Stadtgeschichte
Der Kaiserpalast in der verbotenen Stadt
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Die Erwartung ist groß. Peking war einst Mittelpunkt einer Weltkultur. Die Mongolen und die Mandschu beherrschten von hier aus den größten Teil Ostasiens. Heute ist die Stadt politisches und kulturelles Zentrum für ein Fünftel der Menschheit, rund das Doppelte von ganz Europa. Und mit der "Verbotenen Stadt", mit seinen Tempeln und Palästen verkörpert Peking, so mag es scheinen, die gesammelten Geheimnisse Chinas, ja, des Orients. Gehen die Erwartungen in Erfüllung?
Von der Garnisonstadt zur Metropole
So typisch chinesisch die klassischen Bauten Pekings mit ihren Kunstschätzen erscheinen, so erstaunlich ist es, dass sie sich gerade hier finden. Alle anderen alten Hauptstädte Chinas lagen über 600 bis 1100 km weiter südlich, Peking selbst war bis zum 10. Jahrhundert meistenteils bloß eine Garnisonstadt an der Nordgrenze des Reiches kurz vorm Grasland der Nomaden.
Verbotene Stadt bei Nacht
© Jörg Kalt / pixelio.de
Erst unter den Mongolen kam der alte Grenzort dank seiner für sie günstigen Lage zu neuen Ehren. Und zu was für welchen! 1267 wurde ein Chinese beauftragt, eine Residenz von Weltgeltung zu entwerfen, passend zu den Ambitionen der neuen Herrscher. 50 km² umfasste die neue "Große Hauptstadt" (Dadu), geschützt von einer 29 km langen, nach chinesischem Vorbild streng rechtwinklig an den Himmelsrichtungen orientierten, zwölftorigen Stadtmauer, durchzogen von schnurgeraden Boulevards. 1275, ein Jahr nach der Fertigstellung der Metropole, schritt Marco Polo durch ihre Straßen und verbreitete den Ruhm von Khanbalik (Stadt des Khan) bald bis Europa.
Kein Jahrhundert später war die Mongolenherrschaft vorbei und die neue Dynastie (Ming, 1368-1644) in Nanking gegründet. Damit schien Pekings alt-neue Rolle vorgezeichnet: wieder bloße Garnisonstadt, wieder Provinz zu sein. Ein jüngerer Sohn des ersten Ming-Kaisers aber brachte nach dessen Tod den Thron an sich (Yongle-Ära, 1403-24), und da er seine Machtbasis in Peking hatte und außer dem chinesischen Kernland auch die mongolischen Steppen kontrollieren wollte, verlegte er die Hauptstadt erneut hierher. Von nun an galt die Stadt als Beijing, "Nördliche Hauptstadt" - ihr heutiger Name.
Das Yonghe Gong Schild
Ab 1406 entstand nun jene Metropole, deren imposante Reste Sie heute noch besichtigen können. Nachdem 1553 auch die südliche Vorstadt befestigt worden war, gab es bis um 1900 kaum bauliche Veränderungen, und noch Anfang der Fünfzigerjahre sah das Stadtbild aus wie seit Jahrhunderten: Von der Stadtmauer aus blickte man auf ein Meer grau gedeckter, meist ein- und selten zweigeschossiger Wohnhäuser, die nur von den gelb glasierten Dächern des Palastes sowie einigen Tempelbauten, Pagoden und Bäumen überragt wurden. Die Mandschu, deren Dynastie die Ming 1644 ablöste (Qing-Dynastie, bis 1912), fügten außerhalb der Stadt mehrere Gartenpaläste hinzu, innerhalb der Stadtmauern auch den Lamatempel Yonghe Gong.
Im 19. und 20. Jahrhundert fielen dreimal Ausländer über Peking her: 1860 die Engländer und Franzosen, 1900 bei der Niederschlagung des Boxeraufstands eine alliierte Armee von acht Fremdmächten und 1937 die Japaner. 1927 war die republikanische Regierung nach Nanking umgezogen, und Peking wurde in Peiping (Beiping, Nördlicher Friede) umbenannt. Doch 1949, mit der "Befreiung", gaben die siegreichen Kommunisten Peking den alten Namen und seine Hauptstadtfunktion zurück.
Tian'an Men Tor mit Mao-Bild
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Stadtanlage und Stadtentwicklung
Pekings städtebaulicher Kern ist der Kaiserpalast. Dessen Mauergeviert war einst umgeben von der sogenannten Kaiserstadt als innerstem Stadtbezirk. Ihre Ummauerung ist verschwunden bis auf die Südmauer mit dem Tor des Himmelsfriedens, dem Tian'an Men. Eine neuntorige Stadtmauer fungierte als äußerer Schutzwall der sogenannten Inneren Stadt, des eigentlichen Stadtgebiets.
Außen vor den neun Toren lagen (und liegen) in den vier Himmelsrichtungen die Altäre, auf denen der Kaiser mit Opfern an Himmel und Erde, Sonne und Mond die Menschheit mit dem Kosmos versöhnte und mit rituellem Pflügen die Ackerbausaison eröffnete. Das gewerbliche Leben vollzog sich in den Vorstädten. Deren größte war die Südstadt. Ihrem Stadtgraben folgt heute der südliche Teil der zweiten Ringstraße.
Große Straßen prägen das moderne Peking
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Nach 1949 ließ man die Altstadt erst zu einem Slum verkommen, dann hatten die historischen Wohnviertel Hochhäusern zu weichen. Selbst für das Umfeld der kostbarsten Ensembles (Kaiserpalast, Himmelsaltar) wurden Bauhöhenbeschränkungen nur halbherzig durchgesetzt. An Stelle der historischen Hauptstraßen wurden drei-, viermal so breite Autoschneisen durch die Altstadt geschlagen. Ein Großteil der Altstadtbewohner wurde in Satellitenstädte umgesiedelt. Der Untergang des alten Peking ist ein unermesslicher Verlust für die Weltkultur. Die moderne Metropole bietet dafür mehr Grün, mehr Sauberkeit und mehr Bequemlichkeit. Diese Tendenz verstärkt sich noch, je näher die Olympischen Spiele 2008 rücken.