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Neues Opernhaus

Das Große Chinesische Nationaltheater ist ein elegantes Wahrzeichen des modernen Peking

Modell des Opernhauses
Modell des Opernhauses
© www.paul-andreu.com
Seit seiner Öffnung gegenüber der westlichen Welt zieht das bevölkerungsreichste Land der Erde nicht nur westliche Industriefirmen an, sondern verändert auch das Gesicht vieler seiner Großstädte. Zunehmend entstehen hier Bauwerke internationaler Architekten und manifestieren den Eintritt in eine neue Epoche. So investierte die chinesische Regierung in den letzten Jahren mehrere Milliarden Euro in spektakuläre Großprojekte wie die Stadien der Olympischen Spiele 2008 oder den Sitz des staatlichen Fernsehens CCTV. Vorläufiger Höhepunkt ist das Große Chinesische Nationaltheater in Peking, künftiger Schauplatz von Opern, Theater und Konzerten internationalen Ranges.

Eine neue Oper in Peking

Anfang 1999 schrieben die chinesischen Behörden einen Architekturwettbewerb für dieses gleichermaßen reizvolle wie ambitionierte Projekt aus. Geplant war der Bau eines großen Opernhauses mitten im Herzen der Metropole, nur einen Steinwurf entfernt von der Verbotenen Stadt und dem Tien-an-men-Platz. Der französische Architekt Paul Andreu erhielt den Zuschlag für den Entwurf einer großen Muschel, die wie ein schützender Baldachin in einem künstlichen See ruht. Der Zugang erfolgt von zwei Seiten durch einen gläsernen Tunnel unter dem Wasser: eine Insel der Kultur umgeben von einem Park. An seinem Ende erhebt sich ein goldglänzender Monolith. Dieser gigantische Zylinder – umhüllt von einem goldenen Schleier – birgt in seinem Inneren die Oper.
 
Blick auf das neue Große Chinesische Nationaltheater in Peking
Blick auf das neue Große Chinesische Nationaltheater in Peking
©Hui Lan / flickr.com
 

Symbolträchtiger Weg in eine magische Welt

Dieses als "Perle von Peking" gerühmte Prestigeobjekt beeindruckt schon alleine mit seinen Zahlen: Neben der Hauptbühne, die rund 2.500 Opernliebhabern Platz bietet, sind unter die gewaltige Titan-Glaskuppel noch zwei weitere Spielstätten mit insgesamt 3.200 Sitzplätzen integriert. Die rund 150.000 Quadratmeter große Grundfläche überspannt eine große Glaskuppel – 212 Meter in der Länge und 143 Meter in der Breite. Eine unterirdische Parkgarage bietet Stellfläche für 950 Autos und 1.420 Fahrräder. In der Mitte der riesigen Außenhaut aus Titan ist eine Verbundglas-Konstruktion. Hierdurch vermittelt die vordere Fassade den Eindruck eines sich öffnenden Vorhangs – Analogie zum Szenario: "Die Vorstellung beginnt!".
Mattgolden schimmernde Gewebefassade
Mattgolden schimmernde Gewebefassade
©GKD
Paul Andreu interpretierte das "alte" Thema eines Weges, der die Theaterbesucher in eine abgeschiedene, magische Welt führt, neu. Eine gewölbte, metallische Hülle leuchtet im Dunkeln wie eine chinesische Laterna Magica und führt durch verschiedene goldfarbene Schleier im Inneren zum mit Rotholz verkleideten Konzertsaal. So entsteht eine zauberhafte Abfolge von Atmosphären und symbolischen Szenerien, die gerade im asiatischen Raum von großer kultureller Bedeutung sind. Bis hin zur Auswahl der durchgängig verwendeten Farben – Rot und Gelb – wurde hier nichts dem Zufall oder freikünstlerischer Willkür überlassen. Denn, so die chinesische Philosophie: "Wenn Glück (Rot) und Macht (Gelb) zusammenkommen, ist der Erfolg nicht aufzuhalten".

Ein deutsches Familienunternehmen im Dienste der Oper

2001 wurde die GKD – Gebr. Kufferath AG, weltweit führender Hersteller anspruchsvoller Gewebe aus Metallen und Kunststoff mit eigener Produktion in China, in das Projekt eingebunden, 2004 der Auftrag an das Familienunternehmen konkret
Durch das transparente Gewebe sind die Wandelgänge sichtbar
Durch das transparente Gewebe sind die Wandelgänge sichtbar
© GKD
Die Aufgabe umfasste die komplette Verkleidung der innen liegenden Fassade und Säulen der Oper mit Gewebe. Angesichts der Einzelmaße der Fassadenpaneelen und der gestalterischen Vorgaben an das Material eine vielschichtige Herausforderung. Neben der Entwicklung eines neuartigen Produktes und geeigneter Fertigungsverfahren galt es auch, ein ausgeklügeltes Logistikkonzept bis hin zur Montage durch vom Bauherrn empfohlene chinesische Montagefirmen zu leisten.
In Beantwortung der Vorgaben des Architekten entwickelte GKD für die Oper Peking das neuartige Mischgewebe Xinghai – benannt nach einem berühmten chinesischen Opernsänger – aus in zwei verschiedenen Goldtönen eloxiertem Aluminiumdraht und kaum sichtbaren Edelstahlseilen. Die Drähte der Fassadenpaneele wurden in einem Spezialverfahren in zufälliger Farbkombination miteinander verwoben. Trotz der führenden Produktionstechnologie der Weberei eine Herkulesaufgabe, galt es doch, den vorgeschriebenen, zufälligen Farbenmix der Aluminiumdrähte für die gesamte Fläche zu realisieren.

Symbiose aus fernöstlicher Tradition und westlichem Know-how

Die außergewöhnliche Ästhetik des Metallgewebes gab sicher den ersten Impuls für den Einsatz bei diesem nicht nur für China wegweisenden Projekt: Die insgesamt 5.400 Quadratmeter großen Paneelen wirken wie ein Schleier, der die dahinter stattfindende Aufführung und ihre Besucher schützt. Hinter der goldfarbenen Fassade der Wandelgänge sind die Menschen schemenhaft sichtbar. Doch die mattgolden schimmernde Hülle besticht außer durch optische Faszination durch ihre besondere Funktionalität. Als nicht brennbare Absturzsicherung, die Zugigkeit und Geräuschpegel mindert, aber optimale Luftzirkulation ermöglicht, vereint sie Offenheit und Schutz in geradezu selbstverständlich anmutender Souveränität.
Das Große Chinesische Nationaltheater wurde zum Jahreswechsel 2007/2008 eröffnet, nachdem eine erste Veranstaltung bereits Ende September statt fand. Architektonisch ist das Bauwerk eine beeindruckende Symbiose zwischen fernöstlicher Tradition und westlichem Know-how – auch dank der GKD – Gebr. Kufferath AG und ihrer inspirierenden Metallgewebe.
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