf dem Cimetière du Montparnasse ruhen neben anderen die Dichter Samuel Beckett, Charles Baudelaire und das Literatenpaar Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir.
U-Bahn
M 4, 6, 12, 13: Montparnasse-Bienvenüe, M 6: Edgar Quinet
Karte
Quartier Latin
Anregende Mischung aus mittelalterlichem Geist und quirliger Studentenszene in dem Viertel, in dem einst nur Latein gesprochen wurde. Die im 13. Jh. gegründete Universität Sorbonne war lange Zeit die intellektuelle Keimzelle Europas. Kein Wunder, dass sich hier auch Eliteschulen und das mittelalterliche Palais der Bischöfe von Cluny ansiedelten. Die dort entdeckten römischen Thermen sowie das fast vollständig erhaltene Amphitheater Arènes de Lutèce zeugen von noch älteren Ursprüngen. Heute tummeln sich in den Cafés, Jazzclubs und Restaurants um den Boulevard Saint-Michel Studenten und Touristen aus der ganzen Welt.
U-Bahn
M 10: Cluny-La Sorbonne
Karte
Saint-Germain-des-Prés
Wie das Quartier Latin liegt auch dieses Viertel auf der linken Seine-Seite (rive gauche), die traditionell als intellektuelles Zentrum gilt, während rive droite, das rechte Ufer, vormals eher bürgerlich war. Das Literatenviertel hat seinen Kern neben der gleichnamigen Kirche am Boulevard Saint-Germain. Im Café de Flore und im Les Deux Magots diskutierten in den 1950er-Jahren Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus und andere Existenzialisten. Doch schon Voltaire und der Enzyklopädist Denis Diderot speisten im Procope, dem ältesten Restaurant von Paris. Dichter wie Charles Baudelaire, George Sand, Rainer Maria Rilke und Ernest Hemingway ließen sich im angrenzenden Jardin du Luxembourg von der Muse küssen. Rund um die Académie des Beaux Arts, die Kunstakademie, reihen sich ausgesuchte Antiquitätenläden, Cafés und Kunstgalerien aneinander.