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Lebensart

Chinesische Kampfkunst im Grünen
Chinesische Kampfkunst im Grünen
© Pfctdayelise / Creative Commons
Im Leben in den Straßen, auf den Märkten, in Büros, Schulen und Fabriken spiegeln sich Tradition und Gegenwart in tausenderlei Mischungsverhältnissen. Morgens im Park treffen sich die Frühaufsteher zum Schattenboxen, während andere nach Diskomusik aus dem Kassettenrekorder Gymnastik machen. Vor den heruntergekommenen, doch noch immer heimeligen Altstadthäusern hocken alte Männer unter Schatten spendendem Blätterdach auf winzigen Stühlchen, tief über eine Partie chinesisches Schach gebeugt. Unterdessen wächst nebenan ein neuer Konsumtempel oder ein weiteres Luxushotel in die Höhe. Gewisse amerikanische Bulettenbratereien haben sich bis in entlegene Stadtteile verbreitet, Kaderkinder und Jungunternehmer strömen in Diskotheken und Karaoke-Bars. Schick ist es, im Hochhaus zu wohnen: mit Parkett und eigenem Bad.
 
Kaufhaus Oriental Plaza
Kaufhaus Oriental Plaza
© Oriental Plaza

Abends bummeln

Unter Mao legte man sich nach dem Abendessen ins Bett, in der frühen Reformära hockte man vorm Fernseher. Heute geht man abends aus. Am allerangesagtesten sind die Kneipen- und Restaurantzeilen rund um die hinteren Seen, wo Liebespärchen sommertags noch im Finstern Ruderboote für ein Tête-à-tête abseits des Trubels mieten. Auch die Shopping- und Restaurantmeile der Xidan ist beliebt; man trifft sich am U-Bahn-Ausgang. Für Hauptstadttouristen - chinesische wie ausländische - ist die Wangfujing interessanter. Sie lockt allabendlich mit Straßencafés, Glitzerkaufhäusern, Bungee-Jump in der Kapsel (vorm Sportkaufhaus) und lustigem Fontänenprogramm (um acht vorm Kaufhaus Baihuo Dalou). Selbst nach Geschäftsschluss wird weiter gebummelt.

Qigong und andere Lehren

Qi: das ist der Lebensodem, die Lebensenergie. Seit alters ist es das Ziel von Daoisten, ihr Qi zu wahren und zu mehren. Qigong, das "Wirkenlassen des Qi", ist ein Sammelbegriff für alle Körper- und Atemübungen, die diesem Ziel dienen, und so viele Qigong-Formen es gibt, so viele Qigong-Lehren. Manche haben die Kommunisten verboten: Sie waren ihnen zu gefährlich, erschienen ihnen geheimbündlerisch. Ebensolche Furcht steckt auch hinter der Verfolgung von Falungong, einer Gesundheitslehre mit buddhistischen Elementen.
Auch das im Westen sehr bekannte Schattenboxen, Tai Chi Chuan, ist letztlich eine Qigong-Form, wenn auch eine wenig spektakuläre. In China praktizieren sie vor allem ältere Leute. Welche Qigong-Formen gerade Mode sind, erfahren Sie beim morgendlichen Frühsport im Park.
 
Der Drache ist ein wichtiges Symboltier
Der Drache ist ein wichtiges Symboltier
© Manfred Schütze / pixelio.de

Symbole

Vom Bauern bis zum Kaiser umgeben sich die Chinesen seit je mit glückverheißenden Symbolen. Chinesische Drachen bewohnen das Lebenselixier des Wassers: Wolken, Flüsse, Brunnen, Meere. Der Regen und Segen bringende Wolkendrache mit fünf Krallen pro Tatze ist Symboltier des Kaisers, der paradiesvogelartige Phönix Sinnbild der Kaiserin.
Die drei Glücksgötter stehen für die drei alten Lebensideale: Der eine hat ein Söhnchen in Begleitung (männlichen Nachwuchs), der mittlere in roter Robe trägt einen Beamtenhut, hat also Ansehen und Wohlstand errungen, und ein glatzköpfiger Alter, auf einen Stock gestützt und einen Unsterblichkeitspfirsich in der Hand, verkörpert langes Leben.
Fisch (yu) lautet wie "Überfluss" - besonders sinnreich auf Essgeschirr. Die Fledermaus (fu) bedeutet Glück (fu). Der Hirsch (lu) steht für Beamtengehalt (lu) - also sicheres, reichliches Einkommen - und für langes Leben. Kraniche werden angeblich uralt, verkörpern also ebenfalls Langlebigkeit. Sie sitzen gern auf Kiefern, die sich, da immergrün, ebenfalls nicht versiegender Lebenskraft erfreuen.
Die Lotosblüte ist im Buddhismus ein Symbol der Reinheit, die zu erreichen möglich ist, selbst wenn man, wie die Lotospflanze, im Schlamm wurzelt. Pfirsich: Man denkt an die Pfirsiche der Unsterblichkeit, die in den Gefilden der Seligen wachsen.
 
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